Super-Bowl-Stadt New Orleans: Große Chance für "The Big Easy"

Aus New Orleans berichtet

Superdome in New Orleans: Austragungsort des 47. Super Bowls Zur Großansicht
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Superdome in New Orleans: Austragungsort des 47. Super Bowls

New Orleans putzt sich raus: Acht Jahre nach dem verheerenden Hurrikan "Katrina" richtet die Stadt den 47. Super Bowl aus. 150.000 Football-Fans verwandeln die historische Altstadt seit Tagen in eine Partymeile - das musste auch Baltimore-Quarterback Joe Flacco leidvoll feststellen.

New Orleans ist im Super-Bowl-Rausch. Fan-Scharen der San Francisco 49ers und der Baltimore Ravens bevölkern die Stadt, so auch ein Hotel-Foyer in Downtown. Ein Mann sticht aus der Masse heraus: Michael Weird. Der Portier trägt stolz sein schwarzes Trikot des heimischen NFL-Clubs, der New Orleans Saints.

"Man, was hätte ich mich gefreut, wenn meine Saints im Super Bowl spielen würden", sagt Weird, doch er will nicht klagen. Es sei nicht wichtig, wer im Endspiel der Football-Liga am Montag (0.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) stehe. Es zähle nur, dass das Finale in New Orleans ausgetragen werde.

"Wir stehen endlich wieder im Rampenlicht und wir wollen der Welt zeigen, dass die Stadt zurückgekommen ist nach 'Katrina' - und zwar mit Freude und einem Glücksgefühl", so Weird. Er spricht bewusst im Plural. New Orleans ist seine Heimat, hier wurde er vor 55 Jahren geboren. Als Hurrikan "Katrina" im Spätsommer 2005 über die Stadt herzog und die anschließende Flut 80 Prozent der Stadt wochenlang unter Wasser setzte, arbeitete Weird in Atlanta. Seine Familie flüchtete zu ihm. Sie alle verfolgten im Fernseher wie jene Deiche brachen, die die Stadt schützen sollten. "Damals habe ich mein New Orleans nicht wiedererkannt", sagt Weird, "jetzt hingegen schon."

Als New Orleans vor fast vier Jahren von der NFL den Zuspruch für den Super Bowl 47 bekam, war der Jubel unermesslich. Bürgermeister Mitch Landrieu spricht noch heute von einem "Big Statement" der Liga. Für viele war dies sogar wichtiger als der erste Super-Bowl-Sieg der Saints neun Monate später. Denn Amerika würde erstmals seit "Katrina" wieder nach New Orleans schauen. Neunmal zuvor wurde das Endspiel bereits hier ausgetragen, aber nie ist es so wichtig gewesen wie jetzt. "Der Werbewert durch den Super Bowl ist nicht hoch genug einzuschätzen", sagt Jennifer Lotz vom Tourismusverband der Stadt.

New Orleans, "The Big Easy" wie die Stadt auch genannt wird, hat sich akribisch auf diesen 3. Februar 2013 vorbereitet. Mehr als 1,2 Milliarden Dollar wurden in den Wiederaufbau investiert. Heute gibt es beispielsweise in der Stadt 500 Restaurants und 4000 Hotelzimmer mehr als vor "Katrina".

Football-Fans geben 430 Millionen Dollar in New Orleans aus

Doch noch ist das Leben nicht überall wieder so, wie es einst war. Vor allem im 9th Ward, wo die Deiche brachen und das Wasser drei Wochen lang fünf Meter hoch stand, gleichen einige Ecken immer noch einer Geisterstadt. Dennoch sagt Michael Weird stolz: "Langsam aber stetig sind wir zurückgekommen." Die knapp 150.000 angereisten Football-Fans überzeugen sich seit Tagen davon. Sie lassen laut Tourismusverband mehr als 430 Millionen Dollar hier - vor allem in der historischen Altstadt French Quarter.

Hier ist es ohnehin immer laut, lebenslustig und lasziv. Egal ob rotes 49ers-Trikot oder lilafarbener Ravens-Hut - es wird viel gemeinsam gefeiert und wenig geschlafen. Die Stadt ist bekannt und beliebt für Jazz-Musik, doch derzeit ist sie vor allem eines: Amerikas größte Party. "Die Leute sind verrückt nach New Orleans", sagt Weird, "absolut crazy".

Selbst Joe Flacco konnte sich dem französisch-spanischen Charme nicht entziehen. Am Samstagnachmittag wollte Baltimores Quarterback die Beignets, das berühmte Fettgebäck, probieren, suchte sich - ob naiv oder nervenstark - dafür jedoch ausgerechnet ein Café zwischen der Fanmeile am Mississippi-Ufer und der Bourbon Street aus.

Kaum hatte Flacco Platz genommen, da war er auch schon von Hunderten Fans umringt. Knapp 24 Stunden vor dem wichtigsten Spiel seiner bisherigen NFL-Karriere nahm er es einigermaßen gelassen, stand ein paar Minuten für Schnappschüsse bereit, ehe er sich letztlich der immer größer werdenden Meute mit einem fluchtartigen "I'm out off here" entzog.

Ob Flacco mit seinen Ravens den Super Bowl gewinnt oder San Francisco auch im sechsten Finale der Vereinsgeschichte triumphiert, ist Michael Weird egal. Er würde am Montag am liebsten die Schlagzeile lesen: "New Orleans hat der Welt eine große Party gezeigt." Im nächsten Jahr kommt das "Big Game" erstmals nach "Big Apple". Doch New York, da sind sich viele bereits einig, braucht selbst nach Supersturm "Sandy" keinen Super Bowl - New Orleans hingegen schon.

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Superbowl
goodluck12 03.02.2013
Zitat von sysopNew Orleans putzt sich raus: Acht Jahre nach dem verheerenden Hurrikan "Katrina" richtet die Stadt den 47. Super Bowl aus. 150.000 Football-Fans verwandeln die historische Altstadt seit Tagen in eine Partymeile - das musste auch Baltimore-Quarterback Joe Flacco leidvoll feststellen. Super Bowl: New Orleans will Katrina vergessen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/super-bowl-new-orleans-will-katrina-vergessen-a-881181.html)
Wenn ich die Berichterstattung in Deutschland mit der in den USA vergleiche koennte ich fast zu dem Eindruck gelangen, dass der Superbowl in Deutschland ein groesseres Ereignis ist als in den USA.
2. Fehlender TV-Hinweis
elffreunde 03.02.2013
Warum enthält ihr Artikel nicht den simplen Hinweis, daß das diesjährige Superbowl Finale live bei Sat1 auch bei uns zu sehen ist. Es ist lediglich der Spiegel-Online Livetiicker erwähnt.
3.
noalk 03.02.2013
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Flacco das gesagt hat.
4.
kugelsicher99 03.02.2013
Das Einzige was mich am Super Bowl wirklich interessiert ist die Tatsache, dass an diesem Tag endlich der Jailbreak für IOS 6.1 raus kommt. Dann kann ich mein Iphone 4 nämlich endlich die Lautstärke Begrenzung abgewöhnen.
5.
kugelsicher99 03.02.2013
Zitat von goodluck12Wenn ich die Berichterstattung in Deutschland mit der in den USA vergleiche koennte ich fast zu dem Eindruck gelangen, dass der Superbowl in Deutschland ein groesseres Ereignis ist als in den USA.
Die wollen doch hoffentlich nicht behaupten, dass der SB in den US Medien gleiche oder weniger Beachtung findet als in D. Es dürfte in den USA ca. das 100 fache sein.
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Super-Bowl-Sieger seit 2000
Jahr Gewinner Verlierer MVP
2014 Seattle Seahawks Denver Broncos Malcolm Smith
2013 Baltimore Ravens San Francisco 49ers Joe Flacco
2012 New York Giants New England Patriots Eli Manning
2011 Green Bay Packers Pittsburgh Steelers Aaron Rodgers
2010 New Orleans Saints Indianapolis Colts Drew Brees
2009 Pittsburgh Steelers Arizona Cardinals Santonio Holmes
2008 New York Giants New England Patriots Eli Manning
2007 Indianapolis Colts Chicago Bears Peyton Manning
2006 Pittsburgh Steelers Seattle Seahawks Hines Ward
2005 New England Patriots Philadelphia Eagles Deion Branch
2004 New England Patriots Carolina Panthers Tom Brady
2003 Tampa Bay Buccaneers Oakland Raiders Dexter Jackson
2002 New England Patriots Saint Louis Rams Tom Brady
2001 Baltimore Ravens New York Giants Ray Lewis
2000 Saint Louis Rams Tennessee Titans Kurt Warner
National Football League
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Die 32 Teams in der National Football League (NFL) spielen in zwei Conferences: der American Football Conference (AFC) und der National Football Conference (NFC). AFC und NFC umfassen jeweils 16 Teams, die wiederum in vier Divisions unterteilt sind: East, North, South und West.

AFC East: Buffalo Bills, Miami Dolphins, New England Patriots, New York Jets
AFC North: Baltimore Ravens, Cincinnati Bengals, Cleveland Browns, Pittsburgh Steelers
AFC South: Houston Texans, Indianapolis Colts, Jacksonville Jaguars, Tennessee Titans
AFC West: Denver Broncos, Kansas City Chiefs, Oakland Raiders, San Diego Chargers

NFC East: Dallas Cowboys, New York Giants, Philadelphia Eagles, Washington Redskins
NFC North: Chicago Bears, Detroit Lions, Green Bay Packers, Minnesota Vikings
NFC South: Atlanta Falcons, Carolina Panthers, New Orleans Saints, Tampa Bay Buccaneers
NFC West: Arizona Cardinals, St. Louis Rams, San Francisco 49ers, Seattle Seahawks

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