Eklat beim America's Cup: Neuseeländer segeln ohne Gegner

America's-Cup-Starter Team New Zealand: Einsames Rennen in San Francisco Zur Großansicht
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America's-Cup-Starter Team New Zealand: Einsames Rennen in San Francisco

Weil sich das italienische Team Luna Rossa weigerte anzutreten, ging Kontrahent Team New Zealand im ersten Rennen des America's Cup allein an den Start. Grund für den Boykott der Italiener sind kurzfristige Regeländerungen.

Hamburg - Beim 34. America's Cup im US-amerikanischen San Francisco segelt erst einmal nur ein Team. Im Dauerstreit um neue Regeln hat die italienische Mannschaft Luna Rossa das Auftaktrennen der Herausforderer-Runde gegen das Emirates-Team New Zealand boykottiert. Dieses wiederum ging an den Start und segelt ohne Gegner dem ersten Siegpunkt entgegen.

Die Neuseeländer nahmen die Spazierfahrt mit Humor. "Halbzeit der 1. Wettfahrt. Keine Überraschung, wir führen im Rennen gegen uns selbst", twitterte das Team während des Rennens zum Auftakt der mehrwöchigen Wettfahrten, in der der Herausforderer von Titelverteidiger Oracle Racing (USA) ermittelt wird. Das Finale beginnt im September.

Grund für den Boykott der Italiener sind die Regeländerungen für die AC72-Katamaran-Prototypen, die Regatta-Direktor Iain Murray ohne Zustimmung aller Teams angenommen hatte. Das Team um Prada-Patriarch Patrizio Bertelli beruft sich auf eine Vorschrift, die kurzfristige Änderung der Regeln verbietet, und zieht die von Murray angeführten Sicherheitsgründe in Zweifel.

Murray plant 37 neue Sicherheitsbestimmungen, die nach dem tödlichen Trainingsunfall des britischen Olympia-Seglers Andrew Simpson im Mai eingeführt werden sollen. Unter anderem geht es um die Zulassung sogenannter Trimmklappen am Ruder. Kommen die Neuerungen durch, müssen die Herausforderer ihre Yachten umbauen.

Regatta-Direktor Murray verteidigte die Änderungen. "Beim Thema Sicherheit können wir keine Kompromisse eingehen. Ein Mensch hat sein Leben verloren, und wir müssen sichergehen, dass das nicht noch einmal passiert", sagt der Australier.

Auch der zweimalige America's-Cup-Gewinner Jochen Schümann meldete Sicherheitsbedenken an. "Nach wie vor sind die besten Leute auf den Schiffen, aber selbst die beherrschen die Boote noch nicht. Man muss wirklich gespannt sein, wie sich der Wettkampf vollzieht, wenn die Boote nicht mehr testen, sondern direkt gegeneinander segeln."

Die Mannschaft Luna Rossa hat eine Protestverhandlung am Montag erwirkt. Bis zur Entscheidung werden die Italiener nicht segeln.

mon/sid

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Syntax
belleslettres 07.07.2013
Zitat von sysopWeil sich das italienische Team Luna Rossa weigerte anzutreten, ...
anzutreten weigerte
2. I am sailing
kenno 08.07.2013
Es handelt sich wohl um ein theoretisches Problem zwischen Multimillionären.
3. Bravo.
micha.w 08.07.2013
Hat sich die Redaktion meine Kritik zu Herzen genommen. Gut so , jetzt sind die Regeländerungen genannt. Um die ging ja wohl.
4.
Akuram 08.07.2013
Erwähnenswert ist dabei übrigens, dass zum einen das verteidigende US-Team Oracle, im Gegensatz zu den drei Herausforderern, bis September Zeit hat diese "Sicherheits"-Neuerungen ausführlich zu testen, bevor diese unter Wettkampfbedingungen eingesetzt werden müssen und somit deutlich mehr Vorbereitungszeit haben und leichter Anpassungen /Verbesserungen der Trimmer vornehmen können. Und zum zweiten Oracle schon vor der Last-Minute Einführung der neuen regelbedingten Änderungen offensichtlich über anstehende Veränderungen der Bootskonfigurationen informiert war und bereits vorher mit solch Material getestet hatte. Diese Regeländerung hilft vor allem dem verteidigenden US Oracle Team und dagegen wehren sich Team Emirates New Zealand und Prada Luna Rossa übrigens gleichermaßen mit einer Protesteinlage. Über diesen wird erst allerdings nach dem ersten Rennen entschieden, weswegen die Italiener den Start boykottieren.
5. ?
quark@mailinator.com 08.07.2013
Entweder es ist zu gefährlich, aber dann ist es das auch jetzt und man hätte überhaupt nicht segeln dürfen ... oder eben nicht. Letztlich bekommt man diese Art Sport sowieso nicht so sicher, daß nicht ab und zu mal jemand stirbt - leider. Also entweder man entscheidet, daß dies unmoralisch ist und hört überhaupt auf, potentiell gefährlichen Sport zu betreiben, oder man läßt die Sportler selbst entscheiden, wo die Grenzen sein sollen. Wie schon Schumacher zur Formel 1 sagte ... Wegen eines Unfalls schraubt man eine zusätzliche Stoßstange ran, welche dann prompt beim nächsten jemandem den Kopf abreißt. Da sollte man genau abwägen.
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