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Super Bowl 50: Geglänzt hat nur das Konfetti

Aus Santa Clara berichtet

REUTERS

Seit Jahren propagiert Amerikas Football-Liga die Offensive und dann das: Im Finale dominieren die Abwehrreihen, machen die Verteidiger die Punkte, und der Quarterback - ja, der geht in die Defensive.

Durch das Stadion in Santa Clara rieselte nach dem Ende des Super Bowls goldenes Konfetti. Es war eine nette, schimmernde Note in Anspielung auf das 50-jährige Jubiläum des Endspiels der National Football League. Das Finale selbst bot indes wenig Glanz.

Der verdiente 24:10-Erfolg der Denver Broncos gegen die Carolina Panthers wird nicht als Offensiv-Feuerwerk in die Geschichtsbücher eingehen, sondern als eher unspektakuläres Match, das allenfalls Defensiv-Fetischisten auf ihre Kosten kommen ließ. (Hier gibt es das Finale im Minutenprotokoll)

Auf dem Saisonhöhepunkt einer Liga, die seit Jahren die Offensive propagiert, deren größte Stars Quarterbacks mit mächtigen Wurfarmen sind, boten sich die beiden Finalisten eine Abwehrschlacht. Die herausragenden Spieler dieses Super Bowls waren Verteidiger - Von Miller, DeMarcus Ware oder Malik Jackson beispielsweise bei Denver und aufseiten der Panthers Luke Kuechly sowie Kony Ealy. Letzterer riss dreimal Peyton Manning zu Boden und war somit der erste Profi seit 1982, dem im Endspiel drei sogenannte Sacks gelangen.

Und so war es kein Wunder, dass in der überfüllten Mixed-Zone diesmal kaum über offensive Aktionen geredet wurde, sondern die Abwehr das große Gesprächsthema war - selbst für Angreifer wie Denvers C.J. Anderson. "Wir haben die beste Defensive der Welt", jubelte der Runningback.

Drei Fumbles, sechs Sacks

Denver hat mit den Pittsburgh Steelers, New England Patriots und Carolina Panthers in diesen Playoffs nacheinander drei Teams besiegt, deren Offensiven zum Besten gehört, was die NFL zu bieten hat. Die Broncos haben in allen drei Partien den namhaften Quarterbacks Ben Roethlisberger, Tom Brady und Cam Newton zusammen lediglich drei erfolgreiche Touchdown-Pässe erlaubt.

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Carolinas Offensive war die gesamte Saison über dominant. Angeführt von Newton produzierte sie im Schnitt pro Partie 31,3 Punkte. Gegen Denver gelang ihr im Super Bowl nicht einmal ein Drittel davon. "Wir wussten, dass es schwer wird, ihre Offensive zu stoppen. Aber jeder von uns hatte sich genau das zum Ziel gesetzt, und wir haben die Herausforderung gemeistert", sagte Denver-Verteidiger Ware.

Die Basis legten die Broncos damit, dass sie Newton nicht wie gewohnt Zeit und Platz für seine Pässe und Läufe ließen. Denvers Defensive erzwang nicht nur drei Fumbles, fing einen Pass von Newton ab und riss den Panthers-Playmaker sechsmal zu Boden, sondern sie sorgte auch für den ersten Touchdown der Partie. In der neunten Minute gelang Von Miller bei einer 3:0-Führung der Broncos ein Sack an Newton, sodass dieser den Ball verlor. Im Getümmel war Malik Jackson derjenige, der das Ei aufnahm und die vier Yards zum Touchdown in die Endzone trug.

"Es geht hier nicht um mich"

Auch der zweite Touchdown der Broncos durch Anderson vier Minuten vor Spielschluss entsprang einer entscheidenden Aktion der Abwehr. Erneut war es Miller, der Newton unter Druck setzte, ihm den Ball aus der rechten Wurfhand schlug - Mitspieler T. J. Ward griff entschlossen zu und sicherte den Football vier Yards vor der Endzone. Die Offensive erledigte dann den Rest.

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Es ist eher ungewöhnlich, dass im Super Bowl ein Verteidiger zum wertvollsten Spieler (MVP) gewählt wird. Im Falle der Broncos war es jedoch geradezu folgerichtig. Die Defensive hat den Klub ins Endspiel geführt, und die Defensive hat auch das Finale gewonnen. Und es sagte viel aus, dass MVP Von Miller nicht über sich sprach, sondern über die gesamte Abwehr. Seine Auszeichnung zeige einfach, so Miller, was für eine Art von Verteidigung Denver spiele. "Es geht hier nicht um mich. Wenn ich könnte, würde ich diese Auszeichnung jedem meiner Nebenleute geben."

Auch Carolinas Defensive war star k, hielt die Panthers lange im Spiel - und erlaubte Denvers Offensive insgesamt nur 194 Yards Raumgewinn. Nie zuvor war ein Team mit einer solchen Angriffsleistung Meister geworden.

Die dominierenden Defensiven stellten sogar den Mann in den Hintergrund, der sonst sämtliche Schlagzeilen füllt. Peyton Manning wurde im vierten Anlauf zum zweiten Mal Meister. Etliche Male wurde er gefragt, ob das Finale sein letztes Spiel gewesen sei. Schließlich wäre es ein perfektes Ende seiner 18-jährigen NFL-Karriere gewesen, zumal er trotz eines Vertrags den Broncos in der neuen Saison als dann 40-Jähriger kaum weiterhilft und mit Brock Osweiler längst ein Nachfolger parat steht.

Er wolle jetzt erst einmal Frau und Kinder küssen, feiern, jede Menge Bier trinken - und dann, in ein paar Tagen, reflektieren, so Manning. Mit dieser Aussage ließ er seine Zukunft offen. Man könnte auch sagen, er tat genau das, was Denver an diesem Tag so auszeichnete. Er ging in die Defensive - und machte dabei keinen Fehler.

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insgesamt 55 Beiträge
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1. Kommentator bei sat 1
klabeuter 08.02.2016
Ich kann mich dem Bericht des Autors voll anschließen. Das Spiel hatte kaum Höhepunkte. Der Reporter Buschmann aber konnte sich überhaupt nicht ein kriegen. Jede 2 Minuten kam : das ist ein Wahnsinn, so etwas habe ich noch nie gesehen, was ist das für ein Spiel. Den darf man doch nicht auf die Zuschauer loslassen. Habe nach wenigen Minuten den Ton ausgeschaltet.
2. Die Defense...
elflipsen 08.02.2016
...wird generell unterschätzt. Es war ein packendes Spiel und ließ wenig zu wünschen übrig. Ein genialer Sack kann so schön sein wie ein Touchdown.
3. Kommentar völlig unverständlich...
spon-1288018170278 08.02.2016
Als ob das Spiel keine Höhepunkte hatte.... Das war eines der besten Super Bowls. Nur weil nur wenige Punkte gefallen sind heißt das noch lange nicht,dass es ei
4. Das Spiel...
mikas1 08.02.2016
... war in meiner Augen der Hammer. Es war endlich mal ein Finale, dass alle Facetten des Spiels gezeigt hat. American Football besteht halt nicht nur aus einem einzelnen Spieler (Quarterback), der machen kann was er will. ich fands super!
5. Eine eigentlich tolle....
kadsha 08.02.2016
Nacht, wenn ich mich nicht alle 2 Minuten über den Buschmann hätte aufregende müssen. Ein Spiel zu kommentieren oder es im Sekundentakt mit sinnlosem Geschrei zu unterbrechen, ist schon ein großer Unterschied. Mich haben diese Ausbrüche doch signifikant genervt! Bitte Sat1, im kommenden Jahr kompetente und etwas entspanntere Moderatoren...
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Super-Bowl-Sieger seit 2000
Jahr Gewinner Verlierer MVP
2016 Denver Broncos Carolina Panthers Von Miller
2015 New England Patriots Seattle Seahawks Tom Brady
2014 Seattle Seahawks Denver Broncos Malcolm Smith
2013 Baltimore Ravens San Francisco 49ers Joe Flacco
2012 New York Giants New England Patriots Eli Manning
2011 Green Bay Packers Pittsburgh Steelers Aaron Rodgers
2010 New Orleans Saints Indianapolis Colts Drew Brees
2009 Pittsburgh Steelers Arizona Cardinals Santonio Holmes
2008 New York Giants New England Patriots Eli Manning
2007 Indianapolis Colts Chicago Bears Peyton Manning
2006 Pittsburgh Steelers Seattle Seahawks Hines Ward
2005 New England Patriots Philadelphia Eagles Deion Branch
2004 New England Patriots Carolina Panthers Tom Brady
2003 Tampa Bay Buccaneers Oakland Raiders Dexter Jackson
2002 New England Patriots Saint Louis Rams Tom Brady
2001 Baltimore Ravens New York Giants Ray Lewis
2000 Saint Louis Rams Tennessee Titans Kurt Warner


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