Medienberichte über Wettbetrug 16 Tennisprofis aus den Top 50 sollen Spiele manipuliert haben

Ein Manipulationsverdacht hat den Auftakt der Australian Open überschattet: Laut BBC und "Buzzfeed" sollen 16 Tennisspieler aus den Top 50 in illegale Absprachen involviert gewesen sein. Ein erstes Dementi gibt es bereits.

Start der Australian Open in Melbourne: "Wir weisen jeden Vorwurf [...] absolut zurück"
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Start der Australian Open in Melbourne: "Wir weisen jeden Vorwurf [...] absolut zurück"


Medienberichten zufolge sollen insgesamt 16 Tennisprofis aus den Top 50 in den vergangenen zehn Jahren in Spielabsprachen verwickelt gewesen sein. Von den Manipulationen sollen demnach unter anderem drei Partien in Wimbledon betroffen sein. Außerdem sollen Grand-Slam-Turnier-Sieger zu den beschuldigten Spielern zählen. Einige von ihnen sollen auch bei den diesjährigen Australian Open auf dem Platz stehen.

Das berichten die britische BBC und das US-Portal "BuzzFeed" am Montag kurz vor Beginn der Australian Open in Melbourne. Die Informationen basieren demnach auf geheimen Dokumenten. Namen werden darin nicht genannt.

Schiebung sei im Tennis weitverbreitet, berichtete die BBC. Der Sender ist eigenen Angaben zufolge im Besitz belastender Berichte. Endgültige Beweise liegen der "Manipulationspolizei", einer 2008 gegründeten Task Force namens "Tennis Integrity Unit" (TIU), aber offenbar nicht vor. Denn laut BBC wurde wegen der jüngsten Verdächtigungen bislang noch kein Profi überführt.

ATP dementiert

Der Präsident der "Association of Tennis Professionals" (ATP) dementierte, dass die Verantwortlichen Informationen über vermeintliche Absprachen von Tennisspielen zurückhalten würden. "Wir weisen jeden Vorwurf, dass Beweise über Wettmanipulationen verdrängt wurden, absolut zurück", sagte Chris Kermode. Er machte im Namen der Herren-Organisation ATP, der Damen-Organisation WTA, der vier Grand-Slam-Turniere und des Weltverbandes deutlich, dass es in Bezug auf Manipulationen eine "Null-Toleranz-Politik" gebe.

Bereits in der Vergangenheit hatte es Berichte über vermeintliche Absprachen bei Tennisspielen gegeben. So wurde 2007 der ehemalige russische Profi Nikolai Dawydenko beschuldigt, in einigen Begegnungen absichtlich aufgegeben zu haben. Bei Wettanbietern waren hohe Einsätze auf eine Niederlage des Russen eingegangen. 2011 wurde der österreichische Profispieler Daniel Köllerer nach jahrelangen Untersuchungen wegen Match-Manipulationen in drei Fällen lebenslang gesperrt.

BBC und "BuzzFeed" kritisieren nun, dass die Tennis-Verantwortlichen zu wenig gegen vermeintliche Wettmanipulationen getan hätten. Die International Tennis Federation (ITF) kündigte an, sich im Laufe des Montags zu den Vorwürfen zu äußern.

aar/dpa/sid



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