Reaktionen auf Spitzensport-Studie: Funktionäre sind um Deeskalation bemüht

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DOSB-Generaldirektor Vesper: "Nennt Ross und Reiter"

Manipulationen, Doping, psychische Erkrankungen: Glaubt man einer Studie, geht es dem deutschen Leistungssport ziemlich schlecht. Deutsche Sportfunktionäre reagieren erschrocken - relativieren aber viele der Ergebnisse.

Hamburg - Eine Studie der Sporthilfe hat Zahlen zutage gefördert, die den deutschen Leistungssport in einem sehr schlechten Zustand zeigen. Demnach sind Wettkampf-Absprachen, Doping und Burnout bei Athleten weit verbreitet, die Reaktionen von Offiziellen und Politikern fallen entsprechend erschrocken aus (hier die Studie im Überblick).

Für die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Dagmar Freitag, sind die Zahlen ein "Anlass zur Sorge". Für Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball Bundes und Vorsitzenden der Deutschen Sportjugend, sind das "spannende Hinweise, denen wir nachgehen müssen".

Der Vorsitzende der Athletenkommission beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), Christian Breuer, verlangte eine sachliche Einordnung der Ergebnisse. "Wir distanzieren uns entschieden von Behauptungen in den Medien, dass Sportler korrupt seien und massenhaft manipulieren würden. Das geht aus der Studie nicht hervor", so der 15-malige deutsche Meister im Eisschnelllauf.

Insgesamt sind die deutschen Sportfunktionäre vor allem um Deeskalation bemüht. "Da muss man sich schon die Frage genau anschauen, die lautete: Waren Sie jemals bei Wettkampf- oder Spielabsprachen beteiligt? Diese Frage schließt mit ein, dass der Trainer sagt: Wir werden in diesem Spiel versuchen, nicht zu gewinnen, weil wir dann beim Überkreuzspiel den leichteren Gegner haben", sagte der Vorsitzende der Sporthilfe Michael Ilgner.

Von Doping über Burnout bis zu Betrug: Die Sporthilfe-Studie bringt es an den TagZur Großansicht
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Von Doping über Burnout bis zu Betrug: Die Sporthilfe-Studie bringt es an den Tag

Dass 5,9 Prozent der Athleten angaben, regelmäßig Dopingmittel einzunehmen, verwunderte angesichts des vom Sport stets gerühmten Kontrollsystems ebenfalls. Das sei für "den Anspruch, den wir haben", zu hoch, sagte Michael Vesper, Generaldirektor des DOSB. Er rufe "die Sportler, die mit 'Ja' geantwortet haben, dazu auf: Offenbart euch der Nada oder den Vertrauensleuten und nennt Ross und Reiter!"

Der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, Gerd Heinze, bezeichnete die Zahlen der Untersuchung "Dysfunktionen des Spitzensports: Doping, Match-Fixing und Gesundheitsgefährdungen aus Sicht von Bevölkerung und Athleten" zwar als "nicht förderlich für das Image des Sports". Für ihn seien sie aber nicht alarmierend, "weil die Aussagen nicht treffsicher genug sind."

Dennoch traf die Studie den Spitzensport an einem wunden Punkt. "Diese Aussagen kommen von den Athleten selbst. Deshalb sind sie so alarmierend und müssen ein Anlass sein, dass man fragt: Was läuft hier falsch?", sagte Helmut Digel, Sportsoziologe und langjähriger Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Sein Nachfolger Clemens Prokop setzte die Thematik prompt auf die Tagesordnung für die diversen Sitzungen rund um die deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund an diesem Wochenende.

Leiter der Studie relativiert Zahlen

Der Leiter der Studie, Christoph Breuer, fordert weitere Untersuchungen zum deutschen Spitzensport. "Die Ergebnisse schreien danach, dass man sich weiter mit ihnen beschäftigt", sagte der Professor an der Sporthochschule Köln. Vor allem die Ergebnisse im Bereich der Manipulationen hätten auch ihn "überrascht".

Relativieren müsse man die Zahlen dagegen in Bezug auf psychische Erkrankungen. Davon sei nicht ein Drittel betroffen. "Es ist nicht zulässig, die Zahlen zu addieren, weil auch Mehrfachnennungen möglich waren", erklärte Breuer zu Depressionen, Burnout und Essstörungen.

9,3 Prozent der befragten Sportler gaben in der Studie depressive Erkrankungen an. 11,4 Prozent der Topathleten leiden nach eigenen Angaben unter Burnout. 9,6 Prozent der Sportler räumten Essstörungen ein. Grund dafür sei vor allem der Erfolgsdruck. Die Sporthilfe ist sich dessen schon länger bewusst und hat deshalb ihre Förderprinzipien verändert. Für WM- und EM-Medaillen gibt es seitdem keine Sonderprämie mehr. Stattdessen werden mehr Gelder in die Unterstützung einer dualen Karriere gesteckt.

luk/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
iffel1 21.02.2013
Die Steuerzahler können gerne ein wenig fördern, aber doch nicht die Komplettfinanzierung der Sportler übernehmen ! Sport und dessen Erfolge sind eine Sache für einen Bruchteil der Bevölkerung, so wie Theater und Oper - nicht mehr [...]
Die Steuerzahler können gerne ein wenig fördern, aber doch nicht die Komplettfinanzierung der Sportler übernehmen ! Sport und dessen Erfolge sind eine Sache für einen Bruchteil der Bevölkerung, so wie Theater und Oper - nicht mehr und nicht weniger ! Die Sportler, die von ihrem Sporterfolg leben wollen, sollen sich Sponsoren in der Privatwirtschaft suchen.
oldvic 21.02.2013
Das die Fördersummen für Theater und Oper in Deutschland weit höher sind, als die Sportförderung ist Ihnen aber schon bewusst. Oder? Und das die Schauspieler dort das nicht hobbymäßig ehrenamtlich betreiben ist ihnen eventuell [...]
Das die Fördersummen für Theater und Oper in Deutschland weit höher sind, als die Sportförderung ist Ihnen aber schon bewusst. Oder? Und das die Schauspieler dort das nicht hobbymäßig ehrenamtlich betreiben ist ihnen eventuell auch klar? Frage ja bloß mal...
stonesguard 21.02.2013
Keine Prämien für WM- und EM-Medaillen um den Erfolgsdruck zu nehmen? Wohl eher zu sparen, um die "Aufwendungen" der "Ehrenamtlichen" zu sichern. Ursache der Belastungen der Athleten ist wohl die [...]
Keine Prämien für WM- und EM-Medaillen um den Erfolgsdruck zu nehmen? Wohl eher zu sparen, um die "Aufwendungen" der "Ehrenamtlichen" zu sichern. Ursache der Belastungen der Athleten ist wohl die Existenzsicherung bei der geringen finanziellen Zuwendung. (z.B. 200€/Monat für einen Olympiateilnehmer, die 4 Tage nach den Olympischen Spielen gestrichen werden). Vielleicht findet sich jemand, der die wahren Zahlen recherchiert und veröffentlicht. Man sollte nicht nur auf die Sportarten schauen, die dem Fernsehen lange Übertragungszeiten ermöglichen und die Sportlerinnen leistungsgerecht "entlohnen". Sport und dessen Erfolge dienen dem Ansehen der ganzen Nation - s. Fußball-WM 1954
alex721 21.02.2013
allein die Theater und Opernhäuser von der Stadt Berlin kosten den Steuerzahler dreimal mehr als die gesamte Sportförderung des Bundes !!! und was von den beiden hat wohl ungefähr die 1000fache Zuschauerzahl ?? Wenn wir heute [...]
allein die Theater und Opernhäuser von der Stadt Berlin kosten den Steuerzahler dreimal mehr als die gesamte Sportförderung des Bundes !!! und was von den beiden hat wohl ungefähr die 1000fache Zuschauerzahl ?? Wenn wir heute eine Umfrage machen würden, ob man lieber ein weiteres Theater fördert oder eine neue Magdalena Neuner, wer würde wohl mehr Stimmen bekommen ?
albert schulz 21.02.2013
Was das Staatsfernsehen allein für eine Welt- oder Europameisterschaft berappt, dürfte die Sporthilfe deutlich in den Schatten stellen. Ein Sportler, der die Aussicht auf einen werbewirksamen Vertrag nach einem Medaillengewinn für [...]
Was das Staatsfernsehen allein für eine Welt- oder Europameisterschaft berappt, dürfte die Sporthilfe deutlich in den Schatten stellen. Ein Sportler, der die Aussicht auf einen werbewirksamen Vertrag nach einem Medaillengewinn für ein lohnenswertes Ziel erachtet, ist entweder ein Dummkopf oder ein sportverliebter Idealist. Oder versierter Kaufmann. Die Gewinnchancen sind erbärmlich, auch wenn es alle möglichen Förderungen gibt. Solange der Körper (Seele inclusive) mitmacht. Es ist ein Vabanquespiel, alles oder nichts. Aus diesem Grund werden viele Anwärter von Militär, Polizei und anderen öffentlichen Einrichtungen finanziell abgesichert, just wie in der DDR, Gott habe sie selig. Sport ist staattragendes Massenelixier, und sonst wenig. Auch SPON widmet dem Sport mittlerweile hohes Interesse. Die Masse macht es. Und die allseits bekannte Fairness und Gerechtigkeit. Die kann man im Fernsehen bewundern, wenn es um zig Millionen geht. Dagegen ist Doping doch zu vernachlässigen.
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  • Donnerstag, 21.02.2013 – 18:31 Uhr
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Kampf gegen Doping
Am 10. November 1999 wurde auf Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die unabhängige Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Lausanne gegründet. Zusammen mit den nationalen NOKs und staatlichen Organisationen will die Wada die internationale Dopingbekämpfung fördern und einheitliche Standards für Kontrollen in allen Ländern schaffen. Das Anti-Doping-Programm der Wada wurde im März 2003 von allen Delegierten der internationalen Sportverbände, der Regierungen und dem IOC auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kopenhagen angenommen. Der Welt-Anti-Doping-Codex löste im darauffolgenden Jahr den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen 2004 auch für die Olympischen Spiele.

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