Sponsoren locken Stars Eine Frage des Geldes

Was im Fußball Bayern München ist, will im Tennis Grün-Weiß Ratingen werden. Der Zweitligist hat die Stars der Branche zusammengecastet. Auch in anderen Sportarten sorgen Sponsoren dafür, dass Vereine die Marktführerschaft in ihrer Disziplin übernehmen.

Tennis-Star Petkovic: Gut beschirmt von Sponsoren in Ratingen
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Tennis-Star Petkovic: Gut beschirmt von Sponsoren in Ratingen

Von Christoffer Kleindienst


Das Damentennis hat endlich wieder eine deutsche Weltklassespielerin. Auch wenn an die Erfolge einer Steffi Graf noch nicht zu denken ist: Andrea Petkovic bringt nicht nur die Leistung, sondern auch einen Popularitäts-Faktor mit, um die einstige Boomsportart in Deutschland wieder nach vorne zu bringen. In der Weltrangliste hat sie den Sprung unter die Top 20 auf Rang 19 geschafft, 16 Plätze hinter ihr liegt die zweitbeste Deutsche, Julia Görges. Beide spielen in Deutschland für den Ratinger Tennisclub Grün-Weiß - in der 2. Bundesliga.

Ratingen will sich mit dem Engagement der beiden deutschen Topspielerinnen den Erfolg erkaufen - und stellt damit keinen Einzelfall dar. Clubs locken abseits des Großmarktes Fußball bezahlbare Stars über Antrittsprämien und lukrative Trainingsmöglichkeiten, um sich in ihrer Sportart zu einer Marke zu machen.

Um beim Beispiel Tennis zu bleiben: Der Ratinger Tennisclub, kurz RTC, hat die Möglichkeit ergriffen und das "RTC-Sponsoring" eingeführt: "Es generiert seine Mittel aus Werbeeinnahmen, das heißt Banden, Planen und Anzeigen in unserer Clubzeitschrift, sowie privaten Spenden und die Ausrichtung von Turnieren", sagt Sportwart Daniel Meier. Im letzten Jahr wurde somit ein Betrag von 100.000 Euro erzielt - dieser kann nun anderweitig investiert werden.

Deutsche Elite in Ratingen

Anderweitig - das heißt in diesem Fall, dass die erste Damenmannschaft unterstützt wird. Neben Petkovic und Görges, wurden noch Anastasija Sevastova (Weltranglistenposition 36), Andrea Hlavackova (99), und Sandra Zahlavova (104) zum Tennisclub nahe Düsseldorf geholt. Auch Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner ist nun bei den Ratingern beschäftigt: "Barbara dient dazu, gezielt auf die Belange der absoluten Topspielerinnen einzugehen und vor allem zukünftig für unser Scouting von jungen deutschen Spielerinnen aktiv zu werden.", so Meier.

Der Club will damit mittelfristig so erfolgreich sein wie der Erstliga-Konkurrent TC Benrath. Unterstützt vom Nahrungsmittelkonzern Zamek hat der TC in den vergangene zehn jahren fünf Mal den Deutschen Damen-Meister gestellt.

Die Ratinger haben die Lage erkannt: Bei den Sportarten, die im Schatten des Fußballs stehen, ist es deutlich leichter einen Verein an die Spitze zu führen. Beim Tischtennis ist Borussia Düsseldorf quasi zum Monopol angewachsen: Neben den Champions-League-Erfolgen in den letzten beiden Jahren, konnte das Team um Timo Boll und Christian Süß auch auf nationaler Ebene alle Meisterschaften in den vergangenen drei Spielzeiten gewinnen.

FC Bayern erklärt Basketball zur Chefsache

Nahezu unmöglich scheint es für die anderen Bundesligisten, den Düsseldorfern die Spitzenposition streitig zu machen. Der Hautsponsor Arag, ein milliardenschwerer Versicherungskonzern, unterstützt die Borussen. Der Traditionsverein besitzt seit ein paar Jahren ein Sportinternat, der Center Court wurde zum "Arag CenterCourt" umbenannt, und Spieler wie Boll und Süß werden von dem Unternehmen persönlich gesponsort - wer würde dort nicht gerne spielen?

Beispiel Basketball: Der FC Bayern München hat sein Team in die höchste deutsche Spielklasse geführt - mit massivem finanziellen Einsatz. Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat das Thema Basketball zur Chefsache erklärt. Der Verein hat vor der Saison hochkarätige Verpflichtungen getätigt haben: Bundestrainer Dirk Bauermann wurde als Coach engagiert, im Zweitligateam spielten mit Steffen Hamann, Demond Greene oder Robert Garrett Stars der Branche. Die Rechnung ist aufgegangen: Bayern machte einen Durchmarsch in die Bundesliga, konnte nur ein einziges Spiel nicht gewinnen.

Anders als beim FC Bayern steht in Ratingen das sportliche Renommee noch über dem finanziellen Profit. Das sagt zumindest Sportwart Meier: "Geld verdienen wir eigentlich nicht. Wir erwirtschaften leichte Überschüsse, die dem Gesamtverein zugute kommen." Jedoch bestehe die Möglichkeit, dass sich der Ratinger Tennisclub in das Gedächtnis der Tennisfans spielen kann.

Der Bundesliga-Aufstieg dürfte angesichts der Besetzungsliste, die sich der Verein zusammengecastet hat, nur eine Frage der Zeit sein.



insgesamt 2 Beiträge
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Hador, 04.04.2011
1. Nein, keinen Titel....
Gerade im Tennis ist das doch nichts Neues. Schon seit den 80ern heuern Bundesliga Teams Weltranglistenspieler an. So standen z.B. Boris Becker und Steffi Graf auch mal beib TK Grün Weiss Mannheim unter Vertrag. Der tatsächliche Nutzen für den Verein hielt sich allerdings bislang immer in engen Grenzen. Die Weltranglistenspieler treten eigentlich sogut wie nie bei Punktspielen an (sie haben schlicht anderes zu tun) und auch Sponsoren zahlen nicht unbedingt mehr bloß weil auf dem Papier ein großer Name im Team ist. Warum auch, wenn der ja eh nie da ist. Wenn sich die Stars dann natürlich doch mal für 1-2 Spiele pro Jahr im Heimatverein blicken lassen ist der Zuschauerandrang natürlich groß. Den Kohl fett macht das aber auch nicht und in Summe haben die Teams AFAIK bisher meistens kräftig draufgezahlt. Das andere Problem ist die Liga. Dort kommt es durch die sporadischen Einsätze der Stars schlicht zu Wettbewerbsverzerrungen. Ähnliches kennt man im Fussball aus der 3. Liga bzw. den Regionalligen wo die 2. Mannschaften der BL Clubs (etwas überspitzt gesagt) im einen Spiel rekonvaleszente Topstars zwecks Konditionstraining einsetzen nur um dann im nächsten ihren A-Jugend Kader auflaufen zu lassen. Je nachdem wann man dann gegen sie spielen muss hat man halt entweder Glück oder Pech. Wie auch immer: Was Ratingen da macht ist weder etwas Neues noch verspricht es besonderen Erfolg.
gsm900, 04.04.2011
2. Grün-Weiß Dank Melitta
Zitat von sysopWas im Fußball Bayern München ist,*will im Tennis Grün-Weiß Ratingen werden. Der*Zweitligist hat die Stars der Branche zusammengecastet. Auch in anderen Sportarten entstehen mit Hilfe von Sponsoren Vereine, die die Marktführerschaft in ihrer Disziplin*übernehmen. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,754189,00.html
war der Spitzname des Handballvereins Grün-Weiß Dankersen weil er von einem Mindener Kaffeffiltehersteller gefördert wurde. http://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCn-Wei%C3%9F_Dankersen Der Konkurrent aus Nettelstedt wurd vom Textilunternehmer Hucke bis in die Bundesliga gefördert (jetzt hält sich Automatenkönig Gauselmann den Verein). http://de.wikipedia.org/wiki/TuS_Nettelstedt
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