Box-Star Susi Kentikian: Der Kampf geht weiter

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Susi Kentikian ist das Gesicht des deutschen Frauenboxens. Die 24-Jährige hat es von ganz unten bis zur Weltmeisterin geschafft. Wenn sie am Abend ihre WM-Titel verteidigt, wird aus einer freundlichen jungen Frau eine wilde Fighterin. Kämpfen hat sie in ihrem Leben gelernt. 

Die Boxweltmeisterin Susi Kentikian (r) und ihre Herausforderin Melissa McMorrow (USA). Zur Großansicht
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Die Boxweltmeisterin Susi Kentikian (r) und ihre Herausforderin Melissa McMorrow (USA).

(Der Livestream ist beendet)

Das ist also die "Killer Queen". Ein 1,53 Meter kleines Persönchen, sorgfältig geschminkt, ganz in Pink gekleidet, 50 Kilo leicht, freundlich im Umgang, sanfter Händedruck. Man muss Susi Kentikian im Boxring erlebt haben, um auch nur annähernd zu verstehen, wie sie sich ihren Kampfnamen verdienen konnte. Am Mittwoch werde sie "zeigen, warum man mich so nennt", sagt sie.

Dann will die 24-Jährige in Frankfurt an der Oder ihre drei WM-Titel im Fliegengewicht gegen die US-Amerikanerin Melissa McMorrow verteidigen (20 Uhr, im Livestream von SPIEGEL ONLINE). Und die Zuschauer werden vermutlich wieder beeindruckt davon sein, wie sehr sich die sonst so freundliche Kentikian im Ring verwandeln kann. Die gebürtige Armenierin ist derzeit das Gesicht des deutschen Frauenboxens, sie ist das schlagendste Argument für diese immer noch leicht gewöhnungsbedürftige Sportart.

Die Geschichte von Susianna Kentikian, genannt Susi, ist eine, wie man sie zu erzählen liebt. Es ist die klassische Box-Geschichte. Da kommt jemand von ganz unten, verbringt die Kindheit in Flüchtlingsunterkünften, ist mit ihrer Familie ständig von Abschiebung bedroht, lernt als Jugendliche den Sport kennen und boxt sich zum Weltmeistertitel. Heute hat sie ihren Eltern ein Haus gekauft und sich ein schickes Auto erlaubt.

Vom Flüchtlingskind zur Weltmeisterin

Kentikian steht dafür, dass man es nach ganz oben schaffen kann. Die gebürtige Armenierin ist erst 24 Jahre alt, aber sie hat bereits ihre Biografie veröffentlicht - die Story des Wegs vom Flüchtlingskind zur Weltmeisterin. Ohne ihre Geschichte wäre sie vielleicht nur irgendeine, die sich im Frauenboxen versucht. Ihr Werdegang hat sie zu einer Persönlichkeit gemacht.

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"Das ganze Leben ist ein Kampf, eine ständige Serie von Prüfungen", sagt sie irgendwann im Gespräch und dass sie "nur für das belohnt werden will, was ich auch geleistet habe". Boxen ist auch ein Showsport. Da werden Sprüche geklopft, Kämpfe und Kämpfer werden inszeniert, bis man als Beobachter nicht mehr weiß: Was ist ernst, was ist Show? Kentikian ist das ein Graus. Für sie stand mit ihrem Sport stets zu viel auf dem Spiel, um aus dem Boxen eine Kirmesveranstaltung zu machen.

Kentikian sagt: "Ich muss keinen Komiker K.o. schlagen, um meinen Weg zu machen." Eine Anspielung auf Regina Halmich, so etwas wie die Mutter des Frauenboxens in Deutschland. Halmich ist mal bei ProSieben mit Stefan Raab in den Ring gestiegen und hat dem Moderator die Nase gebrochen. Das hat sie möglicherweise populärer gemacht als alle ihre Profi-Kämpfe.

Kentikian hat noch etwas vom Boxboom mitbekommen

Halmich hat 2007 ihre Karriere beendet, ihr Name geistert aber immer noch durch das Frauenboxen. Kein Interview, das Kentikian zu geben hat, in der nicht Halmich noch präsent ist. In der sie als Halmich-Nachfolgerin bezeichnet wird. Sie selbst findet das Thema "nicht mehr interessant".

Heute ist Kentikian eine wohlhabende Frau, sie hat noch etwas mitbekommen von den Nachwehen des Boxbooms, der in den neunziger Jahren ausbrach und jetzt langsam zu Ende geht. Bis 2010 wurden Kentikians Kämpfe noch vom ZDF übertragen. Sie boxte in den ganz großen Hallen, in der Köln Arena und der Arena in Hamburg. Heute ist ihr Promoter froh darüber, seine Fight Nights in Frankfurt an der Oder austragen zu können. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen zieht sich, was Boxen angeht, zunehmend aus der Fläche zurück, "dabei ist klar: Ohne TV-Präsenz geht gar nichts", sagt Kentikian.

Am Mittwoch wird die freundliche Susi Kentikian wieder in die Seile klettern, sie wird dann wieder zur "Killer Queen". So viel ist sicher. Alles andere wäre auch für ihren langjährigen Trainer Magomed Schaburow eine Überraschung: "Wir haben schon so oft wochenlang über einer Kampftaktik gebrütet, und dann dreht Susi sich um, geht in den Ring und macht alles ganz anders."

Bis jetzt ist das immer gutgegangen. Kentikian vereinigt die Weltmeistertitel der Verbände WBA, WBO und WIBF auf sich. Alle drei Weltmeister-Gürtel sollen am Mittwoch verteidigt werden. Vermutlich wird sie wieder so kämpfen, "als ginge es um ihr Leben", wie Schaburow mal formuliert hat. Susi Kentikian hat in ihrem Leben gelernt zu kämpfen. Der Titel ihrer Biografie heißt: "Mir wird nichts geschenkt."

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1. Das Vierte zeigt den WM-Kampf heute live
larissa 16.05.2012
"Live Boxen" am Mittwoch, den 16. Mai, ab 20.15 Uhr auf Das Vierte.
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    Ihre Kampfbilanz ist beeindruckend: 30 Mal trat Susianna "Susi" Kentikian, Jahrgang 1987, als Profiboxerin in den Ring. 29 Mal gewann sie (16 Mal durch K.o.). Nur einmal gab es keine Wertung. Die nur 1,55 Meter große Sportlerin ist Weltmeistertin im Fliegengewicht nach Version der WBA, WBO und WIBF. Kentikian wurde in Armenien geboren und kam im Alter von fünf Jahren nach Deutschland. Heute lebt sie in Hamburg.

Zur Person
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    Melissa McMorrow wurde am 19. Juni 1981 in Palo Alto, Kalifornien (USA) geboren. Sie begann ihre sportliche Karriere als Fußballerin und wechselte erst 2005 zum Boxen. Drei Jahre später feierte sie ihr Profidebüt. Ihre Kampfbilanz: 6 Siege (kein K.o.), 3 Unentschieden, 3 Niederlagen.
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