Monsterwellen-Surfer McNamara: "Es hat sich wahnsinnig gut angefühlt"

Neuer Weltrekord oder nicht? Die Surfszene diskutiert heftig über Garrett McNamaras Ritt auf der Riesenwelle vor Portugal. Im Interview sagt der US-Amerikaner, warum ihm der Weltrekord angeblich egal ist, und verrät, was Wellen und Frauen gemeinsam haben.

SPIEGEL ONLINE: Herr McNamara, einige Ihrer Surfkollegen bezweifeln, dass die Welle, die Sie geritten sind, 30 Meter hoch war. Purer Neid oder berechtigte Vermutung, dass Sie Ihren eigenen Weltrekord gar nicht gebrochen haben?

McNamara: Ehrlich gesagt, weiß ich selbst nicht, wie hoch die Welle gewesen ist. Aber das ist mir auch egal. Ich surfe nicht, um Weltrekorde aufzustellen. Ich surfe für das Kribbeln im Bauch, für den Adrenalinkick. Was andere daraus machen, ist deren Sache.

SPIEGEL ONLINE: Eine offizielle Bestätigung durch Experten steht noch aus. Wann können Sie mit einem Ergebnis rechnen?

McNamara: Ich schätze, im April oder Mai. Aber wie gesagt: Die Größe der Welle spielt für mich keine Rolle.

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Fotostrecke: McNamaras Jagd nach der Rekordwelle
SPIEGEL ONLINE: Wenn Ihnen die Größe so unwichtig ist, hatten Sie dann zumindest einen Adrenalinkick?

McNamara: (lacht) Nein, komischerweise nicht. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass das Ding wirklich keine 30 Meter hoch war. Aber es hat sich trotzdem wahnsinnig gut angefühlt.

SPIEGEL ONLINE: Wie denn?

McNamara: Als würde man einen riesengroßen Eisberg herunterfahren. Ein graues, schneebedecktes Ungetüm, das unter den Füßen tobt.

SPIEGEL ONLINE: Auch wenn Sie schon seit 34 Jahren surfen: Ist Ihnen da nicht mulmig geworden?

McNamara: Nein, ich war mir sicher, dass alles gut geht. Mein Team war ja in der Nähe, um im Notfall helfen zu können. Das war wichtig, weil es am Ende tatsächlich kurz brenzlig wurde.

SPIEGEL ONLINE: Als Sie ins Wasser springen mussten?

McNamara: Ja, da hätte mich der Strom fast in die Tiefe gezogen. Zum Glück waren meine Leute mit dem Jetski rechtzeitig zur Stelle und haben mich eingesammelt.

SPIEGEL ONLINE: Nazaré ist bekannt für seinen 300 Meter tiefen Unterwasser-Canyon kurz vor der Küste, die starken Winde und die Riesenwellen. Woher haben Sie gewusst, dass Sie genau diese eine nehmen müssen?

McNamara: Meine Frau Nicole hatte sich auf einem Kliff nahe des Strandes postiert. Als sie sah, was da auf uns zurollt, hat sie mir per Walkie-Talkie Bescheid gegeben. Dann hat mich der Jetski rausgezogen und ab ging's.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Frau hat nicht versucht, Sie von diesem waghalsigen Unternehmen abzubringen?

McNamara: Nein, aber hinterher hat sie mit mir geschimpft: "So etwas machst du nie wieder!"

SPIEGEL ONLINE: Was hätte Ihnen im schlimmsten Fall passieren können?

McNamara: Dass mich die Welle unter Wasser zieht, so dass ich keine Luft mehr bekomme und ertrinke. Verletzen kann man sich allerdings auch an den Steinen auf dem Meeresboden oder am Brett, wenn es einen mit der Finne ungünstig trifft. Das endet oft blutig.

SPIEGEL ONLINE: Rückenverletzungen, Prellungen und Schnittwunden: Das alles hat Sie bisher nie davon abgehalten, wieder aufs Board zu steigen. Könnten Sie den Wellen je widerstehen?

McNamara: Wahrscheinlich nicht. Das ist eine besondere Beziehung, wohl am ehesten vergleichbar mit der Beziehung zu einer Frau. Wenn du eine Frau respektvoll behandelst, wird sie dich auch respektvoll behandeln. Und dann kommst du immer wieder zurück.

SPIEGEL ONLINE: Wie behandelt man denn eine Welle respektvoll?

McNamara: Indem man sie so gut fährt wie möglich.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es eine Wellenhöhe, bei der Sie sagen würden: Nein danke, das ist mir zu gefährlich?

McNamara: Für mich gibt es kein Limit. Je größer die Welle, desto besser. Aber genau da beginnt das Problem. Denn es wird immer schwerer, noch höhere Wellen zu finden und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Das Interview führte Matthias Fiedler

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Mit aufs Brett nehmen
to5824bo 01.02.2013
Zitat von sysopNeuer Weltrekord oder nicht? Die Surfszene diskutiert heftig über Garrett McNamaras Ritt auf der Riesenwelle vor Portugal. Im Interview sagt der US-Amerikaner, warum ihm der Weltrekord angeblich egal ist, und verrät, was Wellen und Frauen gemeinsam haben. Surfer Garrett McNamara über seinen möglichen Weltrekord - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/surfer-garrett-mcnamara-ueber-seinen-moeglichen-weltrekord-a-880856.html)
"Wenn du eine Frau respektvoll behandelst, wird sie dich auch respektvoll behandeln. Und dann kommst du immer wieder zurück." Also, Mr McNamara, wir haben gerade in Deutschland ein ähnlich gelagertes Problem. Da gibt es einen gewissen Herrn B., den Sie dringend mal mit aufs Brett nehmen sollten.
2.
Meckermann 01.02.2013
Zitat von sysopEhrlich gesagt, weiß ich selbst nicht, wie hoch die Welle gewesen ist. Aber das ist mir auch egal. Ich surfe nicht, um Weltrekorde aufzustellen. Ich surfe für das Kribbeln im Bauch, für den Adrenalin-Kick. Was andere daraus machen, ist deren Sache.
Warum macht er es dann nicht ganz einfach privat, ohne Reporter und Öffentlichkeit?
3. @Meckermann
Smith 01.02.2013
Name ist wohl Programm oder? Er war da, weil der Swell da war. Und ist der Swell da sind auch die Reporter von ganz alleine da. Wellen sind wie Scheiße, sie ziehen diverse Sachen einfach magisch an. Darunter nun mal auch Surfer und die Filmer/Fotografen/Reporter...
4. Warum?
665g 01.02.2013
Weil er Geld verdienen muss?
5. Finnen unterm Brett
Shlabotnik 01.02.2013
Die "Flosse" ist eine Finne. Auch wenn fin übersetzt Flosse heißt.
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