New England Patriots im Super Bowl Mach's noch einmal, Tom

Die Patriots sind Dauergast im Super Bowl, Erfolgsgaranten sind Quarterback Brady und der detailbesessene Trainer Belichick. Vieles spricht für einen Sieg. Und noch mehr für einen Umbruch nach dem Finale.

Tom Brady
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Tom Brady


2012. 2015. 2017. Und nun schon wieder: In der Nacht zum Montag (0.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ProSieben und DAZN) stehen die New England Patriots wieder einmal im Super Bowl. Im NFL-Finale trifft das Team um Quarterback Tom Brady auf die Philadelphia Eagles und könnte den sechsten Titel der Vereinsgeschichte gewinnen - das schafften bislang nur die Pittsburgh Steelers.

Viele Football-Fans finden die Dominanz der Patriots langweilig, in Deutschland zählt das Team bereits als der FC Bayern der NFL. Der Vergleich ist zwar unpassend, aber dennoch ist die Konstanz des Teams beeindruckend. Und das hat vor allem mit den drei Hauptsäulen zu tun, die bereits seit vielen Jahren zusammenarbeiten: Besitzer Robert Kraft, Trainer Bill Belichick und natürlich Quarterback Brady.

Kraft übernahm das Team 1994, verpflichtete im Januar 2000 Belichick, der wiederum drei Monate später Brady draftete. Und der Quarterback wurde gerade erst zum dritten Mal zum MVP der Regular Season gewählt.

Tom Brady (l.) und Bill Belichick
AFP

Tom Brady (l.) und Bill Belichick

"Wenn es passiert, sind wir bereit"

Um den hohen Einfluss des Trainers wissen auch die Spieler: "Coach Belichick verlangt jede Menge von uns und holt jeden Tag das Beste aus uns raus", sagt Brady. Matthew Slater betont gerne, wie detailliert Belichick das Team vorbereitet, Dinge "einhundert Mal" wiederhole. "Du denkst, 'Mensch, das passiert doch sowieso nicht oder wird keinen großen Unterschied machen.' Aber wenn es dann soweit ist, dann sind wir bereit."

Belichick versteht solche Worte nicht als Lob. Er sieht es schlichtweg als seinen Job an, "das Team auf sämtliche möglichen Situationen vorzubereiten - und zwar das ganze Team, nicht nur den Quarterback". Was nütze es, so Belichick, wenn lediglich Brady wisse, was zu tun sei, aber der Rest der Mannschaft nicht?

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Fokus auf das vierte Viertel

Zu der hervorragenden personellen Aufstellung des Teams kommen Einstellung und der feste Glaube an den Sieg - selbst bei deutlichen Rückständen im Schlussviertel. Im Finale 2015 lagen die Patriots im vierten Abschnitt gegen Titelverteidiger Seattle 14:24 hinten und gewannen noch 28:24. Im Vorjahr gelang es ihnen gegen Atlanta gar, einen 19-Punkte-Rückstand (9:28) wettzumachen. "Wir sind mental und physisch stark und versuchen, alles zu machen, um für das vierte Viertel bereit zu sein", sagt Center David Andrews.

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Super Bowl: Historischer Sieg der Patriots

Man gehe, ergänzt Safety Devin McCourty, in jedes Spiel mit der Einstellung, bis zur Schlusssekunde alles zu geben. Vor allem in den Playoff-Partien - und erst recht im Super Bowl. Denn diese Spiele würden oft in den letzten zwei Minuten entschieden. "Dafür sind wir bereit. Das macht den Unterschied", sagt McCourty.

Brady spricht bereits jetzt von "einer unglaublichen Saison". Aber die Patriots sind natürlich nicht zum Super Bowl geflogen, um nur mitzuspielen. #NotDone heißt ihr Playoff-Hashtag. Sie sind noch nicht fertig. Sie können erneut drei Titel innerhalb von vier Jahren gewinnen. Außerdem könnten sie das erste Team seit den Jahren 2004 und 2005 werden, das zweimal in Folge den Super Bowl gewinnt. Schon damals hieß der Titelverteidiger: New England Patriots.

Defensive und Offensive Coordinator vor dem Absprung

Nun könnten die Patriots ihre erfolgreichste Phase also mit gleichem Personal wiederholen. Und doch ist diesmal etwas anders als zwischen 2002 und 2005, als sie zum ersten Mal drei Meisterschaften in vier Jahren gewonnen hatten: Die langfristige Perspektive fehlt.

Belichick wird im April 66, Brady im August 41. Mit Defensive Coordinator Matt Patricia und Offensive Coordinator Josh McDaniels werden zwei essentielle Bausteine den Verein verlassen und Cheftrainerposten in Indianapolis und Detroit übernehmen. Beide waren seit vielen Jahren ebenfalls wichtige Faktoren beim Erfolg der Patriots. "Es ist gut, in diesen Bereichen Kontinuität und Konstanz zu haben", sagte auch Belichick.

Matt Patricia
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Matt Patricia

Für den Trainer ist die Situation aber nicht neu. Vor 13 Jahren hat er sie schon einmal erlebt. Damals verließen Charlie Weis (Offensive) und Romeo Crennel (Defensive) nach drei Titeln den Verein. Allerdings: Brady war damals 27, Belichick 52 Jahre alt.

Nun hat Brady zwar angekündigt, noch "bis Mitte 40" spielen zu wollen. Aber wird er das wirklich tun? Und wie lange wird es dauern, bis die Patriots auf den beiden Coordinator-Posten wieder Top-Leute haben? Nicht nur die Patriots-Fans werden diese Personalentscheidungen mit Spannung verfolgen - sondern auch der Rest der Liga.



insgesamt 4 Beiträge
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Lankoron 04.02.2018
1. Die Coachwechsel
sind bislang ausschließlich von den genannten Team gewünscht, ob die beiden tatsächlich wechseln, steht völlig in den Sternen. Und welche "langfristige" Perspektive wollen sie denn bei NFL-Teams sehen? Von heute auf morgen erzwingen Verletzungen eine Änderung jeglicher Perspektiven, was an beiden QB dieses Spiels deutlich wird. Was sind denn "langfristige" Perspektiven im Fussball, wo selbst bei den Bayern Spieler und Trainer schnell gefeuert werden, wenn es mal nicht läuft.
nach-mir-die-springflut 04.02.2018
2. Verwirrende Prioritäten
Der Internationale Sportgerichtshof, englisch Court of Arbitration for Sport, CAS, "hat alle Doping-Sanktionen gegen 28 russische Wintersportler aufgehoben", wie das Handelsblatt berichtet. Ferner heißt es, "elf weitere Sportler bleiben von den Spielen in Pyeongchang ausgeschlossen, ihre lebenslangen Sperren für Olympia sind aber ebenfalls ungültig. Was für eine Niederlage für das Internationale Olympische Komitee mit Präsident Thomas Bach an der Spitze. Vor allem die Begründung war für das IOC, das die Urteile gefällt hatte, eine schwere Niederlage. Denn der CAS kippte die Sperren aus Mangel an Beweisen." https://www.handelsblatt.com/olympia-cas-hebt-dopingsperren-fuer-russische-athleten-auf/20915078.html Europa reicht bis zum Ural, wäre die Nachricht nicht erwähnenswert, statt über American Football informiert zu werden?
gandhiforever 04.02.2018
3. Malte
Und nun schreibt Malte, dass die Statistik fuer die Eagles spreche. Vor zwei Woche hatte Malte aber prognostiziert, dass die Vikings gegen die Eagles siegen wuerden. Ich hoffe, dass Malte dieses Mal richtig liegt. E-A-G-L-E-S, EAGLES
gammoncrack 05.02.2018
4. Das schlechteste Finale, dass ich bisher im TV gesehen habe.
Nicht wegen des Spiels, sondern wegen der hypernervigen Parship-Werbung.
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