Die NFL und der Super Bowl Die Patriots sind nicht die Bayern

Am Sonntag können die New England Patriots den Super Bowl gewinnen - mal wieder. Dabei ist die NFL viel abwechslungsreicher als zum Beispiel die Fußball-Bundesliga. Das hat gute Gründe.

Tom Brady
AP

Tom Brady


"Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende werden immer die Bayern Meister."
Frei nach dem ehemaligen englischen Nationalspieler Gary Lineker.

"American Football ist ein einfaches Spiel: 22 Männer tragen und werfen einen Ball über 120 Yards, und am Ende gewinnen immer die Patriots."
Frei nach der Empfindung vieler Football-Fans in Deutschland.

Hierzulande sind die New England Patriots in der amerikanischen Footballliga NFL für viele Zuschauer das, was der FC Bayern München für die Bundesliga ist. In der Nacht von Sonntag auf Montag (0.30 UHR MEZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) spielen die Patriots mal wieder im Super Bowl. Bereits jetzt gelten sie als die erfolgreichste Mannschaft der NFL-Geschichte.

Dabei ist der häufig bemühte Vergleich zu den Bayern schlicht falsch.

Der FC Bayern wird in diesem Jahr höchstwahrscheinlich zum sechsten Mal in Folge deutscher Fußballmeister. In der Bundesliga gingen seit 2008 acht Titel nach München, zwei nach Dortmund und einer nach Wolfsburg. Und in der NFL? Seit 2008 haben acht verschiedene Mannschaften den Super Bowl gewonnen. Der diesjährige Gegner der Patriots, die Philadelphia Eagles, könnten die neunte werden.

Die Patriots standen seit 2008 "nur" fünfmal im Finale und holten nur zweimal den Titel, zuletzt im Vorjahr. Am Sonntag könnte der dritte Erfolg im elften Jahr hinzukommen. Dann hätten die Patriots in ihrer Vereinsgeschichte seit 1959 sechsmal die Meisterschaft gewonnen - so oft, wie der FC Bayern praktisch nebenbei in den vergangenen sechs Jahren. Die Patriots sind bisher nicht einmal Rekordsieger im Super Bowl. Das sind die Pittsburgh Steelers, die schon jetzt bei sechs Siegen stehen.

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Super Bowl: Historischer Sieg der Patriots

Und auch ein genauerer Blick auf die zurückliegenden Finalspiele zeigt, wie abwechslungsreich die NFL noch heute ist: Seit 2008 standen insgesamt 14 verschiedene Teams im Super Bowl - mehr oder weniger also die halbe Liga (die NFL hat 32 Mannschaften). Nur vier NFL-Teams haben noch nie in einem Super Bowl gespielt, zehn weitere noch nie einen gewonnen. Mit einem Sieg am Sonntag (Ortszeit) könnten sich die Eagles von dieser Liste streichen.

Ein gut regulierter Markt

Doch wie hat die NFL das geschafft? Wie bringt es die Liga fertig, den Wettbewerb so viel ausgeglichener - und damit auch unterhaltsamer - zu halten, als es zum Beispiel der Fußball-Bundesliga gelingt? Zur Antwort gehören vier Maßnahmen, die für einen fairen und ausgeglichenen Wettbewerb sorgen:

  • "Salary Cap"
    Die Liga hat eine Gehaltsobergrenze, die die Summe der Spielergehälter insgesamt begrenzt. Die Grenze legt nicht direkt das individuelle Gehalt von Top-Stars fest, wohl aber die Gesamtsumme, die eine Mannschaft kosten darf. In der NFL liegt diese Summe 2018 bei 178 Millionen Dollar.
  • Die Liga zahlt das gleiche Geld für alle
    Die Einnahmen der Liga werden gleichermaßen an alle Teams ausgeschüttet. Dadurch verhindert die NFL, dass Klubs in großen Märkten wie New York City oder Los Angeles deutlich mehr Einnahmen erzielen als Mannschaften in der Provinz des mittleren Westens wie Green Bay. Die gleiche Verteilung der Gelder betrifft dabei sowohl TV- als auch Merchandise-Einnahmen.
  • Das Draft-System
    In jedem Frühjahr wählen die NFL-Teams die besten Nachwuchsspieler aus dem amerikanischen Hochschulsport ("College Football") in der sogenannten Draft (Rekrutierung) aus. Dabei kann jedes Team pro Runde einen Spieler auswählen ("Pick"), bis alle an der Reihe waren, und die nächste Runde beginnt. Die Reihenfolge innerhalb der insgesamt sieben Runden wird dabei danach festgelegt, wie die Mannschaften in der Vorsaison abgeschnitten haben: Der schlechteste Klub wählt als Erstes, der Super-Bowl-Gewinner als Letztes.
  • Regulierung von Spielertransfers
    Grob vereinfacht ist es so: Spieler können in der NFL nur dann den Verein wechseln, wenn sie ohne Vertrag sind, als sogenannter Free Agent. Kommt es dennoch zu Teamwechseln bei laufenden Verträgen (den sogenannten Trades), nimmt der Spieler seine bisherigen Vertragskonditionen in der Regel zu seinem neuen Team mit. Gleichzeitig muss der neue Klub das abgebende Team kompensieren- zumeist mit sogenannten Draft Picks.

Hohe Konstanz und anhaltende Spannung

Nun schaffen es die Patriots seit Jahren, dieses System gewissermaßen auszutricksen:

  • mit noch besserer Arbeit
  • mit noch besserem Scouting
  • mit einer wohl einmaligen Trainer-Spieler-Kombination auf den entscheidenden Positionen

Und deshalb schlagen ihnen Bewunderung, Neid und Hass gleichermaßen entgegen. Erst hier passt dann wohl der Vergleich zu den Bayern. Der Erfolg der Patriots kann für manche unterdessen nur mithilfe schmutziger Tricks möglich sein, sie nennen das Erfolgsteam aus Boston verächtlich "Cheatriots".

Der Vergleich der so unterschiedlichen Bilanzen aus der Fußball-Bundesliga und der NFL zeigt allerdings: Weitestgehend funktioniert das System. Dabei geht es den schwerreichen Eigentümern der NFL-Teams sicher nicht um sozialistisch inspirierte Verteilungsgerechtigkeit. Sie haben schlicht erkannt, dass das Gesamtprodukt NFL nur dann seine Attraktivität bewahren kann, wenn man die Marktmacht der einzelnen Teilnehmer begrenzt.



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
Lankoron 03.02.2018
1. Eins darf man
am Mannschaftsgefüge der Patriots auch nicht vergessen: das Verzichten der besten Spieler auf Gehalt, um weitere gute Spieler zu haben und das Salary-Cap einzuhalten. Brady, Gronkowksi, Amendola könnten woanders sicherlich viel mehr verdienen, aber sie haben auf Gehaltserhöhungen verzichtet oder sogar Kürzungen hingenommen, um Raum für andere Spieler zu schaffen. Dadurch haben die Patriots eben auch gute 3. und 4. Wechselspieler, die bei anderen Teams nicht da sind. Nicht nur auf den entscheidenden Positionen, auf den meisten sind sie damit gut besetzt. Dazu kommt ein Trainerstab, der herausragend analysiert, und die Taktik des Teams komplett wechseln kann. Und natürlich einen Tom Brady, der nie aufgibt, der vielleicht keine spektakulären 70yd-Pässe wirft oder toll rennt, aber den Gegner lesen kann und in Sekundenschnelle sein Team formiert. Man braucht doch nur zu sehen, wie das Team in wenigen Minuten trotz kurzer Pässe übers gesamte Feld marschiert....
spon-facebook-10000034826 03.02.2018
2. Bayern machen die Bundesliga kaputt.
Da Bayern das Produkt Bundesliga kaputt macht, wird auch hier wieder deutlich. Natürlich werden die Bayernfans wieder alles nur clever finden, langfristig wird es auch den Bayern schaden. Aber was soll's, gibt genau genommen noch viele andere Sachen, die spannend sind. Muss ja nicht die deutsche Liga oder Fussball sein...
Francois S. 03.02.2018
3. Vor allem der 'Salary cap' und das Draft-system sorgen
in der NFL für Chancengleichheit. Wäre aber im Fußball nicht umzusetzen solange nicht alle UEFA Länder mitmachen würden.
bigmitt 03.02.2018
4. Gerade in der so auf....
...."Parity" ausgelegten NFL ist es imo mehr als erstaunlich das eine Mannschaft derart erfolgreich ist, gerade da es ja 32 Teams mit gleichen "Rahmenbedingungen " gibt und nicht lediglich 18 wie in der Bundesliga.
laffleur 03.02.2018
5.
Man darf bei der ganzen Euphorie für das System nicht vergessen, dass die Spieler keine eigene Entscheidungen mehr treffen können (außer free agents). Spieler können gegen ihren Willen ans andere Ende des Landes getauscht werden, oder aber am nächsten Tag gefeuert werden. In Europa gibt es zudem mind 4, eher 5 große Ligen, das sind fast 3 mal so viele Teams wie in der NFL. So viele Investoren wird man niemals finden.
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