Missbrauchsvorwürfe an Olympiastützpunkt Fechterinnen müssen vor Gericht aussagen

Einem Fechttrainer aus Tauberbischofsheim wird Missbrauch vorgeworfen, nach SPIEGEL-Informationen sollen nun die Zeuginnen vor Gericht aussagen. Auch die Politik will reagieren.

Olympiastützpunkt in Tauberbischofsheim
DPA

Olympiastützpunkt in Tauberbischofsheim


Im Gerichtsprozess um die Kündigung eines Fechttrainers aus Tauberbischofsheim hat der zuständige Richter entschieden, zum nächsten Verhandlungstermin mehrere Sportlerinnen des Vereins als Zeuginnen vorzuladen. Dem Landestrainer Sven T. hatten mehrere Fechterinnen vorgeworfen, sie zwischen 2003 und 2016 belästigt und begrapscht zu haben, sogar von sexuellem Missbrauch gegen Minderjährige ist die Rede. Der Landessportverband Baden-Württemberg kündigte dem Trainer daraufhin, Sven T. bestreitet die Vorwürfe und zog gegen die Kündigung vor das Arbeitsgericht Heilbronn.

Parallel zum Gerichtsverfahren hat der FC Tauberbischofsheim eine Taskforce eingesetzt, die die Anschuldigungen der Sportlerinnen überprüfen soll. Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, soll es allerdings zwischen den Mitgliedern der Taskforce und den Beschuldigten am Fechtzentrum private und finanzielle Verflechtungen geben. Ursula Enders, Leiterin der Opferberatungsstelle Zartbitter in Köln, spricht von einer "Alibiaufklärung" des Fechtvereins: "Die Personen der Taskforce und die möglichen Täter kommen aus demselben sozialen System, das widerspricht gängigen Standards bei der Aufklärung."

Auch in der Politik zeigten die Missbrauchsvorwürfe gegen den Trainer Wirkung. Das Land Baden-Württemberg gibt jährlich rund 13,5 Millionen Euro für den Leistungssport aus. Die Sportministerin Susanne Eisenmann sagt: "Wir ziehen in Erwägung, die Förderung der Sportverbände künftig an die Einhaltung von Präventionsmaßnahmen zu koppeln, die dabei helfen sollen, sexuelle Gewalt in Vereinen zu verhindern." Seit den Vorwürfen gegen Sven T. befinde man sich "in der Prüfungsphase".



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