Sportstadt Philadelphia Endlich wieder richtige Sieger

Die Philadelphia Eagles gingen als klare Außenseiter in das Endspiel um den Super Bowl. Dank des großen Auftritts ihres Ersatz-Quarterbacks gewannen sie. Ein Erfolg, auf den die Stadt lange warten musste.


Die Underdogs haben zugebissen. Auch im wichtigsten Spiel des Jahres. Die Philadelphia Eagles haben den Favoriten, New England Patriots, im Super Bowl von Minneapolis 41:33 besiegt, sind erstmals Meister der National Football League, NFL. Und das, obwohl ihr bester Akteur seit Anfang Dezember mit einem Kreuzbandriss ausfällt. Was für eine Geschichte.

"Wir spielen diesen Sport, seitdem wir Kinder sind. Und wir haben von diesem Moment geträumt", sagt Quarterback Nick Foles. Er ist der größte Gewinner bei den siegreichen Eagles. Wer hätte schon zu Saisonbeginn gedacht, dass dieser Nicholas Edward Foles die lange Titel-Tristesse der Eagles beenden würde? Ausgerechnet er, der bereits an sein Karriereende gedacht hatte, als ihn die Los Angeles Rams 2016 nicht mehr brauchten.

In Philadelphia war Foles die klare Nummer zwei auf der Playmaker-Position hinter dem überragend spielenden Carson Wentz. Als der sich Anfang Dezember das Kreuzband riss, übernahm Foles. Nun ist er Super-Bowl-Sieger und wertvollster Spieler des Finals (MVP). Stories wie diese lieben sie in den USA. Er sei "gesegnet", diesen Augenblick mit "Tochter, Frau, Familie, Teamkollegen und der Stadt" erleben zu dürfen, so Foles.

Seinetwegen hatten viele diesen bis zur Wentz-Verletzung so starken Eagles in den Playoffs trotz einer Vorrundenbilanz von 13:3 kaum etwas zugetraut. Seinetwegen galten sie in den drei K.o.-Runden-Partien gegen Atlanta, Minnesota und New England als Außenseiter. Spieler und Fans traten während der Playoffs mit Hundemasken aus Gummi auf - sie waren ja schließlich der Underdog.

Doch selbst im wichtigsten Spiel der Saison ärgerten die vermeintlich Kleinen die Großen. Angeführt von Foles lieferten sie sich mit Titelverteidiger New England ein Offensiv-Spektakel, das in die Super-Bowl-Geschichte einging. In seinem ersten Finale spielte Foles nicht wie ein Super-Bowl-Neuling, sondern wirkte souverän, behielt immer die Übersicht, warf drei Touchdown-Pässe und trug sogar einmal selbst den Football in die Endzone. Man hätte ihn auch ins Patriots-Trikot stecken und New England-Quarterback Tom Brady das Eagles-Jersey überstreifen können - ein Unterschied wäre nicht sichtbar geworden.

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Super Bowl: Vom Underdog zum Champion

Sein Meisterstück lieferte Foles im Schlussviertel. New England war 9:22 Minuten vor Spielende zum ersten Mal in Führung gegangen (33:32). Jetzt war Foles gefordert. Er musste seine Offensive erstmals mit einem Rückstand über das Feld führen - und das machte der 29-Jährige grandios. Die 75 Yards überbrückte er in 14 Spielzügen - darunter ein ganz wichtiger Pass auf Zach Ertz beim vierten und letzten Versuch für ein neues First Down. Und dann schloss er den Angriff mit einem weiteren Anspiel auf Ertz zum Touchdown ab - Philadelphia lag in der drittletzten Minute 38:33 vorn.

Doch dann war Brady dran. Es war - mal wieder - ein Szenario wie für ihn geschaffen. Der Quarterback-König der Patriots hatte die Chance zum siegbringenden Spielzug. Aber zunächst schlug ihm Eagles' Defensive End Brandon Graham das Ei aus der Hand, dann sicherte Derek Barnett den Eagles den Fumble und Kicker Jake Elliott erhöhte mit einem Field Goal auf 41:33. Trainer Doug Pedersen jubelte bereits an der Seitenlinie, Philadelphia war ganz dicht dran am größten Erfolg der Vereinsgeschichte.

Ungläubige Blicke auf Seiten der Sieger

Doch Brady bekam ein letztes Mal das Ei. Neun Sekunden vor Spielschluss hatte er den Football an der Mittellinie, schaute Richtung Eagles-Endzone, holte mit seinem rechten Arm aus, warf hoch und weit, in der Hoffnung, dass irgendeiner seiner Mitspieler ihn irgendwie zum Touchdown fangen würde. Rob Gronkowski, der 1,98 Meter-Hüne, hatte sich in Position gebracht, doch etliche Eagles-Verteidiger um ihn herum machten es dem Tight End unmöglich, an den Football zu kommen.

Was folgte, waren kiloweise Konfetti in den Eagles-Vereinsfarben grün, silber, schwarz und weiß, riesiger Jubel und sogar einige ungläubige Blicke auf Seiten der Sieger. "Wir sind World Champions. Ich kann es gar nicht fassen", sagte Runningback Jay Ajayi. "Fly Eagles Fly" lautet Philadelphias Vereinslied. Und die Adler sind geflogen. Von Playoff-Runde zu Playoff-Runde. Von Sieg zu Sieg. Und sie sind nun erstmals auf dem Football-Thron gelandet. Philadelphia, diese begeisterte Sportstadt, musste nach dem Titelgewinn der 76ers in der Basketball-Liga NBA 1983 ein Vierteljahrhundert warten, ehe es mit dem World Series-Triumph der Phillies 2008 (Baseball) wieder etwas zu feiern gab.

In den Jahren dazwischen hatte Philly zwar einen international bekannten Boxweltmeister - aber der von Sylvester Stallone gespielte Rocky Balboa war eben nur ein Leinwandchampion. Nun haben sie in der "City of brotherly love" (Stadt der brüderlichen Liebe) richtige Sieger.



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
sozialminister 05.02.2018
1. Großer Erfolg?
Dafür das dies so ein toller Erfolg gewesen sein soll war der Jubel nach dem Spiel aber sehr verhalten bis garnicht vorhanden. Weder Spieler noch Fans schienen sich sonderlich zu freuen.
hnoi 05.02.2018
2. Jubel
@1: Dann hätten Sie mal die Livebilder aus Philadelphia sehen sollen ... verhaltener Jubel sieht anders aus ;)
tschischdig 05.02.2018
3. Kleine Korrektur
Bei der Zeitspanne 1983 bis 2018 von einem Vierteljahrhundert zu sprechen ist es jetzt nicht ganz so passend.
chense90 05.02.2018
4. What a match ...
Ein geniales Offensivspektakel in dem mir sogar Tom Brady erstmals menschlich und sympathisch erschien wurde am Ende vom klaren Underdog gewonnen, der ein Quäntchen besser war, gerade weil Nick Foles den wohl besten Tag seiner Karriere hatte. FLY EAGLES FLY
DracheNimmersatt 05.02.2018
5.
Zitat von sozialministerDafür das dies so ein toller Erfolg gewesen sein soll war der Jubel nach dem Spiel aber sehr verhalten bis garnicht vorhanden. Weder Spieler noch Fans schienen sich sonderlich zu freuen.
Ich hatte diverse traurige Mienen auf den tödlichen Autounfall des Linebackers der Indianapolis Colts geschoben.
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