Armstrong-Arzt Ferrari soll Millionengeschäft mit Doping gemacht haben

Es sind schwerwiegende Vorwürfe: Die Staatsanwaltschaft Padua beschulidgt der umstrittenen Mediziner Michele Ferrari, ein systematisches und millionenschweres Dopingnetzwerk betrieben zu haben. Nicht nur Lance Armstrong, sondern ganze Teams sollen zu seinen Kunden gehört haben.

Arzt Ferrari: Soll systematisches Doping ermöglicht haben
DPA

Arzt Ferrari: Soll systematisches Doping ermöglicht haben


Hamburg - Der umstrittene Sportmediziner und frühere Arzt von Lance Armstrong, Michele Ferrari, gerät weiter unter Druck. Die Staatsanwaltschaft Padua wirft dem 59-Jährigen vor, von seiner Wohnung im schweizerischen St. Moritz aus ein Doping-Millionengeschäft mit der Beratung und Betreuung von Athleten aufgebaut und unterhalten zu haben.

Nach Angaben der italienischen Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport" betrage Ferraris Geschäftsvolumen über 30 Millionen Euro. Nicht nur einzelne Radprofis, sondern ganze Teams hätten in den vergangenen Jahren hohe Summen gezahlt, um sich Ferraris Dienste zu sichern. Die Staatsanwälte sollen ein kompliziertes System entlarvt haben, das es den Teams ermöglichte, Steuern zu hinterziehen, Geld zu waschen und damit unentdeckt Ferraris Rechnungen zu bezahlen. Von einem Teamkonto auf einer Schweizer Bank in Locarno hätten Radprofis systematisch Geld abgehoben, behaupten die Ermittler.

Ferrari habe laut den Ermittlern ein effizientes internationales Netz aufgebaut und seinen Kunden ein "komplettes Dienstleistungspaket" angeboten, das Beratung für den Abschluss von Verträgen, für Training, Verabreichung von Dopingprodukten und sogar rechtliche Unterstützung bei positiven Dopingkontrollen vorgesehen haben soll. Ferraris Ziel sei es gewesen, die Leistungen der Athleten zu steigern, um ihnen bessere Verträge zu sichern. Davon habe er selber stark profitiert, so die Auffassung der Staatsanwälte.

Ganze Teams sollen Kunden von Ferrari gewesen sein

Ermittlungen sollen zudem gegen seinen Sohn Stefano, den Sportmanger Raimondo Scimone, einen Schweizer Rechtsanwalt und gegen zwei Bankiers aus Locarno laufen, berichtete die "Gazzetta".

Dutzende Profis und ganze Teams wie Astana und RadioShack zählten angeblich zu Ferraris Kunden. Zudem soll der Mediziner laut der Untersuchungen der US-Anti-Doping-Agentur Usada erheblich in das Doping-System um Lance Armstrong involviert gewesen sein. Insgesamt sind 20 Teams in das Visier der Staatsanwälte geraten.

Ferrari war 2004 wegen Sportbetrugs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zwei Jahre später hatte ihn der italienische Radsportverband mit einem lebenslangen Betätigungsverbot belegt. 2002 war ein Urteil des Verbandes ergangen, das allen italienischen Radprofis verbietet, sich an Ferrari zu wenden.

Der Arzt hatte sich zuletzt selbst gegen die Doping-Anschuldigungen der Usada verteidigt. In dem umfangreichen Report der Agentur gegen Armstrong finde sich "kein objektiver Beweis von Dopingpraktiken oder Fehlverhalten in Armstrongs ehemaligen Teams", behauptet Ferrari.

psk/sid



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