Stürze bei der Tour de France Peloton der Versehrten

Selten hat ein Abschnitt so viele Verletzte gefordert wie die neunte Etappe der 98. Tour de France. Alexander Winokurow brach sich das Bein, Jurgen Van Den Broeck das Schulterblatt. Schuld an den Stürzen ist eine gefährliche Streckenplanung - und der erbitterte Konkurrenzkampf im Fahrerfeld. 

REUTERS

Von , Saint-Flour


Die Bilder der neunten Etappe waren die bisher eindringlichsten der 98. Tour de France. Sie waren auch die erschütterndsten: Der alternde Star Alexander Winokurow, gestützt auf die Schultern zweier Helfer. Omega-Kapitän Jurgen Van Den Broeck, den blutenden Kopf in seine Hände gestützt. Die beiden Ausreißer Juan Antonio Flecha und Johnny Hoogerland, wie sie bei der Kollision mit einem TV-Fahrzeug förmlich von der Straße gefegt werden.

Schuld an diesen Szenen sind eine größere Rücksichtslosigkeit und Risikofreudigkeit der Fahrer selbst, eine Tourorganisation, die das Problem immer schnellerer Räder bei der Streckenplanung nicht genügend berücksichtigt, und Fahrer von Begleitfahrzeugen, die sich selbst für Rennfahrer halten. Wegen der vielen Stürze ist das Favoritenfeld der Tour de France schon vor der ersten richtigen Bergetappe entscheidend ausgedünnt.

Der Kasache Winokurow musste aus einem Gebüsch am Straßenrand geschleppt werden, sein rechtes Bein war unnatürlich verdreht. Die Ärzte diagnostizierten später einen Oberschenkelbruch. Winokurow musste aufgeben. "Es war schrecklich. Ich habe Wino nur dort in den Büschen liegen sehen und gehofft, dass er noch unter uns weilt", sagte sein Teamkollege Paolo Tiralongo SPIEGEL ONLINE. Der Italiener fühlte sich an den Unfalltod des Belgiers Wouter Weylandt erinnert.

Als Tiralongo sich um Winokurow kümmerte, saß Van Den Broeck ganz allein auf dem Asphalt. Der Omega-Kapitän hielt sich den blutenden Kopf. Auch der Belgier, der als ernsthafter Kandidat für das Podium in Paris galt, stieg in einen Krankenwagen. Die erste Diagnose ergab neben der Kopfverletzung einen Schulterblattbruch sowie ein Thoraxtrauma.

"Wir fuhren blind rein, es wurde immer enger"

Van Den Broecks Omega-Teamkollege Frederik Willems hatte sich bei dem Massensturz eine Schlüsselbeinfraktur zugezogen. Der Amerikaner David Zabriskie (Garmin) erlitt einen Bruch des Handgelenks. Für alle vier ist die Rundfahrt beendet, damit erhöht sich die Zahl der allein durch Sturzverletzungen ausgeschiedenen Fahrer auf ein Dutzend. Zahlreiche weitere Profis schleppen sich schwer angeschlagen in den Ruhe-Montag.

Der Massensturz, der die Verletzten forderte, ereignete sich bei Kilometer 102 in einer Abfahrt zwischen zwei Bergwertungen der zweiten Kategorie. "Die Kurve war vorher nicht als gefährlich gekennzeichnet. Wir fuhren blind rein, es wurde immer enger. Sie hörte einfach nicht auf. Und plötzlich sah ich eine Menge Fahrer vor mir liegen und stürzte auch selbst", schildert HTC-Profi Tony Martin die Situation. Martin hatte bereits nach einem Massensturz auf der fünften Etappe Tourveranstalter ASO wegen der Streckenführung über schmale Departementstraßen mit vielen Kreisverkehren und Blumenrabatten mitten auf der Straße kritisiert. "Ich weiß nicht, ob es eine kluge Entscheidung darstellt, ein so großes und so nervöses Feld über derartig kleine Straßen zu führen", sagte Martin SPIEGEL ONLINE. "Die Tour muss umdenken", forderte er.

Renndirektor Jean-Francois Pescheux weist die Vorwürfe zurück. "Wir sorgen für Sicherheit, so gut wir können. Wir beseitigen Hindernisse und weisen auf Gefahrenstellen hin. Wenn wir nicht mehr auf Departmentstraßen fahren können, auf denen täglich Autos zirkulieren, bleiben uns nur noch Fahrten auf Autobahnen zwischen den großen Städten übrig", sagte er SPIEGEL ONLINE. Den Vorwurf, dass er als Verantwortlicher für die Streckenbestimmung bewusst gefährliche Passagen aussuche, wies er als unangebracht zurück.

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98. Frankreich-Rundfahrt: Die Etappensieger der Tour 2011
Tatsächlich ist die Schuld nicht komplett der ASO zuzuschreiben. Auch die Fahrer selbst tragen zu gefährlichen Situationen bei. Zu viele von ihnen drängen sich auf engem Raum. Garminprofi David Millar beklagt die zurückgegangene Kameradschaft unter den Kollegen. "Es gibt immer mehr Leute mit den gleichen Zielen und es wird immer grausamer da draußen", sagte der Schotte.

Etwas sachlicher sieht Danilo Hondo die Angelegenheit: "In diesem Jahr drücken noch mehr Klassementfahrer vorn rein als sonst. Da wird es eng und man riskiert immer mehr. Das ist wie beim Motorsport: Du versuchst, einen Vorteil zu erlangen, indem du immer später bremst. Und wenn es dann am Ende nicht passt, dann passt es eben nicht mehr."

Winokurow-Gefährte Tiralongo hingegen hat eine technische Erklärung parat. "Unsere Räder werden immer schneller. Du kannst sie in solchen Situationen einfach nicht bremsen", sagte der Italiener.

Ebenfalls ungebremst kollidierte ein Fahrzeug des französischen Fernsehens mit Flecha und Hoogerland. Erst stürzte der Spanier, über ihn flog in hohem Bogen der Niederländer. Nach dem durch ein Fotografenmotorrad ausgelösten Sturz auf der fünften Etappe war dies bereits der zweite Vorfall von Konvoifahrzeugen. Die Fahrer wurden von der Tour ausgeschlossen. Tourdirektor Prudhomme entschuldigte sich offiziell "für diesen Skandal". Er kündigte an, in Zukunft härter durchzugreifen. Zumindest sollten alle Beteiligten jetzt alarmiert sein. Am Samstag hatte bereits ein Mannschaftswagen von Vacansoleil das Auto von Saxo Bank-Teamchef Bjarne Riis zu Schrott gefahren.

Material ist zu ersetzen. Die Gesundheit von Sportlern nicht. Nachdem bereits in den ersten Tagen der Brite Wiggins (Sky), der US-Amerikaner Horner und der Slowene Brajkovic (beide Radioshack) durch Stürze ausgeschieden sind, ihnen am Sonntag Winokurow und Van Den Broeck nachfolgten und auch die Spanier Sanchez (Euskatel) und Contador (Saxo Bank) sowie der Holländer Gesink (Rabobank) durch Sturzfolgen in Rückstand gerieten, hat sich das Feld der Podiumsanwärter auf das Quintett Schleck, Cadel Evans, Andreas Klöden, Ivan Basso und Alberto Contador reduziert.

Am Donnerstag muss das Peloton der Versehrten dann in die Pyrenäen. Bjarne Riis erwartet einen "Ermüdungskampf der Erschöpften". Für die Zuschauer ist dies spektakulär. Für die Rennfahrer eine Tortur.

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Medien-Kritiker, 01.07.2011
1. Wer gewinnt die Tour?
Zitat von sysopTitelverteidiger und Top-Favorit Alberto Contador kommt unter Dopingverdacht zur 98. Frankreich-Rundfahrt. Bleibt die diesjährige Auflage der Tour sauber oder verkommt sie zur Tour de Farce?
Ich weiß nicht, was diese reißerische Überschrift soll.Gäbe es `ne Leichtathletik-WM würde SPON auch `ne neutrale Überschrift wählen, obwohl es kein Sportereignis gibt, wo mehr Ex-Dopingsünder an den Start gehen.Das im Fall Contador noch kein Urteil gefallen ist, ist eine Farce, aber dafür kann die Tour ja nichts.Ich denke mir natürlich auch meinen Teil, aber die Tour interessiert mich auch rein sportlich.Mir ist bewusst, dass ich damit zumindest in Deutschland einer Minderheit angehöre, aber das ändert nichts an meinem nach wie vor vorhandenen Radsportinteresse. Ich fürchte zwar, dass viele, die sich in diesem Thread äußern werden kaum mehr als vier-fünf fahrer kennen, aber ich versuche es trotzdem mal mit einer kleinen Vorschau: Ich denke Andy Schleck hat gute Chancen auf den Toursieg.Contador hat den Giro gefahren und sein Team ist im Vergleich zu Schlecks Team sehr schwach besetzt.Das kann den Ausschlag geben.Contador und Andy Schleck sind die Topfavoriten.Die wird vermutlich niemand wirklich "ärgern" können.Ich würde mir ja wünschen, dass mal ein Fahrer wie Cadel Evans die Tour gewinnt.Auch deshalb weil der "Aussie" z.B. im Gegensatz zu Contador nicht die Berge "hochfliegt, als wäre es nichts, sondern man auch als Zuschauer sieht, wie sehr er sich quält.Mein Podium sieht A.Schleck vor Conador und Evans.Um die Plätze 4-5 werden dann Fahrer wie Leipheimer und Wiggins mitfahren.
doc 123 02.07.2011
2. Dopingsumpf
Zitat von Medien-KritikerIch weiß nicht, was diese reißerische Überschrift soll.Gäbe es `ne Leichtathletik-WM würde SPON auch `ne neutrale Überschrift wählen, obwohl es kein Sportereignis gibt, wo mehr Ex-Dopingsünder an den Start gehen.Das im Fall Contador noch kein Urteil gefallen ist, ist eine Farce, aber dafür kann die Tour ja nichts.Ich denke mir natürlich auch meinen Teil, aber die Tour interessiert mich auch rein sportlich.Mir ist bewusst, dass ich damit zumindest in Deutschland einer Minderheit angehöre, aber das ändert nichts an meinem nach wie vor vorhandenen Radsportinteresse. Ich fürchte zwar, dass viele, die sich in diesem Thread äußern werden kaum mehr als vier-fünf fahrer kennen, aber ich versuche es trotzdem mal mit einer kleinen Vorschau: Ich denke Andy Schleck hat gute Chancen auf den Toursieg.Contador hat den Giro gefahren und sein Team ist im Vergleich zu Schlecks Team sehr schwach besetzt.Das kann den Ausschlag geben.Contador und Andy Schleck sind die Topfavoriten.Die wird vermutlich niemand wirklich "ärgern" können.Ich würde mir ja wünschen, dass mal ein Fahrer wie Cadel Evans die Tour gewinnt.Auch deshalb weil der "Aussie" z.B. im Gegensatz zu Contador nicht die Berge "hochfliegt, als wäre es nichts, sondern man auch als Zuschauer sieht, wie sehr er sich quält.Mein Podium sieht A.Schleck vor Conador und Evans.Um die Plätze 4-5 werden dann Fahrer wie Leipheimer und Wiggins mitfahren.
Natürlich ist oder war Contador gedopt und es wäre der Tour gut angestanden, wenn man wenigstens seine Teilnahme einfach verboten hätte. Aber letztlich ist das auch egal, letztlich sind doch alle die vorne mitfahren gedopt, wenn man die ganzen Dopingnachweise, Geständnisse ehemaliger Sieger und Anschuldigungen von Fahrerkollegen zusammennimmt und betrachtet. Wäre doch wohzl allenfalls interessant, wer der beste gedopte Radfahrer ist, man sollte einfach Armstrong gegen Contador und Jan Ullrich fahren lassen, wäre ja doch wohl auch ein Spektakel. Und höchstköstlich ist ja dazu hin noch, dass ausgerechnet auch die ehemalige Dopingsünderin Claudia Pechstein in den Radsport wechselt.
Medien-Kritiker, 02.07.2011
3. Äh
Zitat von doc 123Natürlich ist oder war Contador gedopt und es wäre der Tour gut angestanden, wenn man wenigstens seine Teilnahme einfach verboten hätte. Aber letztlich ist das auch egal, letztlich sind doch alle die vorne mitfahren gedopt, wenn man die ganzen Dopingnachweise, Geständnisse ehemaliger Sieger und Anschuldigungen von Fahrerkollegen zusammennimmt und betrachtet. Wäre doch wohzl allenfalls interessant, wer der beste gedopte Radfahrer ist, man sollte einfach Armstrong gegen Contador und Jan Ullrich fahren lassen, wäre ja doch wohl auch ein Spektakel. Und höchstköstlich ist ja dazu hin noch, dass ausgerechnet auch die ehemalige Dopingsünderin Claudia Pechstein in den Radsport wechselt.
Auch Radrennfahrer haben Rechte.Und so lange noch kein Urteil gefällt wurde hat er als unschuldig zu gelten.Mich überrascht, dass er fahren darf, denn da gab es in der Vergangenheit schon andere Beispiele von Fahrern, die auf Grund von Indizien ausgeschlossen wurden, die geringer waren als bei Contador.Und angesischts der Tatsache, dass bei der Dopingbekämpfung die rechtsstaatlich eigentlich vollkommen unhaltbare Regelung der Beweislastumkehr gilt und der Fahrer bei Verdächtigungen seine Unschuld beweisen muss ist der Start von Contador wirklich überraschend.Ich denke auch, dass sein Start der Tour schadet, aber so lange es im Prinzip nur Deutschland so ist, wo mit em Finger auf die Radfahrer gezeigt wird, währed gleichzeitig Leue wie Usain Bolt oder Michael Phelps gefeiert werden (ist noch mehr Bigotterie überhaupt möglich?? )wird die Tour auch das überleben.Es ist nicht die Tour, sondern die deutsche Sportjournalie die sich lächerlich macht!! Klar hat der Radsport auch heute noch ein großes Dopingproblem, aber ich weiß nicht, ob das größer ist als z.B. in der Leichtahtletik, im Schwimmen oder auch im Fußbal... Ich hab´neulich einen interesanten Artikel gelesen, in dem die These aufgestellt wurde, dass Contador freigesprochen wird.Die Begründung war die, dass man den Fußball unter keinen Umständen "an die Wand nageln" wolle.Und neulich wurden bekantlich fünf mexikanische Nationalspieler positiv auf Clenbuterol getestet...
fussball11 02.07.2011
4.
Zitat von doc 123Natürlich ist oder war Contador gedopt und es wäre der Tour gut angestanden, wenn man wenigstens seine Teilnahme einfach verboten hätte. Aber letztlich ist das auch egal, letztlich sind doch alle die vorne mitfahren gedopt, wenn man die ganzen Dopingnachweise, Geständnisse ehemaliger Sieger und Anschuldigungen von Fahrerkollegen zusammennimmt und betrachtet. Wäre doch wohzl allenfalls interessant, wer der beste gedopte Radfahrer ist, man sollte einfach Armstrong gegen Contador und Jan Ullrich fahren lassen, wäre ja doch wohl auch ein Spektakel. Und höchstköstlich ist ja dazu hin noch, dass ausgerechnet auch die ehemalige Dopingsünderin Claudia Pechstein in den Radsport wechselt.
Ich nehme mal an das es ein satirischer Beitrag sein soll. Wenn alle Spitzenfahrer gedopt sind, wäre die Konsequenz das Doping bei Spitzenathleten nicht nachweisbar ist. Der Radsport hat die modernsten Test die der WADA zur Verfügung stehen und diese Test werden intensiv angewendet. Wäre es demnach unmöglich ist Sportler zu überführen, kann die Schlussfolgerung nur sein, das überall gedopt wird wo es sich lohnt. Wenn es sich aber lohnt zu dopen, dann lohnt es sich im Fußball - aus sportlichen wie finanziellen Gründen. Wenn ich mir dann vorstelle wer beim Fußball dopen könnte fällt mir immer dieses Bild ein: http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/554611/artikel_schweinsteiger_ich-weiss-dass-ich-fuehren-muss.html#omsearchresult Man vergleich beim oberen und unteren Bild die Veränderung von Kinn und Ohren, das könnte in einem Lehrbuch für Steroid Doping aufgeführt werden. Wer ein Leitwolf sein will muß auch die passenden Hormone haben.....
unifersahlscheni 02.07.2011
5. ...ganz kurz...
...war sogar ich von der Tour de France "angefixt"... ;---) ...als Jan Ullrich in jungen Jahren sich irgendwie an die Spitze kämpfte und täglich (freilich täglich) von der Tour live berichtet wurde... ...super schöne Gegenden in Frankreich, Sonne, kämpfende Sportler... ...aber als irgendwann mal klar wurde, dass eigentlich alle gedopt sind, war für mich die Idylle vorbei... ...und jetzt fährt sogar Contador wieder mit, egal, eh schon wieder wurscht, gleich kommt Brasilien : Norwegen da freu ich mich wirklich drauf...! ;---)
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