Solheim Cup Wer die Wahl hat, nimmt die Gal

Kontinentalduell in Killeen Castle: Die besten Golferinnen Europas treffen in Irland auf die Spitzenspielerinnen der USA. Über drei Tage kämpfen die Teams um den Sieg im Solheim Cup. Die Deutsche Top-Spielerin Sandra Gal freut sich auf den Wettkampf - dabei war sie eigentlich gar nicht qualifiziert.

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Profigolferin Gal: "Ich war vorgewarnt"
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Profigolferin Gal: "Ich war vorgewarnt"


Sandra Gals Plan für einen erfolgreichen Solheim Cup ist einfach: "Das beste Golf zu spielen und möglichst viele Matches zu gewinnen", hat sich die 26-Jährige vorgenommen. Als einzige Deutsche nimmt sie ab Freitag am Solheim Cup teil, dem Kontinentalwettkampf zwischen den USA und Europa.

Seit Jahren schon lebt die gebürtige Düsseldorferin in Florida, spielt vor allem Turniere auf der US-Tour (LPGA) der Profigolferinnen. Die 20. der Geldrangliste gewann in diesem Jahr in Pacific Palms ihr erstes LPGA-Turnier. Für das europäische Team hatte sie sich nicht direkt qualifizieren können, doch als sogenannter "Captain's Pick", als von der Team-Kapitänin Alison Nicholas Ausgewählte, rückte sie doch noch in den Zwölfer-Kader.

"Ich war vorgewarnt", sagt Gal SPIEGEL ONLINE zu der Nominierung. "Man hat mich schon zur Kleideranprobe für den Solheim bei der Britisch Open eingeladen. Aber letztlich ist es die Entscheidung der Kapitänin und deshalb war ich sehr erleichtert und begeistert, die Wildcard zu bekommen. Es ist eine große Ehre, für Europa spielen zu dürfen."

"Auch Außenseiter gewinnen manchmal"

Der Solheim Cup, benannt nach dem Golfschlägerhersteller Karsten Solheim, wird seit 1990 im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgetragen. Acht Mal gewannen die USA, drei Mal Europa. Als Vorbild diente der altehrwürdige Ryder Cup der Männer.

Tatsächlich ist es selbst für die meisten der millionenschweren Profis und Proetten, wie das weibliche Pendant genannt wird, etwas Besonderes, für den eigenen Kontinent anzutreten. Fast schon traditionell wird den Europäerinnen nur eine kleine Chance eingeräumt. "Für die Buchmacher sind wir die ganz großen Außenseiter", sagte die britische Kapitänin Nicholas, 49, die selbst nicht beim Solheim-Cup spielen wird.

Ihre zwei Jahre jüngere Landsfrau Laura Davies war bisher jedes Mal dabei. "Auch Außenseiter gewinnen manchmal. Ich denke, dass es knapp wird", sagte die vierfache Major-Siegerin, die auch bei den drei Siegen Europas (1992, 2000 und 2003) im Team war.

Sandra Gal setzt die meisten Hoffnungen in Suzann Pettersen. Für die Deutsche ist die Weltranglisten-Zweite aus Norwegen die stärkste Spielerin im Team Europa. Beste US-Amerikanerin in der Rangliste ist Christie Kerr, doch Gal schätzt Brittany Lincicome derzeit stärker ein. Ende August gewann die 25-Jährige die Canadian Open, dicht gefolgt von ihren beiden US-Teamkolleginnen Stacy Lewis und Michelle Wie.

Gal liegt der Matchplay-Modus

Doch die aktuelle Form auf der Tour muss nicht ausschlaggebend sein für den Erfolg auf dem Platz von Killeen Castle im irischen County Meath. Denn anders als bei den üblichen Profi-Turnieren wird über drei Tage im sogenannten Matchplay-Stil in Foursomes, Fourballs und Singles gespielt. Der Modus im Überblick:

  • Freitag: Zuerst vier Partien Klassischer Vierer (Foursome), dann vier Partien Vierball-Bestball (Fourball). Beim Foursome treten zwei Zweier-Teams gegeneinander an. Jedes Team spielt mit jeweils einem Ball und schlägt abwechselnd. Beim Fourball treten ebenfalls Teams gegeneinander an, jedoch spielt jeder Golfer seinen eigenen Ball.

  • Samstag: Zunächst vier Partien Klassischer Vierer (Foursome), dann vier Partien Vierball-Bestball (Fourball).

  • Sonntag: zwölf Einzel

Nicht alle Spitzenspielerinnen kommen mit dem ungewohnten Modus zurecht. "Ich liebe es, Matchplay zu spielen", sagt hingegen Gal: "Am schwierigsten ist es aber, den Vierer zu spielen, da man nicht nur den Gegner schlagen will, sondern auch möglichst den besten Ball seinem Mitspieler zuspielen muss."

Auch wenn die beiden Teams Spitzengolf zeigen, liegt für manche Experten ein kleiner Makel auf dem diesjährigen Solheim Cup. Die früher absolut bestimmenden Kontinente wurden abgelöst in ihrer Dominanz: Asien ist auch in der Golf-Welt stark im Kommen. In den Top Ten sind derzeit vier US-Amerikanerinnen vertreten und mit Pettersen nur eine Europäerin. An der Spitze liegt die gerne als "weibliche Tiger Woods" bezeichnete Yani Tseng aus Taiwan. Drei Koreanerinnen und eine Japanerin komplettieren die besten Zehn.

Für Gal verliert der Kontinentalwettkampf durch die neuen Machtverhältnisse im Frauengolf aber nicht an Bedeutung. "Es ist nunmal die Begegnung der besten US-Spielerinnen gegen die Besten aus Europa. Die Turniere, wo alle besten Spieler der Welt teilnehmen, spielen wir doch bei jedem LPGA-Turnier."

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