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12. Februar 2012, 17:02 Uhr

Tennis

Becker befeuert Zoff im Davis-Cup-Team

Eigentlich sollte er Deutschland ins Viertelfinale führen, nun ist er zum Buhmann geworden: Nach seiner Erkrankung erschien Philipp Kohlschreiber nicht zum Davis-Cup-Match gegen Argentinien - und wurde anschließend von Tommy Haas und Boris Becker für sein Verhalten attackiert.

Hamburg - Der Teamgeist erschüttert, das Comeback missglückt, die Geburtstagsfeier verdorben: Es ist ein Wochenende zum Vergessen für das deutsche Männer-Tennis. Die deutsche Davis-Cup-Mannschaft hat gegen Vorjahresfinalist Argentinien nicht nur 1:4 verloren - sondern auch noch eine neue Baustelle aufgemacht.

Ausgerechnet am 46. Geburtstag von Teamchef Patrik Kühnen am Samstag verlor das deutsche Doppel aus Rückkehrer Tommy Haas und Philipp Petzschner - und sorgte damit für das vorzeitige Aus. Haas kam nach der Pleite in Rage - und attackierte den kranken Philipp Kohlschreiber öffentlich. "Für mich nicht verständlich, dass er nicht hier war. Es ist sehr schade, dass Philipp nicht mal vorbeigekommen ist", kritisierte Haas den wegen eines Magen-Darm-Infekts ausgefallenen Kohlschreiber.

Der Weltranglisten-31. hatte sich bei Kühnen am vergangenen Mittwoch abgemeldet - und sich dann nicht mehr gerührt. Kein Anruf, keine SMS. "Er sagte mir, er sei zu schwach, um gegen Argentinien spielen zu können. Seitdem hatte ich keinen Kontakt mehr zu Philipp", sagte Kühnen und zeigte Verständnis für die Haas-Schelte: "Ich weiß nicht, wie es Philipp geht. Aber wir hätten uns alle gewünscht, wenn er uns wenigstens für einen Tag unterstützt hätte."

Ähnlich sah es der dreimalige Wimbledon-Sieger Boris Becker, der sogar damit rechnet, dass der Konflikt das Team noch einige Zeit beschäftigen wird. "Das wird nicht so spurlos vorübergehen", erklärte der dreimalige Wimbledon-Sieger bei bild.de. Dass Kohlschreiber am Wochenende keinerlei Kontakt zu den Kollegen gehabt habe, sei "nicht gerade mannschaftsförderlich", sagte Becker.

Stebe sorgt für Achtungserfolg

Am Sonntag verlor Florian Mayer noch sein zweites Einzel 5:7, 5:7 gegen Juan Ignacio Chela. Für den Ehrenpunkt sorgte anschließend der 21-jährige Cedrik-Marcel Stebe, der bei seinem Debüt für Deutschland 7:6 (7:1), 7:5 gegen Eduardo Schwank gewann.

Für die neue Verbandsspitze um Präsident Karl-Georg Altenburg machte die Niederlage den verpatzten Einstand perfekt. Bereits am vergangenen Wochenende hatten Sabine Lisicki und Co. im Fed Cup das Halbfinale verpasst - beiden deutschen Teams droht damit der Abstieg. "Die sportliche Bilanz ist natürlich enttäuschend", gab Altenburg zu.

Statt eines Heimspiels im Viertelfinale wartet nun wie zuletzt 2010 die Play-off-Runde um den Klassenerhalt auf das Kühnen-Quartett. Der Gegner für die Relegation (14. bis 16. September 2012) wird am 11. April ausgelost.

leh/dpa

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