Zehn Tage vor den US Open Warum Kerber und Zverev plötzlich im Formtief sind

Angelique Kerber und Alexander Zverev reisen mit Niederlagen zu den US Open. Die besten deutschen Tennisspieler sind aus dem Tritt geraten, die Gründe sind unterschiedlich. Kritik kommt auch von Roger Federer.

Angelique Kerber
DPA

Angelique Kerber


Fünf Wochen sind seit Angelique Kerbers Wimbledon-Sieg vergangen. Fünf Wochen, in denen die Vierte der Tennis-Weltrangliste drei Matches bestritten hat. Gewonnen hat Kerber nur eines dieser Spiele, im Achtelfinale der WTA-Veranstaltung in Cincinnati verlor sie gegen die US-Amerikanerin Madison Keys 6:2, 6:7, 4:6.

Nach ihrem Erfolg beim wichtigsten Turnier der Saison auf Rasen fällt Kerber die Umstellung auf Hartplätze schwer. Dabei mag sie den Belag, 15 ihrer insgesamt 23 Turniersiege feierte sie auf Hartplätzen, 2016 gewann sie die US Open. Das vierte Grand-Slam-Turnier des Jahres steht nun wieder an, am 27. August geht es in New York los.

Nach ihrer Niederlage gegen Alizé Cornet in Montreal hatte Kerber auf die Notwendigkeit von Matchpraxis hingewiesen. "Es ist nicht so einfach, den Belag zu wechseln", sagte die 30-Jährige. "Ich denke, ich brauche ein bisschen mehr Zeit, um mich durch viele Trainingseinheiten und Matches wieder an den Hartplatz zu gewöhnen."

Das ist das eine Problem, letztlich kämpft die deutsche Nummer eins aber vor allem mit den Nachwirkungen von Wimbledon. In den Tagen und Wochen danach standen viele Termine an, nach einem solchen Erfolg fällt vielen Spielerinnen die Umstellung auf den Alltag schwer. Kerber gehört nach den Eindrücken der vergangenen Wochen nicht zum engsten Favoritenkreis in New York.

Zverev und die negativen Emotionen

Das trifft auch auf Alexander Zverev zu, der in der Weltrangliste ebenfalls auf dem vierten Rang notiert wird. Anders als Kerber hat es der 21-Jährige bisher noch nicht geschafft, sein Potenzial bei Grand-Slam-Turnieren auszuschöpfen. In diesem Jahr stand Zverev bei den French Open im Viertelfinale, ansonsten kam er bei den vier Grand-Slams nur noch ein weiteres Mal über die dritte Runde hinaus.

Alexander Zverev
AFP

Alexander Zverev

Aktuell kommt außerdem ein Formtief hinzu. Nach der unnötigen Niederlage in Toronto gegen Stefanos Tsitsipas verlor Zverev in Cincinnati bereits sein Auftaktmatch gegen Robin Haase in drei Sätzen. Schwerer dürfte Zverev aber die ungewohnt deutliche Kritik von Roger Federer getroffen haben. Die junge Generation sei "leider oder für mich persönlich glücklicherweise" nicht auf einem so extrem hohen Level wie seinerzeit die Youngster um Rafael Nadal.

"Als Rafa 19 war, hatte er schon 20 Turniere gewonnen, darunter die French Open", sagte der Schweizer im Gespräch mit dem in London erscheinenden "Daily Express": "Man muss sich einfach mal wieder in Erinnerung rufen, wie gut schon der junge Rafa war." Tatsächlich waren es 16 Turniersiege für Nadal, ehe er als gerade 20-Jähriger zum zweiten Mal die French Open gewinnen konnte. Federer selbst war bei seinem ersten Grand-Slam-Erfolg wie Zverev jetzt 21 Jahre alt, bis dahin hatte der Schweizer acht Turniere gewonnen.

Doch zurück zu Zverev, der sich in den vergangenen Wochen mal wieder selbst im Weg stand. Wenn es in engen Matches mal nicht nach Wunsch läuft, verliert er die Konzentration, hadert mit sich und den Umständen auf dem Platz. In solchen Phasen bringen Zverev seine Emotionen nicht weiter.

Dennoch ist Zverev mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden. "Ich habe drei Turniere in unterschiedlichen Kategorien gewonnen", sagte er dem Internetportal Tennis TV: "München ist ein 250er, Washington ein 500er und Madrid ein Masters. Vielleicht kann ich ja noch einen draufsetzen." Ein "paar mehr Titel" und "hoffentlich eine stete Weiterentwicklung meines Spiels" erhofft er sich in den kommenden Monaten, aber: "Es ist eine gute Saison, ich bin die Nummer zwei im Race. Bisher lief alles gut."

krä/sid

insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kopi4 17.08.2018
1. Bisher lief alles gut
Die Aussage zeigt Zverevs Hauptproblem: ein erstaunlicher Mangel an Selbstkritik. Schuld ist nie er selbst. Das Aus in Paris? Er war halt platt von drei Fünfsatz-Matches vorher. Kein Wort darüber das er die gegen schwächere Gegner spielen mußte weil er durch Schludrigkeit und Jammerei jeweils zwei Sätze abgab. Ein peinliches 0:6 gegen Gulbis in der dritten Runde von Wimbledon nahm er hin wie eine Niederlage im Training: nicht schön aber er wird ja noch 15x in Wimbledon antreten,das wird schon. Talente die alles hatten um Grand Slams zu gewinnen und die wegen mangelnder Einstellung nie ein großes Turnier gewannen gab es viele. Alexander Zverev ist auf einem guten Weg sich dort einzureihen.
donvito85 17.08.2018
2. @kopi4
Wieder mal krass wie zverev runtergemacht wird.... als ob er irgend wie verpflichtet ist ein Grand Slam zu gewinnen... Und zwar 20 Stück wie Federer und nicht nur 1 oder 2 ... Der Junge hat mit 21 und 3 Master Titel schon mehr erreicht als 95% aller Tennisspieler und mehr als alle deutschen Post-Becker Spieler...
TS_Alien 17.08.2018
3.
Tennispieler vedienen im Jahr Millionen auch mit mittelmäßigen Leistungen auf zweitklassigen Turnieren. Es gibt keinen anderen Einzelsport, in dem man mit einer lockeren Einstellung zum Beruf so viel Geld verdienen kann. Das ist der Hauptgrund für die Formschwankungen. Man muss keine große Leistung bringen, um viel Geld zu verdienen.
moritz B. 17.08.2018
4. Na also solche Krisen möchte man haben
Zverev hat vor kurzem erst das 500er-Turnier gewonnen und war beim Masters in Montreal im Viertelfinale (also unter den besten 8) und ist da auch eher unglücklich gegen Tsitsipas ausgeschieden. Seine Schwankungen im Match und seine Nerven spielen ihm ab und an noch in die Karten, aber er ist auf einem sehr guten Weg und sehr konstant in seinen Leistungen über das Jahr verteilt. Nicht umsonst ist er die Nummer 2 in der Race-Wertung hinter Nadal. Auch bei Kerber wirkt die Kritik etwas absurd. OK, jetzt ist sie zwei mal recht früh ausgeschieden, aber gegen Keys war sie nicht schlecht und die ist mit die beste Hardplatzspielerin, die es überhaupt gibt. Das war also nicht wirklich schwach von Kerber. Sie war bisher bei allen Grandslams 2018 mindestens im VF und ich traue ihr zu, dies auch bei den US-Open zu erreichen. Ihre Saison ist brutal konstant.
troy_mcclure 17.08.2018
5.
Zitat von donvito85Wieder mal krass wie zverev runtergemacht wird.... als ob er irgend wie verpflichtet ist ein Grand Slam zu gewinnen... Und zwar 20 Stück wie Federer und nicht nur 1 oder 2 ... Der Junge hat mit 21 und 3 Master Titel schon mehr erreicht als 95% aller Tennisspieler und mehr als alle deutschen Post-Becker Spieler...
Da gebe ich Ihnen absolut recht, aber um ein Großer zu werden sollte er auch mal,bei den Grand Slam-Turnieren etwas reißen. Und da steht er sich teilweise selbst im Weg, zum Beispiel, indem er gegen leichte Gegner seine Kraft verschludert (siehe auch Beitrag #1).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.