Sportler des Jahres "Ein Armutszeugnis"

Maria Höfl-Riesch kritisiert die Wahl zum Sportler des Jahres: Es sei bedenklich, dass Diskuswerfer Robert Harting mehr Stimmen bekommen habe als die Olympiasieger aus dem Wintersport.

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Hamburg - Die Wahl zum Sportler des Jahres stößt auf Unverständnis bei Maria Höfl-Riesch. Die Olympiasiegerin, die am Sonntag selbst ausgezeichnet wurde, kritisierte das Votum für Diskuswerfer Robert Harting: "Ich finde es bedenklich, dass ein Europameister aus dem Sommer anscheinend mehr Wert ist als ein Olympiasieger aus dem Winter. Das finde ich für den Wintersport sehr traurig, ein Armutszeugnis", sagte Höfl-Riesch, die ihre Karriere im März beendet hatte.

Sie respektiere Hartings Leistung, wolle aber auch an die Olympiasiege von Eric Frenzel und Felix Loch erinnern. Der Kombinierer und der Rodler mussten sich dem Leichtathleten bei der Wahl geschlagen geben. Harting wurde zum dritten Mal in Folge zum "Sportler des Jahres" gewählt.

Harting selbst gab sich nach seiner Auszeichnung bescheiden: "Ich muss mich bei meinen Wintersport-Kollegen entschuldigen, dass ich in einem olympischen Wintersportjahr gewonnen habe", sagte der 30-Jährige, der im September einen Kreuzbandriss erlitten hatte.

"Nur ein Teil der Marke"

"Ich denke, Olympiasiege toppen eigentlich EM-Titel", so Harting. "Die Jungs haben da Gold geholt, umso schlimmer ist es, dass ich da vorne stehe."

Ausschlaggebend neben den Erfolgen dürfte für viele Sportjournalisten Hartings Persönlichkeit gewesen sein. Der Diskuswerfer kritisiert immer wieder Fehlentwicklungen im deutschen Sport und brachte eine Sportlotterie mit auf den Weg, mit deren Erlösen Athleten unterstützt werden sollen. "Das sportliche Ereignis ist nur ein Teil der Marke eines Sportlers", sagte Harting.

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Sportler des Jahres

Hat Maria Höfl-Riesch Recht mit ihrer Kritik an der Wahl von Robert Harting?

Er freue sich zwar über die Auszeichnung, schränkte aber ein: "Ich fühle mich wie in der Grundschule, als ich so mit acht oder neun Jahren einen Wettbewerb gewonnen hatte, und am nächsten Tag haben mich die Klassenkameraden nicht mehr gemocht."

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Sportler des Jahres 2014: So ging die Wahl aus

cte/dpa/sid

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hubidubi 22.12.2014
1.
Da kommt ein proletenhafter Jüngling daher und sagt: "Ich muss mich bei meinen Wintersport-Kollegen entschuldigen, dass ich in einem olympischen Wintersportjahr gewonnen habe" Und Sie schlagen auch noch nach, indem Sie schreiben: "Harting selbst gab sich nach seiner Auszeichnung bescheiden" Merken Sie eigentlich wirklich nicht, dass Harting hier nicht bescheiden ist, sondern auf Grund seines ausgewachsenen Egos nachtreten muss oder ist die Meldung mit Absicht so geschrieben?
spon-facebook-10000065217 22.12.2014
2. Kann ich nur zustimmen...
Natürlich haben alle Sportler, die mit vorne dabei waren, hervorragende Leistungen erbracht. Die Wahl der Journalisten finde ich zum Teil auch sehr merkwürdig. Bei denen zählen nur die Leichtathleten und die Schwimmer. Aber in einem Jahr mit Olympischen Winterspielen muss es kein Diskuswerfer sein. Mit ihren 2 Medallien hat sich MH-R zu erfolgreichsten Ski-Athletien gemacht, aber Sportlerin des Jahres wäre für trotzdem Andrea Schaffelhuber. In allen Rennen Olympiasiegerin zu werden, ist das maximale, was man erreichen kann. Dass der FC Bayern nur Vierter wurde, ist auch etwas wenig, aber hier war das Feld wirklich stark. Die Mannschaften davor haben auch sensationelles geleistet.
jeku 22.12.2014
3. Ist das überhaupt noch Zeitgemäß....
Ich bin wirklich sportbegeistert, aber braucht man wirklich diese Veranstaltungen zur Selbstdarstellung "wie toll man ist" ? Ich sage "NEIN" !!
shooop 22.12.2014
4. Die Veranstaltung war nicht schön
...und ich sehe das genauso. Eric Frenzel hätte es am meisten verdient gehabt. Aber es war ja eine freie und geheime Wahl, insofern konnten sich die Wahlleute ja nicht abstimmen. Und Robert Harting ist auch ein würdiger Sieger....bloß hätte im Jahr der Winterolympiade tatsächlich ein Wintersportler die Ehre verdient. Naja, ansonsten haben sie sehr viel Schleim über den Sportlern ausgekippt, bloß gut musste ich nicht dort oben stehen.
knürken 22.12.2014
5. Freu dich, Robert!
Wenn diese Auszeichnung der Tatsache Rechnung trägt, dass ein Sportler des Jahres mehr ist, als die stumpfe Addition seiner Ergebnisse, hast du diesen Preis mehr als verdient! Einer relativ unpopulären Disziplin einen derartigen Glanz zu verleihen ist eine größere Leistung für den Sport, als eine Kugel möglichst weit zu stossen. "Bedenklich" finde ich höchstens die Diskussion darüber, wer diesen Preis wohl sonst noch so verdient hätte. Also, freu dich Robert - denn auch das kannst du viel besser, als die meisten anderen!
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