Super Bowl Warum die Patriots das meistgehasste Team der NFL sind

Die New England Patriots und ihr Star-Quarterback Tom Brady stehen erneut im Super Bowl. Kaum ein US-Footballteam ist so erfolgreich - und so unbeliebt. Das hat seine Gründe.

Patriots-Star Tom Brady
AFP

Patriots-Star Tom Brady

Von , New York


Kurz vor dem Kickoff blüht das Geschäft mit dem Hass. "I hate New England & Tom Brady" prangt auf T-Shirts, in allen Größen und Farben. Den Spruch gibt es auch als Handyhülle ("extraschlank"), Kissen ("supersanft") und Gobelin ("nicht bleichen") - oder abgewandelt als Tasse (für "New Englands Tränen") und Dessous ("Brady sucks").

Kein Footballteam inspiriert tiefere Abneigung als die New England Patriots mit ihrem Quarterback Tom Brady. Sie sind so erfolgreich wie verachtet. "Wir streiten über alles", schreibt Sportkolumnist Justin Conn. "Nur eins vereint unsere gespaltene Nation - Hass auf die Patriots."

Was als Jux begann, ist längst zur Religion geworden - und zum Big Business vor dem Super Bowl, bei dem die Patriots am Sonntag auf die Los Angeles Rams treffen. "Vorübergehender Rams-Fan…", verkündet ein spezielles Nylonhemd. Gefolgt von: "…weil ich Tom Brady hasse."

Die Medien machen das Spiel zum "Kampf der Generationen". Babyboomer Brady, 41 Jahre alt, gegen Millennial Jared Goff, 24, den Rams-Quarterback. Der war sieben, als Brady den ersten seiner fünf Super-Bowl-Ringe bekam. Opa-Trainer Bill Belichick, 66, gegen "Boy-Genie" Sean McVay, 33, den jüngsten NFL-Trainer seit 1938.

Patriots-Coach Bill Belichick
TYLER SMITH/EPA-EFE/REX

Patriots-Coach Bill Belichick

Allein das ist Anlass genug, Bradys Patriots nicht zu mögen: Sie siegen immer.

Na gut, nicht immer. Die Pittsburgh Steelers haben mehr Super Bowls gewonnen, die Patriots ebenso viele gewonnen wie verloren.

Doch hassen? Was verursacht dieses bitterste aller Gefühle bei den sonst so umgänglichen US-Footballfans?

Da wäre die "Deflategate"-Kontroverse aus der Playoff-Begegnung mit den Indianapolis Colts in der Saison 2014/2015. Bei ihrem 45:7-Sieg hatten die Patriots mit manipulierten Bällen gespielt. Zwei Mitarbeiter hatten Luft aus den Spielbällen gelassen, elf der zwölf Bälle, mit denen die Patriots gespielt hatten, waren nicht den Regeln entsprechend hart. Weiche Bälle sind besser zu fangen. Jedes Team spielt mit einem eigenen Ballsatz. Die Patriots mussten eine Million Dollar Bußgeld zahlen, Brady wurde für vier Partien gesperrt - er habe laut NFL von der Manipulation gewusst.

Der Skandal hallt bis heute nach: "Ich hasse Brady", sagte ein Zehnjähriger, der jetzt einen Wettbewerb mit dem Schulprojekt "Ist Tom Brady ein Betrüger?" gewann. Und der TV-Sender KDKA in Pittsburgh - Heimat der rivalisierenden Steelers - gab einem Foto Bradys diese Woche den Titel: "Aktenkundiger Schwindler."

Der Super Bowl 2017 war außerdem der erste unter US-Präsident Donald Trump, 16 Tage nach seiner Vereidigung. Brady und Patriots-Coach Belichick sind bekennende Trump-Freunde, womit sie sich einem Großteil der Amerikaner automatisch zu bekennenden Feinden machen.

Brady hatte sogar mal eine Mütze mit dem Trump-Slogan im Spind: "Make America Great Again" ("MAGA" im Trumpsprech). "Nimm den 'MAGA'-Hut aus deinem Schrank", schimpfte " Harry Potter"-Schauspieler Daniel Radcliffe kürzlich. "Die ganze Welt ist gegen die Patriots, sorry!"

Alle mögen Underdogs

Belichick schrieb seinem Buddy Trump 2016 einen Liebesbrief, den der vor seinen Anhängern verlas: "Deine Menschenführung ist sagenhaft." Alles nur Spaß, beteuerte der Trainer später, er habe nie an einen Sieg Trumps geglaubt.

Doch wenn die Patriots und ihr Trainer Belichick für das Trump-Amerika stehen - warum steht dann nicht zumindest die Hälfte des in dieser Frage gespaltenen Landes hinter der Football-Mannschaft? Weil da noch etwas anderes ist: Die fast unbezwingbare Dominanz der Patriots nervt, verstört und ärgert viele Amerikaner. Keiner mag Streber, alle mögen Underdogs.

Auch in diesem Kontext zieht Brady Abscheu auf sich. Für die einen ist er das Sinnbild des "White Privilege". Es ist ein Reizwort der Rassismusdebatte in den USA und komprimiert die soziale Ungleichheit, die vielen Privilegien und besseren Startbedingungen vieler weißer US-Bürger in zwei Worten. Brady verkörpert das wohl eher unfreiwillig - zumindest stellte er sich in der Kontroverse um Football-Star Colin Kaepernick und dessen Protest gegen Rassismus hinter seinen umstrittenen Kollegen.

Brady jettete aber auch schon am selben Tag vom Kentucky Derby zum Boxkampf nach Las Vegas; er schrieb ein blasiges Buch über den "Schlüssel zu lebenslanger Fitness und Leistungsfähigkeit", in dem er zu "viel Milch, Saft und Limonade" riet, der Rest gelinge von selbst.

Doch auch Brady wird nicht ewig perfekt bleiben. "Du bist verdammt zu alt!", rief Teamkamerad Julian Edelman, ein Scherz, doch die Frage stellt sich langsam. Selbst seine Gattin, das brasilianische Supermodel Gisele Bündchen - auch sie natürlich ein Neidreiz - drängt ihn zum Ruhestand.

"Null" Chance, sagt Brady. Noch hat er zu viel Spaß daran, gehasst zu werden.



insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
mallekalle 02.02.2019
1. Etwas Respekt bitte!
Er ist der erfolgreichste Quarterback und ein vorbildlicher Sportler. Aber das reicht Herrn Pitzke wieder nicht. Warum müssen Sie ein Politikum daraus machen? Nur weil ein paar Leute Hassbotschaften sich auf T-Shirts drucken? Der größte Anteil der amerikanischen Sportfans hat Respekt vor Herrn Brady und seiner Leistung.
steaksandwich 02.02.2019
2. wow
Brady ist 'das Sinnbild des "White Privilige'"? Etwas abstruseres hätte sich selbst der einfältigste Jets Fan nicht einfallen lassen können. Deflategate hat den Patriots wohl mehr Sympathien eingebracht und wohl eher Goodell geschadet. Wie informiert muss man denn sein, diesen Artikel zu schreiben, um Spygate nicht zu erwähnen?! (egal wie lange das her war und wie unsubstantiell es eigentlich war) Ausser der Tatsache, dass die Patriots eine Dynasty sind, bleibt halt nichts übrig. "I'm too old, you're too slow, we've got no skill player, we've got no defense, we've got nothing" macht sich halt nur über Schreiberlinge wie Sie lustig und Sie können immer noch nicht damit aufhören...
briancornway 02.02.2019
3. Schwer
Diesmal ist es wirklich schwer, zwischen Trump-affinen Dauer-Gewinnern und fragwürdig in's Finale gepurzelten Rams ein Team zu finden, dem man die Daumen drücken möchte. Sehr schön fände ich, wenn in der Halbzeitshow im Rahmen der Choreografie ein kollektiver Kniefall eingebaut würde. Im Grunde harmlos, aber aus blöden Gründen kritisch gesehen. Vielleicht wird es aber auch ein Event, das sportlich begeistern kann. Mal sehen.
pirx64 02.02.2019
4.
Wer die Patriots mag, betet aucg den FC Bayern, ManCity, PSG und gleichgeartete an. Ein Sportsmann? Der??? Was muss man da geraucht haben um das zu behaupten
spon_7812273 02.02.2019
5. Schlampig recherchiert
Mal so schnell dahingetippt diesen Verriß, Herr Pitzke? So zwichen Aufstehen und Frühstück? Brady rät in seinem Buch mitnichten "zu "viel Milch, Saft und Limonade" " ... das Gegenteil ist der Fall. In Brady's Ernährungsplan kommen Milchprodukte (dairy), Säfte (juices) und LImonade (sodas) überhaupt nicht vor. Desweiteren ißt er keine glutenhaltigen Produkte, keine Cerealien, keine "nightshade vegetables" (Nachtschattengewächse). Kann man in zwei Sekunden mal schnell googeln. Darüberhinaus ist das ein totaler Schmarrn, daß die Patriots das meistgehaßte Team sind. Ich lebe seit 16 Jahren in den USA, und was Herr Pitzke hier zusammenreimt resultiert aus seinem tiefen Trump-Haß. Herr Pitzke findet die Patriots einfach doof, weil Herr Belichick und Trump befreundet sind. So einfach ist das. Den Patriots gebührt enormer Respekt und Hochachtung für das, was sie geleistet haben in den vergangenen 15 Jahren. In einer so ausgeglichenen Liga wie der NFL, wo sich das Leistungsniveau permanent durch das Draft System und die Gehälterbegrenzungsrichtlinien ausgleicht über Jahre hinweg dermaßen erfolgreich zu sein, das erfordert Intelligenz, strategische Kompetenz, erstklassige Managementkompetenz und einen Football-IQ, der seinesgleichen hat. Der Erfolg spricht für sich. Dieser schlampige Verriß für das sinkende Niveau des Spiegels.
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