Snooker-Legende O'Sullivan Die Rakete mag es laut

Unterschiedlicher als bei der Darts-WM und dem Snooker-Masters könnten die Zuschauer kaum sein. Ronnie O'Sullivan würde trotzdem gern vor einer grölenden Masse spielen. Nach langer Pause gehört er beim Masters wieder zum Favoritenkreis.

Snooker-Legende O'Sullivan: Nächstes Comeback
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Snooker-Legende O'Sullivan: Nächstes Comeback

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Brüllende Fans in karnevalistischen Kostümen, laute Musik im Hintergrund, Bier als Grundnahrungsmittel - und mittendrin die Protagonisten, denen man den Beruf Profisportler nicht immer auf den ersten Blick ansieht. So zeigte sich der Alexandra Palace in London zu Beginn des Jahres, als Gary Anderson seinen Titel bei der Darts-WM verteidigte. Nun wird das Snooker-Masters an gleicher Stelle ausgetragen - mit einem völlig gegensätzlichen Publikum.

Beim Snooker werden die Konzentrationsphasen der Spieler respektiert, allenfalls nach gelungenen Stößen wird im Sport der Gentlemen dezent applaudiert. Einer, der das gern anders hätte, ist Ronnie O'Sullivan. Der Brite gilt als Snooker-Legende, bezeichnet die Darts-Spieler jedoch als neue Rockstars und würde gern mal tauschen.

Derzeit kämpft der fünffache Weltmeister um den Masters-Titel in London. In altbekannter Atmosphäre hat O'Sullivan das erste Spiel beim Masters gegen Mark Williams 6:5 gewonnen. Damit steht der fünffache Gewinner dieses hoch dotierten Einladungsturniers im Viertelfinale (Donnerstag, 13 Uhr) und nicht wenige Experten halten den sechsten Masters-Titel für möglich.

O'Sullivan baut seinen Century-Rekord aus

Dabei kehrte der 40-Jährige erst im vergangenen Dezember nach einer achtmonatigen Pause auf die Tour zurück. Bei der Qualifikation zum Deutschen Masters war O'Sullivan die fehlende Spielpraxis noch anzumerken, er verlor früh gegen Stuart Carrington - ein Gegner, der in Bestform keine Hürde für "The Rocket" darstellen würde.

In der darauffolgenden Championship League wurde aber klar, wie schnell der Brite wieder in der Weltspitze landen kann. O'Sullivan gewann alle acht Matches der Gruppe 1, schaffte dabei sieben Century Breaks (eine Serie von 100 Punkten ohne Foul oder Fehlstoß) und steigerte sich dabei von Spiel zu Spiel. Mittlerweile liegt er bei 804 Karriere-Centurys - einsamer Rekord in der Snooker-Weltspitze.

Der am Dienstag unterlegene Williams, der schon Anfang Januar in der Championship League gegen O'Sullivan verloren hatte, sagte vor dem Masters: "Es ist Wahnsinn, wie gut er schon wieder ist." Der Waliser hält O'Sullivans Tempo und taktisches Geschick immer noch für einzigartig. "Es gibt keinen Spieler, der wie er spielen kann." O'Sullivan ist einer der wenigen Profis, der beidhändig einlochen und sich damit auf alle Situationen einstellen kann. "Meine rechte Hand ist wie meine Ehefrau, die linke wie eine Geliebte. Man muss sich um beide sehr gut kümmern", beschrieb O'Sullivan einmal seine außergewöhnliche Fähigkeit.

Der Superstar ist zurück

Diese Aussage lässt erahnen, welch eine Persönlichkeit den Weg zurück zu seinem Spiel gefunden hat. O'Sullivan ist der Superstar einer Sportart, die eigentlich ein Schattendasein fristet, seinetwegen aber regelmäßig die Nische verlässt. Was Phil Taylor für die begeisterungsfähige Darts-Gemeinde ist, stellt O'Sullivan für Snooker dar.

Ein "Wanderer zwischen Genie und Wahnsinn" schrieb die "FAZ" einmal über ihn. Der Wahnsinn äußert sich in sportlichen Extravaganzen, aber auch in Krankheiten. Seit seiner Jugend leidet er unter Depressionen und Panikattacken. Die achtmonatige Pause war nicht die erste in seiner Karriere. 2013 kam er nach einem Jahr Abstinenz zurück, "aus Langeweile" - und gewann prompt die Weltmeisterschaft in Sheffield.

Nun also das nächste Comeback. Die versammelte Weltelite um den Weltranglistenersten Mark Selby und Verfolger Stuart Bingham wird O'Sullivans Leistung gegen Williams genau beobachtet haben. 2:4 lag der Brite zurück, spielte im Anschluss zwei Century Breaks und gewann trotz zwischenzeitlicher Schwächephasen. Zu O'Sullivans Glück gehören nur noch grölende Fans.



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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
taste-of-ink 13.01.2016
1.
Darts... ein völlig überhypter, eindimensionaler Kneipensport. Man schaue sich nur mal ein paar Partien von O'Sullivan z.B. bei YT an, dann sollte klar sein, warum der Sport eine viel größere Aufmerksamkeit verdient hätte.
chrecht 13.01.2016
2. 147
Für alle die die Schönheit dieses Spiels nicht verstehen, hier ein Link zu einem perfekten Break. Man beachte den Drang und die Ungeduld O´Sullivans. https://www.youtube.com/watch?v=McThDshEgU0
williondo 13.01.2016
3.
Wenn man es genau nimmt ist Snooker auch ein "Kneipensport". Da ich sowohl Snooker als auch Darts (Hobbymäßig) spiele würde ich sogar behaupten, daß sich beide Sportarten sogar sehr ähneln. Beides erfordert ein sehr hohes Maß an Konzentration, bei beiden geht es um Millimeter. Auch wenn Snooker im Gegensatz zu Darts als "Gentlemen-Sport" gilt, gibt es auch viele tätowierte Snookerspieler. Sieht man nur selten ;-)
hajopie 13.01.2016
4.
Der Mann ist ein Genie. Wer einmal vor einem Snooker - Tisch live stand, der weiß, was ich meine. Freue mich wieder auf die WM mit Rolf Kalb als Kommentator. :-)
gummiball2 13.01.2016
5. Hätte Vorteile
Vor einer grölenden Masse zu spielen, hätte schon Vorteile: Man würde das störende Handyklingeln nicht mehr hören.
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