Brady beim Super-Bowl-Sieg 2:49 Minuten Perfektion

Beim Super-Bowl-Triumph der Patriots über die Rams prägten die Abwehrreihen das Spiel. Dann kam Minute 51 - und Altstar Tom Brady zeigte, was er dem 17 Jahre jüngeren Jared Goff voraushat.

Aus Atlanta berichtet


Es lief bereits das Schlussviertel in diesem Super Bowl LIII, und es war bis hierhin ein eher unspektakuläres Spiel gewesen. Die Defensivreihen hatten das Duell zwischen den New England Patriots und den Los Angeles Rams dominiert, sie hatten bis auf zwei Field Goals nichts zugelassen. Dann begann die 51. Minute - es stand nur 3:3. Die Rams waren im Ballbesitz mal wieder nicht entscheidend vorangekommen, mussten den Football in die Patriots-Zone punten. Wie so viele Male zuvor.

Diesmal aber passierte etwas Eigenartiges. "Brady, Brady", hallte es von den Rängen der Patriots-Fans, die klar in der Überzahl waren und dieses Finale akustisch zu einem Heimspiel machten. "Brady, Brady", immer wieder. Die Fans verlangten nach ihrem Quarterback-König. Und der König war zur Stelle, die Patriots gewannen 13:3.

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53. Super Bowl: Abwehrschlacht in Atlanta

Dabei hatte Tom Brady zuvor in seinem neunten Super Bowl relativ unspektakulär agiert. Der erste Spielzug endete mit einer Interception. Anschließend hatte ihm seine Offensive Line zwar immer wieder Zeit gegeben, sich die Mitspieler auszugucken, dennoch kamen nur wenige seiner Pässe an.

"Junge, wir brauchen jetzt ein Riesending"

Aber dieser Thomas Edward Patrick Brady ist mit seinen 41 Jahren schon zu lange dabei, um sich von misslungenen Spielzügen aus der Ruhe bringen zu lassen. Und so schritt er in jener 51. Minute unter den Anfeuerungsrufen seiner Fans auf das Spielfeld. "Unsere Defensive hat unglaublich gespielt, und wir waren einfach dran, ihr zu helfen", sagte Brady später.

Er startete den Spielzug an der eigenen 31-Yard-Linie. Es folgten vier Pässe, die zum einzigen - und entscheidenden - Touchdown führen sollten. Ein 18-Yard-Anspiel rechts raus auf Rob Gronkowski. Ein Wurf in die Mitte für 13 Yards Raumgewinn zu Julian Edelman und ein Sieben-Yard-Pass links hinaus zu Rex Burkhead. Die Patriots hatten sich so ziemlich mühelos bis zur 31-Yard-Linie der Rams vorgearbeitet, als Edelman im Huddle zu Gronkowksi blickte: "Junge, wir brauchen jetzt ein Riesending von dir." Was folgte, war pure Perfektion.

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53. Super Bowl: Abwehrschlacht in Atlanta

Brady servierte den Ball mit einer Art Bogenlampe millimetergenau links hinaus in den Lauf von Gronkowski, der ihn im Fallen fing. Drei Rams-Spieler hatten ihn zwar umzingelt - und doch konnten sie nichts ausrichten. Eine Aktion, 29 Yards Raumgewinn. Den Rest besorgte Runningback Sony Michel, Touchdown. "Es war einfach Crunch-Time. Es fühlt sich gut an, solch einen wichtigen Ball gefangen zu haben", sagte Gronkowski.

Die Offensive hatte endlich geliefert - und die Defensive zog umgehend nach. Rams-Quarterback Jared Goff wirkte zwar in der ersten Halbzeit im bislang wichtigsten Spiel seiner noch jungen Karriere überfordert, fand jedoch im Schlussviertel allmählich seinen Rhythmus. Allerdings war der Druck auf den 24-Jährigen nach dem Patriots-Touchdown enorm. Er musste nachlegen - und das tat er zunächst sehenswert, brachte seine Rams innerhalb von 2:43 Minuten bis zur 27-Yard-Linie.

Dann sah er Brandin Cooks rechts außen, bediente ihn - und erstarrte. Patriots-Cornerback Stephon Gilmore hatte richtig antizipiert, seine Hände eher an den Ball bekommen und ihn kurz vor der Endzone abgefangen. "Es tut weh, zu wissen, dass unsere Verteidigung so gut gegen einen Tom Brady gespielt hat und die Offensive einfach nicht die Punkte erzielen konnte, die wir brauchten", sagte Goff.

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Super-Bowl-Halbzeitshow: Nackter Oberkörper und dicker Pelz

Es waren zwar noch 4:17 Minuten zu spielen, aber die Patriots fanden anschließend vor allem durch Runningback Michel die Lücken in der Rams-Abwehr, die vorher wie verstopft schienen - und erliefen so wichtige Yards und First Downs. Stephen Gostkowski schloss den Spielzug 76 Sekunden vor Ende mit einem Field Goal zum 13:3 ab. Und da Los Angeles keine Auszeiten mehr hatte, um die Spieluhr zu stoppen, glich der anschließende Angriff verständlicherweise einer Verzweiflungsaktion. Dass Kicker Greg Zuerlein acht Sekunden vor Spielschluss aus 48 Yards Entfernung ein Field Goal verpasste, war längst nicht mehr entscheidend.

"In diesen Partien kommt es darauf an, am Ende gut zu spielen. Und das ist uns gelungen", sagte Brady. Rams-Runningback C.J. Anderson sagte: "Wir haben uns selbst besiegt. Wir wussten, dass wir bei Third Downs gut sein müssen. Aber das waren wir nicht."

Mit dieser Niederlage wurde eine herausragende Saison der Kalifornier zu einer sehr guten. Die Patriots hingegen schlossen eine für sie eher untypische Spielzeit, in der sie in der Vorrunde viele Probleme hatten, mit dem sechsten Meistertitel ab. Brady und Coach Bill Belichick waren bei allen Super-Bowl-Siegen dabei. Ihre Erfolgsstory begann auf den Tag genau vor 17 Jahren - mit einem 20:17-Endspielsieg gegen die Rams.

New England Patriots - Los Angeles Rams 13:3 (0:0, 3:0, 0:3, 10:0)
3:0 42-Yard-Field-Goal Gostkowski (20.)
3:3 53-Yard-Field-Goal Zuerlein (43.)
10:3 Zwei-Yard-Lauf von Michel, Extrapunkt Gostkowski (53.)
13:3 41-Yard-Field-Goal Gostkowski (59.)

Der erste Spielzug endete nicht mit einem Fumble, sondern mit einer Interception.

insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
mr_stagger_lee 04.02.2019
1. Punt Fiesta
Das war der langweiligste Superbowl aller Zeiten. Mit dem längsten Punt (65yards) als Rekord-Highlight.
hileute 04.02.2019
2. wieso wird brady jetzt in den himmel gelobt?
erstmal: natürlich ist er ein Superspieler, sonst hätte er nicht erreicht was er erreicht hat. Aber: ich habe schon länger das Gefühl das seine Zeit vorbei ist, häufig sind seine Leistungen maximal noch Durchschnitt, oder, wie heute, sehr schwach, unvariables Passspiel, Raumgewinn ausschließlich durch laufen, wo er nicht beteiligt ist. Nur weil Goff katastrophal schwach war heißt das doch nicht im Gegenzug das Brady gut war. Bei aller Liebe 1 TD im Spiel, das ist nichts
mueller1 04.02.2019
3. 2:49 Minuten Perfektion
Das war heute Nacht nicht gerade das beste Spiel von Tom Brady. Man sollte eher Michel, Gronkowski und den MVP Edelman statt Brady lobend erwähnen. Es war im ersten Spielzug kein Fumble, sondern schlimmer - eine Interception vom Greatest Of All Time. Das alles ändert natürlich nichts an seiner "historischen" Leistung, als erster Spieler überhaupt zum 6. Mal den (die?) Super Bowl zu gewinnen.
isi-dor 04.02.2019
4. Man darf hier seine Meinung offenbar nicht frei äußern
Trotzdem bleibe ich dabei: die Dauerwerbesendung, die durch ein paar belanglose Sportschnippsel unterbrochen wurde, war mehr als langweilig. So was wäre in Deutschland nicht vermittelbar.
yabba-dabba-doo 04.02.2019
5. Brady -einer der größten Sportler überhaupt
Wenn jemand wie Brady in 17 Jahren 9 mal im Super-Bowl Finale stand und am Ende sich 6 mal den Ring über die Finger streifen kann, dann ist das eine sensationelle Leistung. Übrigens mit dem gleichen Trainer. Ein tolles Team. Auch wenn Edelmann verdient zum besten Spieler gewählt wurde. Youngster Goff flatterten die Nerven. Brady fand sie gegen ende des Spiels zurück und ist mit den Patriots verdienter Sieger. Feue mich auf die kommenden Jahre mit Brady und den Patriots im Super-Bowl Finale.
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