Skispringen Widhölzl siegt beim Neujahrsspringen

Erstmals in dieser Saison musste Martin Schmitt einen Rückschlag hinnehmen. In Garmisch-Partenkirchen landete er auf einem für seine Ansprüche enttäuschenden elften Platz. Dafür glänzte Sven Hannawald erneut mit einem vierten Rang. Souveräner Sieger beim zweiten von vier Springen der Vierschanzentournee wurde der Österreicher Andreas Widhölzl.


Andreas Widhölzl in Garmisch-Partenkirchen
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Andreas Widhölzl in Garmisch-Partenkirchen

Garmisch-Partenkirchen - Andreas Widhölzl, 23, gewann am Samstag auf der Olympiaschanze von Garmisch-Partenkirchen das traditionelle Neujahrs-Skispringen, den zweiten Wettbewerb der 48. Vierschanzentournee. Mit 113 und der Tagesbestweite von 121 Metern sammelte der Tiroler 241,7 Punkte, feierte vor 30.000 Zuschauern damit seinen zehnten Weltcup-Sieg, übernahm mit 469,2 Punkten die Führung in der Tournee-Gesamtwertung und durfte sich über 37.500 Mark Siegprämie freuen. Martin Schmitt, der Sieger von Oberstdorf, kam mit 110,5 und 112,5 Metern (218,4) nur auf den elften Platz und fiel hinter Widhölzl auf den zweiten Platz (461,4) vor dem Österreicher Andreas Goldberger (459,1) zurück.

"Damit habe ich nicht unbedingt gerechnet. Aber die anderen haben sich heute wohl selbst geschlagen", sagte Widhölzl, der die Pause zwischen Oberstdorf und Partenkirchen zu einem Familienbesuch zu Hause genutzt hatte. Jetzt wittert "Sweader" sogar Morgenluft: "Die Schanzen in Innsbruck und Bischofshofen liegen mir wesentlich besser als die hier."

"Ich hatte hier nur einen guten Sprung, das war gestern in der Qualifikation. Ansonsten bin ich mit der alten Schanze überhaupt nicht zurecht gekommen. Ich bin eben auch nur ein Mensch und kein Computer. Aber ich werde den Kopf nicht in den Sand stecken", sagte der 21 Jahre alte Doppelweltmeister Martin Schmitt, der nach drei Siegen zum Abschluss des Jahres 1999 sein schlechtestes Weltcup-Ergebnis seit dem 6. Januar 1999 in Kauf nehmen musste. Der Schwarzwälder, der in der ersten Erregung im Schanzenauslauf mit dem Handschuh auf die Ski geschlagen hatte, gab hinterher zu: "Der Druck heute war doch enorm stark. Nach meinem Sieg in Oberstdorf haben viele gesagt: Der gewinnt ja doch alle vier Springen und die Tournee." Bundestrainer Reinhard Heß meinte: "Auch Martin kann nicht immer siegen. Das Ergebnis heute nimmt jedenfalls einigen Druck von ihm."

Hinter Widhölzl wurde der wie in Oberstdorf nach dem ersten Durchgang führende Japaner Masahiko Harada (231,9/116 + 112 m) Zweiter vor dem Finnen Janne Ahonen (231,8/111,5 + 117 m). Dahinter folgte Sven Hannawald aus Hinterzarten als bester Deutscher an vierter Stelle (228,6/110,5 + 116,5 m). "Zwei Mal Vierter, so kann es von mir aus weitergehen. Es war wieder ein Riesengefühl. Nach den Wochen der Zweiflerei ist es traumhaft, wie ich wieder springe", sagte der 25 Jahre alte Gewinner des Sommer Grand Prix, dessen Skiwechsel sich immer mehr auszahlt.

Hannawald Vierter, Schmitt Elfter, fünf weitere Deutsche unter den besten 30 - Reinhard Heß bewertete dieses Abschneiden positiv. "Ich habe Höhen und Tiefen in meiner Karriere erlebt, aber das heute war keine Tiefe. Ich bin nicht unzufrieden", erläuterte der Bundestrainer und nahm vor allem seinen Überflieger Schmitt in Schutz. "Auch wenn ich seine Sprünge genau anschaue: Ich kann keinen Fehler finden. Deshalb kann ich nicht sagen, wo Martin heute die Meter verlor", sagte Heß, der Schmitt über den Mannschaftsfunk Trost zusprach. Auch für Olympiasieger Dieter Thoma ist noch nichts verloren. "Wir haben erst zwei von vier Springen hinter uns, da kann noch so viel passieren. Martin wird dies nicht umwerfen."



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