Skispringer Schmitt: "Wir haben keinen, der vorn reinspringen kann"

Skispringer Martin Schmitt zeigte bislang bei der Vierschanzentournee mäßige Leistungen. Beim Neujahrsspringen wurde er nur 25., im Interview spricht er über persönliche Probleme, die Mannschaft und die Perspektiven für die Olympischen Spiele in Vancouver.

Skispringer Schmitt: Schwierigkeiten mit der Anfahrtsposition Zur Großansicht
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Skispringer Schmitt: Schwierigkeiten mit der Anfahrtsposition

Frage: Martin Schmitt, wie bewerten Sie den Start ins neue Jahr?

Schmitt: Mehr ist zur Zeit leider nicht drin. In Teilelementen war es eine Steigerung gegenüber dem Tournee-Auftakt in Oberstdorf. Flugtechnisch lief es etwas besser. Der Absprung im zweiten Versuch war okay, ist aber insgesamt ausbaufähig.

Frage: Wo liegt derzeit das Problem?

Schmitt: Ich habe Schwierigkeiten, meine Anfahrtposition zu finden. Dadurch komme ich nicht richtig zum Absprung. Mir gelingt es nicht, in eine konstante Flugkurve zu kommen. Da lasse ich viele, viele Meter liegen. Ziel für die restlichen Tournee-Wettbewerbe ist es, meine Technik zu stabilisieren. Da ist noch ziemlich viel Luft nach oben.

Frage: Hatten Sie mit einem solch schwachen Auftakt gerechnet?

Schmitt: Keine Frage, wir können mit der Leistung im Team nicht zufrieden sein. Wir haben momentan keinen, der vorn reinspringen kann. Wir sind momentan einfach mannschaftlich in keiner Superform. Der Abstand zur Spitze ist zu groß.

Frage: Wie gehen Sie mit der unbefriedigenden Situation um?

Schmitt: Für mich ist die Situation nicht neu, ich kenne das ja. Ich spüre, welche Fehler ich mache, doch momentan fehlt mir der Zugriff. Ich zweifle aber nicht an meinem Potential und glaube, dass ich bis zu den Olympischen Winterspielen meine Form finde.

Frage: Worin besteht die Motivation für die beiden ausstehenden Wettbewerbe in Österreich?

Schmitt: Ich sehe das als Training unter Wettkampfbedingungen. Und vielleicht geht ja vom Ergebnis her in Innsbruck und Bischofshofen etwas mehr. Eine Platzierung unter den Top 15 wäre schön.

Frage: Die Fans haben Sie trotz der dürftigen Leistung gefeiert. Ziehen Sie daraus Kraft für die Zukunft?

Schmitt: Das ist auf jeden Fall etwas Positives. Daran kann man sich hochziehen. Das gehört auch zu den Sachen, die einen in diesem schwierigen Moment aufbauen. Wir würden dem phantastischen Publikum gern mehr zurückgeben, aber es geht einfach nicht.

Aufgezeichnet von Eric Dobias, dpa sowie Thomas Niklaus und Lars Becker, sid

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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naabaya 01.01.2010
Das Problem liegt wohl in unserem Kadersystem. Es ist zu wenig durchlässig. Wer drin ist, ist drin. Deshalb sollten zu Beginn der jeweiligen Saison Auswahlwettkämpfe zwischen den einzelnen Landesverbänden stattfinden, damit die besten Nachwuchstalente eine Chance bekommen. Eine andere Möglichkeit wäre eine vorzeitige Aussortierung der besten Talente und dann ein Zusammenfassen in einer Schule. Dann könnte man immer wieder neue Leute herausbringen. Dieses Problem haben wir aber nicht nur bei den Skispringern, sondern auch in den anderen Skisportarten, vor allem im alpuinen Bereich.
2. they never come back
kleinzack 01.01.2010
Zitat von sysopSkispringer Martin Schmitt zeigte bislang bei der Vierschanzentournee mäßige Leistungen. Beim Neujahrsspringen wurde er nur 25., im Interview spricht er über persönliche Probleme, die Mannschaft und die Perspektiven für die Olympischen Spiele in Vancouver. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,669736,00.html
Irgendwie erinnert mich Schmidt an Oswald Spengler und seiner morphologischen Betrachtungsweise von Kulturen in seinem "U'ntergang des Abendlandes": Anstieg, Kulmination, Abstieg ..... slles wie bei einer Pflanze, die wächst, blüht und am Schluß verblüht. Schmidt ist ein Oldie, der auch bereits verblüht ist. So lange er aber lukratative Werbeverträge hat, wird er immer Erklärungen dafür finden, daß er eigentlich mehr kann, jedoch entweder der Absprung, die Skier, die Flugtechnik, oder sonst etwas umgestellt, optimiert, stabilisiert werden muß um an vergangene Leistungen anzuknüpfen .... Die Wahrheit ist eine andere: er bringt es nicht mehr. Nach den Olympischen Spielen ist endgültig Schluß mit ihm. Hoffnungen gibt es nur bei einem Neuanfang mit jungen unverbrauchten Talenten. Das dauert jedoch. Die Österreicher fangen mit 8-jährigen Kindern an und trainieren die schwerpunktmäßig in Internaten bis sie dann mit 18 Jahren Siegspringer sind.
3. gutes Gefühl
karl-heinz 14 02.01.2010
Martin Schmitt läuft (springt) seit Jahren seiner Form hinterher. Nur mit dem "guten Gefühl" nach den Trainigssprüngen lassen sich keine Wettkämpfe gewinnen. Fazit: Er hat den richtigen Zeitpunkt für sein Karriereende verpasst. Da war Sven Hannawald konsequenter. Schade drum. Jetzt bleibt Martin Schmitt nur die LILA-Zwangspause.
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