Studie der Deutschen Sporthochschule Köln Sexuelle Gewalt auch im Sport verbreitet

Sexistische Sprüche, Grabscher, unerwünschte Küsse: Auch in der deutschen Sportlerwelt sind sexuelle Übergriffe verbreitet. Forscher der Sporthochschule Köln haben die Erfahrungen von 1800 Athleten ausgewertet.


Sexuelle Gewalt im Wettkampf- und Leistungssport - mit diesem Thema haben sich Forscher der Sporthochschule Köln und des Universitätsklinikums Ulm rund zwei Jahre lang beschäftigt. Nun haben sie erste Ergebnisse vorgestellt. Aus den Antworten von 1799 befragten Sportlern geht hervor, dass

  • etwa ein Drittel der befragten Kadersportlerinnen und -sportler schon einmal eine Form von sexualisierter Gewalt, wie die Forscher sie definieren, erfahren haben.
  • einer von neun Befragten schwere und länger andauernde sexualisierte Gewalt im Sport erfahren hat.

Weitere Ergebnisse: Frauen sind signifikant öfter als Männer betroffen, Sportler mit Behinderungen hingegen nicht öfter als gesunde. Und die Gewalt wird sowohl von Erwachsenen als auch von Jugendlichen ausgeübt. "Sexualisierte Gewalt unter Gleichaltrigen im Sport tritt dabei insbesondere in Form von sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt auf", heißt es (Hier finden Sie die komplette Studie als PDF).

So definieren die Wissenschaftler sexualisierte Gewalt:

Unterschieden wurde zwischen sexueller Gewalt ohne Körperkontakt (16 Prozent der Befragten berichteten davon), sexualisierter Gewalt mit Körperkontakt (3 Prozent der Befragten) und sexuellen Grenzverletzungen (18 Prozent der Fälle). 63 Prozent der Befragten berichteten von keinen Ereignissen sexualisierter Gewalt.

Unter sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt sind folgende Ereignisse zusammengefasst: sexistische Witze, nachpfeifen oder in sexuell anzüglicher Weise nachrufen, sexuell anzügliche Bemerkungen, sexuell anzügliche Blicke, Mitteilungen mit sexuellem Inhalt, Bildnachrichten von betroffener Person in sexueller Position.

Unter sexuelle Grenzverletzungen fallen folgende Ereignisse: unangemessen nahekommen, unangemessene Berührungen allgemein, unangemessene Berührungen im Training, unangemessene Massagen, betroffene Person auffordern, mit ihr alleine zu sein, betroffene Person auffordern, sich vor anderen auszuziehen, sich vor betroffener Person exhibitionieren.

Sexualisierte Gewalt mit Körperkontakt meint folgende Ereignisse: unerwünschte Küsse, sexuelle Berührungen, versuchter Sex sowie Sex mit Penetration - alles gegen den eigenen Willen.

Sexualisierte Gewalt kommt laut der Forscher im Sport nicht häufiger oder seltener vor als in der Bevölkerung insgesamt. Die Mehrheit der Betroffenen ist demnach bei der ersten Erfahrung sexualisierter Gewalt im Sport unter 18 Jahre alt. Die Befragten stammen aus 128 unterschiedlichen Sportarten in insgesamt 57 Sportverbänden.

"Die Daten bestätigen, dass Sportverbände und -vereine in der Verantwortung stehen, den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierten Übergriffen zu optimieren", teilte die Koordinatorin des Projektes, Dr. Bettina Rulofs von der Deutschen Sporthochschule Köln, mit.

bka/dpa/sid



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