Sportkonkurrenz in Düsseldorf: Der Fluch der Fortuna

Von und Rafael Buschmann

Gemischte Gefühle in Düsseldorf: Während die Fußball-Fans der erstarkten Fortuna vom Bundesliga-Aufstieg träumen, kämpfen die Eishockey-Profis der Stadt ums Überleben. Sie leiden unter der Übermacht des Fußballs, der großen Konkurrenz in Nordrhein-Westfalen - und eigenen Fehlern.

DEG Metro Stars: Im Schatten von "König" Fußball Fotos
DPA

Es war ein eindrucksvoller Sieg: Fortuna Düsseldorf hat am Montagabend auch im Derby in Duisburg seine dominierende Rolle in der 2. Fußball-Bundesliga unterstrichen. Vor mehr als 23.000 Zuschauern, so vielen wie noch nie in dieser Saison beim MSV, gewann die Mannschaft von Trainer Norbert Meier 2:0 (0:0) und ist Herbstmeister, mit der Rekordausbeute von 41 Punkten aus 17 Spielen. Meier hatte anschließend mal wieder Mühe, die Favoritenrolle für den Bundesliga-Aufstieg von sich und seinem Team zu schieben.

Lance Nethery war nicht im Duisburger Stadion. Der 54-Jährige hat derzeit Besseres zu tun, als der Fortuna zuzujubeln. Der Geschäftsführer der Düsseldorfer Metro Stars, einer der besten Eishockey-Clubs Deutschlands, muss seinen Verein vor dem finanziellen Aus retten. Nach heutigem Stand steht Netherys Team zur neuen Saison ohne Hauptsponsor, ohne den wichtigsten Geldgeber, da. Jetzt geht es um alles. "Wenn wir es nicht schaffen, an die drei Millionen Euro durch Sponsoren einzunehmen, wird DEL-Eishockey in Düsseldorf nicht mehr funktionieren", sagt Nethery. Dann wird der Alptraum für alle Fans wahr, der Abstieg ins Amateurlager wäre nicht mehr zu verhindern.

Seit die Metro-Handelsgruppe im Mai angekündigt hatte, ihr Engagement beenden zu wollen, arbeitet der Kanadier am dem Projekt Rettung. Jeden Tag spricht er mit potentiellen Geldgebern. Bisher ohne Erfolg. Zuletzt sagte ein österreichischer Limonadenhersteller ab. Nethery war in guten Gesprächen, legte dem Konzern sein Konzept vor: Ein Eishockey-Club mit einer starken, entwicklungsfähigen Mannschaft, einer hochmodernen Halle, schuldenfrei. Doch die Firma winkte ab, Düsseldorf und die DEL waren ihr zu provinziell.

"Ich glaube, dass viele Firmen im Bereich Sportsponsoring derzeit sehr vorsichtig sind", versucht sich Nethery, der seit 2005 im Verein ist, an einer Erklärung für die schwierige Suche nach einem potenten Geldgeber für den Kult-Club DEG. Ein Verein mit bewegter Historie und acht Meistertiteln. Ein Club, der in der vergangenen Saison nur knapp an der neunten Meisterschaft gescheitert ist - und womöglich trotzdem nicht im Profi-Geschäft überleben wird.

"Statusverlust schmerzt sehr"

"Wenn ich in den neunziger Jahren nach Braunschweig gefahren bin und gesagt habe, dass ich DEG-Fan bin, wusste jeder Bescheid. Heute muss ich erklären, was ich dort mache", sagt Pressesprecher Frieder Feldmann. "Der Statusverlust schmerzt unsere Fans sehr." Doch es sind die Anhänger, die einen nicht unwesentlichen Teil zur Krise beitragen. Weil ihr Zuspruch trotz sportlichen Erfolgs gering ist, fehlen dem Verein wichtige Einnahmen.

Sascha Fischborn, 1. Vorsitzende des DEG-Fanclubs "Rot-Gelbe Eiszeit", sieht den finanziellen Niedergang eng verbunden mit dem Umzug aus dem Eisstadion an der Brehmstraße in den ISS-Dome: "Man hat uns den Umzug damit verkauft, dass man dringend VIP-Plätze und Logen braucht, um weiter wirtschaftlich mithalten zu können. Doch genau diese Plätze kosten uns sehr viel Stimmung." Nachdem sich selbst einige Spieler über die maue Geräuschkulisse beschwert hatten, sind im ISS-Dome nun die zuvor verbotenen Trommeln erlaubt. Aber ob das die Zuschauer zurückbringt?

Fischborn glaubt nicht daran. Zu viele Zuschauer besuchten nun die Spiele des Fußball-Zweitliga-Überraschungsteams von Fortuna Düsseldorf. "Um die gibt es jetzt einen riesengroßen Hype." Nethery gibt gerne zu: "Die Kollegen dort haben einen guten Job gemacht." Feldmann sieht auch in der 600.000-Einwohnerstadt eine "unfassbare Medienpräsenz des Fußballs". In Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt erscheinen fünf Tageszeitungen.

Ihre Sportseiten sind voll von Fußball. In den vergangenen Tagen ist viel über die Zukunft von Maximilian Beister, Angreifer der Fortuna, geschrieben worden. Der 21-Jährige ist der Shootingstar des Tabellenersten in der zweiten Liga, ist aber nur vom Bundesligisten Hamburger SV ausgeliehen. Inzwischen buhlt offenbar selbst Meister Borussia Dortmund um Fortunas Beister. Es sind Luxusprobleme eines Vereins, der noch vor vier Jahren in der sportlichen Bedeutungslosigkeit steckte und ums Überleben kämpfte.

Race of Champions und Rammstein

In dieser Saison zieht kein Fußball-Zweitligist außer Frankfurt und Dresden mehr Zuschauer pro Heimspiel an. Mehr als 30.000 kommen derzeit, wenn Meiers Elf die Fans mit attraktivem Offensivfußball begeistert und den ersten Aufstieg in die Bundesliga seit 1995 möglich erscheinen lässt. In derselben Stadt, rund elf Kilometer östlich der Fußballarena, fristet der 13.400 Zuschauer fassende ISS-Dome im Stadtteil Rath ein Schattendasein. Zumindest, wenn es um Eishockey geht. Die Besucherzahlen der Metro Stars sind enttäuschend.

Derzeit kommen nach Vereinsangaben im Schnitt 4570 pro Heimspiel, für die Saison kündigt sich damit gar ein Aufwärtstrend an. "Der Dome ist eine sehr gute, bequeme Halle", sagt Nethery, doch viele traditionsbewusste Düsseldorfer Eishockey-Fans sehen das anders. "Unsere Heimspielstätte ist keine echte Heimspielstätte. Die DEG ist nur zu Gast im ISS-Dome. Wenn wir die Arena betreten, sehen wir keine Plakate unserer Spieler, es gibt keine Pokal-Vitrine, keine aufgehängten Club-Fahnen. Das ganze Stadion ist emotional sehr kühl gehalten, da kann keine Stimmung aufkommen", ärgert sich Fischborn.

Der Preis für die 2006 eingeweihte Multifunktionshalle, in der unter anderem auch Rockkonzerte stattfinden, ist ein jährlicher, sechsstelliger Betrag, den der Club als Miete zahlen muss, sagt Nethery. Bei einem Gesamtetat von 5,5 Millionen Euro ist das eine beachtliche Summe. "Wir haben vielleicht gedacht, dass der Dome ein Selbstgänger wird", gibt sich Nethery selbstkritisch. Nun muss sein Club unter anderem mit vergünstigten Tickets um Zuschauer kämpfen.

Im Familienblock zahlen Eltern mit zwei Kindern 36 Euro pro Partie, einen Stehplatz mit guter Sicht gibt es für 15 Euro. Beim aktuellen Tabellenführer Adler Mannheim kostet der 12 Euro. "Wir haben gute Preise, Tickets für alle", findet Nethery. Er weiß: Der Kampf um die Zuschauergunst in Düsseldorf ist hart. In Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland der Republik, ist die (Sport-)konkurrenz so groß wie sonst nirgends. "60 Kilometer von hier wird in Köln Eishockey gespielt, 40 Kilometer von hier in Krefeld. Auch Iserlohn ist nicht weit weg", sagt Nethery.

In Düsseldorf fand am vergangenen Wochenende das Race of Champions statt, Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel und Rekordtitelträger Michael Schumacher rasten durch die Fußball-Arena. Im ISS Dome spielte die deutsche Heavy-Metal-Band Rammstein. "Es gibt viele Möglichkeiten für die Menschen hier", so Nethery. Doch das Problem haben in Nordrhein-Westfalen alle Sportvereine. Und es gibt viele, die auch deshalb straucheln.

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1. Deutsches Eishockey
Harald Klingel 06.12.2011
Zitat von sysopGemischte Gefühle*in Düsseldorf: Während die Fußball-Fans der erstarkten Fortuna*vom Bundesliga-Aufstieg träumen, kämpfen die Eishockey-Profis der Stadt ums Überleben. Sie leiden an der Übermacht des Fußballs, der großen Konkurrenz in Nordrhein-Westfalen - und eigenen Fehlern. Sportkonkurrenz in Düsseldorf: Der Fluch der Fortuna - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,801877,00.html)
Deutsches Eishockey ist nicht schön anzusehen. Ich war letzte Saison zwei Mal bei der DEG und habe mich gelangweilt. Diesen Sport fehlt die Spielintelligenz. Im Vergleich zum Fussball wird viel zu viel dem Zufall überlassen. So z.B. die unnützen Schüsse des Pucks in die Ecke oder blinde Pässe vors Tor.
2. Sport bei den Öffentlich-Rechtlichen
jimsmith2 06.12.2011
Unabhängig von den hausgemachten Problemen der DEG mit ihrem ISS-Dome gibt es ein grundsätzliches Problem mit der Darstellung des Sports in den Fernseh-Medien; die Sender inszenieren nur ihren eigenen Sport. Ein gutes Beispiel ist RTL mit Boxen und der Formel 1. Bei den Öffentlich-Rechtlichen existiert scheinbar fast nur noch Fussball. Selbst in den dritten Programmen der Sender wird Fussball in allen Lagen gezeigt. Vor einigen Jahren hat man in den dritten Programmen noch andere Sportarten wie Eishockey, Handbal, Basketball etc sehen können. Dies wurde aber nahezu ausschliesslich dem Fussball geopfert. Da hat es jeder Sport schwer zu überleben, denn zur öffentlichen Wahrnehmung gehört auch die Präsenz in den Medien. Meiner Meinung nach ist Deuschland eine vielfältige Sportnation, die mehr leistet als Fussball. Es wäre schön, wenn sich dies auch bei der Darstellung in den Medien widerspiegeln würde. Nimmt man die Zuschauerzahlen von einigen Teams der Handball- oder Eishockey-Liga (die sogar zwei Spiele am Wochenende haben), dann fragt man sich, weshalb hierüber nicht berichtet wird. Manche Clubs füllen hier die Halle mit mehr Zuschauern als manche Mannschaft aus der 2. Fussballbundesliga. Aber von denen wird mehr berichtet, klar die hat man ja teuer mit GEZ-Geldern subventioniert, da muss man sie puschen.
3.
Crom 06.12.2011
Zitat von jimsmith2Vor einigen Jahren hat man in den dritten Programmen noch andere Sportarten wie Eishockey, Handbal, Basketball etc sehen können. Dies wurde aber nahezu ausschliesslich dem Fussball geopfert.
1. DEL kann man über Sky sehen. Offenbar hat man lieber das Geld vom Pay-TV genommen statt im 3.Programm zu erscheinen. 2. Bei Sport im Osten auf MDR kommt regelmäßig 2.Eishockey-Bundesliga. DEL dürfen sie nicht zeigen, wegen 1.
4. Selber Schuld
Stäffelesrutscher 06.12.2011
Zitat von sysopGemischte Gefühle*in Düsseldorf: Während die Fußball-Fans der erstarkten Fortuna*vom Bundesliga-Aufstieg träumen, kämpfen die Eishockey-Profis der Stadt ums Überleben. Sie leiden an der Übermacht des Fußballs, der großen Konkurrenz in Nordrhein-Westfalen - und eigenen Fehlern. Sportkonkurrenz in Düsseldorf: Der Fluch der Fortuna - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Sport (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,801877,00.html)
Klarer Fall von "Selber Schuld". Namen verkaufen und in einen seelenlosen Tempel umziehen. Und das in einer Mickymaus-Liga, die 52 Spiele für so gut wie nix absolviert, weil eh 10 von 14 weiterkommen und sich dann in einigen Playoffs alles entscheidet. Mehrfacher Vorteil für Fortuna.
5.
jimsmith2 06.12.2011
Zitat von Crom1. DEL kann man über Sky sehen. Offenbar hat man lieber das Geld vom Pay-TV genommen statt im 3.Programm zu erscheinen. 2. Bei Sport im Osten auf MDR kommt regelmäßig 2.Eishockey-Bundesliga. DEL dürfen sie nicht zeigen, wegen 1.
Die Zweitverwertungsrechte für die DEL kosten nichts! Aber die Öffentlich-Rechtlichen zeigen trotzdem nichts. MDR hat deshalb 2. Bundesliga, weil es dort keinen DEL-Club gibt. Beispiel WDR; in NRW gibt es 4 Klubs in der DEL und der WDR zeigt nichts. Sonntags gibt es auf WDR nur Bundesligaberichterstattung - egal ob es eine Partie mit einem Team aus dem Sendegebiet oder beispielsweise Freibug gegen Berlin ist. Montags gibt es Sportinside, i.d.R. nur mit Beiträgen zum Fussball.
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Die Meister der Deutschen Eishockey-Liga
Jahr Verein (Ergebnis und Gegner)
2013 Eisbären Berlin (3:1 gegen Köln)
2012 Eisbären Berlin (3:2 gegen Mannheim)
2011 Eisbären Berlin (3:0 gegen Wolfsburg)
2010 Hannover Scorpions (3:0 gegen Augsburg)
2009 Eisbären Berlin (3:1 gegen Düsseldorf)
2008 Eisbären Berlin (3:1 gegen Köln)
2007 Adler Mannheim (3:0 gegen Nürnberg)
2006 Eisbären Berlin (3:0 gegen Düsseldorf)
2005 Eisbären Berlin (3:0 gegen Mannheim)
2004 Frankfurt Lions (3:1 gegen Berlin)
2003 Krefeld Pinguine (3:2 gegen Köln)
2002 Kölner Haie (3:2 gegen Mannheim)
2001 Adler Mannheim (3:1 gegen München)
2000 München Barons (3:1 gegen Köln)
1999 Adler Mannheim (3:2 gegen Nürnberg)
1998 Adler Mannheim (3:1 gegen Berlin)
1997 Adler Mannheim (3:0 gegen Kassel)
1996 Düsseldorfer EG (3:1 gegen Köln)
1995 Kölner Haie (3:2 gegen Landshut)

Die zehn längsten DEL-Spiele
Spiel Datum Spieldauer in Minuten Anzahl der Overtime-Drittel
Kölner Haie - Adler Mannheim 5:4 22. März 2008 168:16 6
Iserlohn Roosters - Frankfurt Lions 3:2 20. März 2008 117:47 3
EHC München - Kölner Haie 3:4 16. März 2011 110:00 3
Hannover Scorpions - Nürnberg Ice Tigers 3:2 30. März 2010 108:09 3
Hannover Scorpions - DEG Metro Stars 1:2 16. März 2008 91:44 2
Krefeld Pinguine - DEG Metro Stars 4:5 20. März 2009 83:00 2
Hamburg Freezers - Eisbären Berlin 2:3 15. März 2009 78:01 1
Krefelder EV - EV Landshut 4:3 19. März 1995 77:51 1
Nürnberg Ice Tigers - Hannover Scorpions 3:2 27. März 2007 77:26 1
Frankfurt Lions - EC Ratingen 5:4 01. April 1997 76:54 1
Anmerkung: Erst in der Spielzeit 2007/08 führte die DEL eine Verlängerung in Abschnitten zu je 20 Minuten ein, die erst endet, sobald eine Mannschaft das entscheidende Tor erzielt.