Tom Bradys Niederlage im Super Bowl Der Sturz des Unersättlichen

Tom Brady sollte die New England Patriots zur Titelverteidigung führen. Er stellte neue Rekorde auf - und scheiterte trotzdem. Ist der Star-Quarterback hungrig genug, um nach der Schlappe weiterzumachen?

Aus Minneapolis vom Super Bowl berichtet Janne Kubik


Es war der Sturz der Giganten, ein Paradigmenwechsel im modernen Football. Aber dennoch verblasst der Sensationssieg der Philadelphia Eagles beinahe hinter der Frage, ob das 41:33 im US Bank Stadion auch den Abschied des lange erfolgreichen Trainer-Spielmacherduos bedeuten könnte: Wohin führt der Weg von Star-Quarterback Tom Brady und seinem Erfolgscoach Bill Belichick?

Brady stellte einen Rekord auf, der lange Bestand haben dürfte - 505 Yards (462 Meter) an Pässen warf der 40-Jährige an diesem denkwürdigen Abend in Minneapolis. Aber er schoss sich eben auch mit einem Fehler gut zwei Minuten vor Schluss praktisch selbst aus den Spiel.

Nachdem er mit einem Pass so lange gezögert hatte, dass ihm die Defense der Eagles auf den Leib rückte, wurde ihm der Ball aus der Hand geschlagen. Rookie Derek Barnett schnappte sich das freie Ei - und ein weiteres Fieldgoal sorgte 1:05 Minuten vor dem Ende für das Endergebnis. Auch ein letzter Versuch Bradys, mittels "Hail Mary" - einem Verzweiflungswurf in die Endzone - einen Touchdown zu erzielen, scheiterte. Aus und vorbei, der Traum vom sechsten Titel - fragt sich nur, ob endgültig.

Rekorde für die Patriots, Titel für die Eagles

Es waren nicht die einzigen Rekorde, die die Patriots an diesem Abend aufstellten. 67.612 Zuschauer verfolgten ein einmaliges Offensiv-Spektakel, bei Rekord-Temperaturunterschieden - minus 19 Grad draußen, 20 Grad drinnen:

  • Noch nie hat ein Team mit 33 Punkten den Super Bowl verloren.
  • Der größte Raumgewinn (geworfen und erlaufen), den je ein Team in einem Super Bowl erzielte: 613 Yards, New England.
  • Die meisten Yards von beiden Teams zusammen (erlaufen und gepasst) in einem Spiel: 1151.
  • Die meisten Pass-Yards in einem Spiel: New England, 500.
  • Die größte Distanz geworfener Pässe in einem Spiel (beide Teams): 874 Yards

Aber all das half bekanntlich nichts.

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Super Bowl: Vom Underdog zum Champion

Denn jetzt hat der Football eine neue Legende hervorgebracht: Vor zwei Jahren überlegte Nick Foles, seine Karriere zu beenden, nachdem er Schwierigkeiten bei den St. Louis Rams hatte und sich ungerecht behandelt fühlte. Durch die Verletzung von Carson Wentz bei den Eagles im Dezember 2017 rückte Foles wieder ins Rampenlicht. Im Super Bowl gegen New England, dem zweiten für die Eagles nach 2005 in Jacksonville, gelang ihm nicht nur der Sensationssieg, sondern zudem noch das Kunststück, als erster Quarterback in einem Super Bowl sowohl einen Touchdown zu werfen als auch zu fangen. Lohn der Anstrengung: Er wurde nach dem Spiel als "MVP" ausgezeichnet - als "most valuable Player", wertvollster Spieler des Finals.

Doch trotz dieses für Foles unerwarteten Erfolgs, wird es wohl eher die Niederlage von Brady und Belichick sein, die die Football-Fans beschäftigt. "Ich nehme an, dass ich wiederkommen werde. Es ist jetzt 15 Minuten nach Spielende, also muss ich das alles erst mal verarbeiten. Aber ich sehe keinen Grund, warum ich nicht weitermachen sollte", sagte Tom Brady.

Das klingt zunächst deutlich, lässt aber dennoch Spielraum. Die Relativierung, er müsse jetzt alles erstmal verarbeiten, zeigt, dass Brady offenbar fest mit einem Sieg gerechnet hatte. Doch sollte Brady wirklich zurücktreten, was bei seinem Ehrgeiz eher spekulativ scheint, dann würde wohl auch der geniale Grantler Bill Belichick darüber nachdenken, ob er ohne seinen sportlichen Ziehsohn Brady wirklich noch Lust hätte auf die Mühen der Ebene, die da NFL heißen.

Patriots-Coach Bill Belichick
AP

Patriots-Coach Bill Belichick

Denn Belichick hat zwar mehrfach durchblicken lassen, er wolle weitermachen. Sollte sich Brady allerdings doch noch ins Privatleben zurückziehen, dann könnte Belichik ihm folgen. Andererseits ist da aber jene Unersättlichkeit, die Erfolgsdynastie Brady-Belichik durch immer weitere Rekorde zu erweitern.

Aber dass Rekorde im Football nicht alles sind, das haben die beiden heute so schmerzhaft wie wohl selten in ihrer Karriere erfahren.



insgesamt 42 Beiträge
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Neandiausdemtal 05.02.2018
1. Kein Spielfluss
Dieses Spiel besteht immer nur aus sekundenkurzen Sequenzen mit öden Pausen und Gelaber! Ist das der maximal möglichen Aufmerksamkeitsspanne des durchschnittlichen us-amerikanischen Zuschauers geschuldet?
Bronko 05.02.2018
2. Naja
Vorweg: ich freue mich, dass die Eagels gewonnen haben. Der Super Bowl war ein super Spiel. Aber Brady hat doch nun wirklich gebetsmühlenartig wiederholt, dass er weitermachen will. Dass er das kurz nach einer harten Niederlage mit einer Mini Einschränkung versieht, ist doch verständlich. Und ihm den entscheidenden Fumble allein anzulasten, ist doch auch nicht besonders tiefsinnig.
spon_maikel 05.02.2018
3.
" ein Paradigmenwechsel im modernen Football". Bevor man so etwas schreibt sollte man den Ball etwas tiefer halten sonst hoert sich das doch arg laecherlich an
imthegratest 05.02.2018
4. Rein physisch
Spricht nichts dagegen, noch ein Jahr zu spielen. Brady ist fit genug. Aber mit der derzeitigen offensive Line täte es auch ein anderer QB bei den Pats. Zu Neandieausdemtal: Es sit ein toller Sport. Sie sollten ein ganzes Spiel schauen. Hilft auch gegen schlechte Laune.
shoper34 05.02.2018
5. Was auch noch ?
Wieder versuchen es die Eagles beim dritten Versuch mit Play Action - und schaffen es nicht zum neuen First Down! Jetzt wird es spannend: Obwohl die Eagles noch in der eigenen Hälfte sind, spielen sie den vierten Versuch aus. Foles wirft auf Zach Ertz - und der Ball kommt an. Sehr mutige Entscheidung von Philadelphia, die belohnt wird. Die Underdogs bleiben am Ball. Malte Müller-Michaelis Die Auswahl der Spielzüge bei den Eagles ist nach wie vor sehr gut, die Verteidigung des Patriots nicht. Play Action, Foles deutet ein Laufspiel an, passt dann aber doch. Trotzdem fehlt ein Yard zum neuen First Down.
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