Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Verdacht der Tennis-Manipulation: "Ein weiterer Schlag in die Magengrube"

Tennis bei den Australian Open: Manipulation ein großes Thema Zur Großansicht
Getty Images

Tennis bei den Australian Open: Manipulation ein großes Thema

Die Reaktionen auf die Berichte über Wettbetrug im Tennissport sind geteilt: DOSB-Präsident Alfons Hörmann ist entsetzt, Novak Djokovic reagierte mit Unglauben, Philipp Kohlschreiber warb gar um Nachsicht. Der Überblick.

Der Tennissport steht womöglich vor dem größten Skandal seiner Geschichte. Die BBC und "BuzzFeed" berichteten über langjährigen Wettbetrug und Spielmanipulationen, betroffen sind demnach auch Top-Athleten. Die derzeitige Tennis-Elite reagierte darauf jedoch zurückhaltender, als man vielleicht erwartet hätte.

Superstar Novak Djokovic rechnet nicht mit negativen Auswirkungen auf das Profitennis. "Ich glaube nicht, dass das einen Schatten auf unseren Sport wirft. Es gibt bislang keine klaren Beweise", sagte der Serbe. Die Weltranglistenerste Serena Williams zeigte sich überrascht über die Berichte. Sie wisse nichts von Manipulationen, sagte sie in Melbourne. "Ich kann nur für mich antworten: Wenn ich spiele, gebe ich mein Bestes. Und jede Spielerin, gegen die ich spiele, scheint ebenfalls ihr Bestes zu geben", sagte die Amerikanerin.

Die deutsche Nummer eins Philipp Kohlschreiber reagierte reserviert. "Wettbetrug gibt es leider Gottes in jeder Sportart. Man darf aber jetzt nicht alle Spieler und die Tour schlecht machen", sagte der 32-Jährige. Kohlschreiber lobte zudem die Vorgehensweise der in der Kritik stehenden Anti-Korruptions-Taskforce TIU: "Man arbeitet positiv dagegen, es gibt für uns Spieler viele neue Regeln." Laut den Medienberichten habe es die TIU versäumt, die richtigen Konsequenzen aus den ihr vorliegenden Beweisen für die Manipulationen zu ziehen.

Für den ehemaligen US-Open-Sieger Marin Cilic aus Kroatien ist die Existenz von Match-Manipulationen auf absolutem Top-Niveau undenkbar. Die deutsche Spielerin Andrea Petkovic zeigte sich zumindest darüber verwundert, dass Partien bei Grand-Slam-Turnieren betroffen sein sollen. "Da verdient man eigentlich genug Geld", sagte die 28-Jährige und schlug vor, bei kleineren Events höhere Preisgelder auszuzahlen, um den Anreiz zu manipulieren aus Athleten-Sicht zu verringern. Petkovic sieht den Männer-Verband ATP gefordert. "Sie müssen entweder die Wetten auf den kleinen Turnieren unterbinden oder das Preisgeld so erhöhen, dass die Jungs davon leben können."

Grundsätzliche Kritik äußerte der französische Profi Julien Benneteau: "Meiner Meinung nach sollten Wetten in Individual-Sportarten gar nicht erlaubt sein." Roger Federer forderte die Verantwortlichen auf, die Berichte "ernst zu nehmen." Allerdings warnte der Schweizer vor Hysterie. "Ich weiß nicht, wie viel daran neu ist", sagte der Rekord-Grand-Slam-Champion.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann bezeichnete die Berichte vor dem Hintergrund der massiven Korruptionsfälle beim Fußball-Weltverband Fifa und Leichtathletik-Weltverband IAAF als "weiteren Schlag in die Magengrube". Es bleibe nichts übrig, als den Blick nach vorne zu richten: "In dieser augenblicklichen Krise scheint eine ganz große Chance zu liegen. Ich glaube, es kommt etwas in Bewegung", sagte Hörmann beim Neujahrsempfang des Deutschen Olympischen Sportbundes in Frankfurt.

mon/dpa/sid

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Tennis: Die wichtigsten Schläge
Beginnt der Aufschläger nicht mit einem Ass und der Rückschläger spielt den Ball zurück übers Netz, läuft der Ballwechsel. Dann kann es zu folgenden Schlägen kommen:

  • VOLLEY: Der Ball wird noch vor dem Aufkommen auf dem Boden geschlagen. Dieser Schlag wird vorwiegend am Netz gespielt und soll den Ballwechsel beenden.

    PASSIERSCHLAG: Ist der andere Spieler ans Netz vorgerückt, kann er nicht die gesamte Breite des Feldes abdecken - und mit einem Schlag seitlich an ihm vorbei passiert werden.

    STOPP: Ein zumeist mit Rückwärtsdrall gespielter Ball, der kurz hinter dem Netz aufkommt und für den Gegner schwer zu erreichen ist. Wird vorwiegend auf dem langsamen Belag Sand gespielt.

    LOB: Nach einem gespielten Stopp rückt der Spieler zumeist ans Netz vor. Dann ist es möglich ihn mit einem hoch geschlagenen Lob-Ball zu überspielen.

    SCHMETTERBALL: Wird der Lob zu flach gespielt, bietet sich für den Gegner die Möglichkeit, den Ballwechsel mit einem Schmetterball zu beenden. Der Schlag ähnelt sehr dem Aufschlag und ist ein mit hohem Tempo gespielter Überkopfschlag.

  • Zudem lassen sich die Schläge von der Grundlinie unterteilen, egal ob Vor- und Rückhand:

  • TOPSPIN: Durch eine von unten nach oben durchgeführte Schlagbewegung wird dem Ball Vorwärtsdrall verliehen. Der Ball steigt dadurch zunächst relativ hoch an, fällt dann aber steil nach unten. So können auch sehr diagonal oder schnell gespielte Bälle noch im Feld landen.

    SLICE: Ist das Gegenteil vom Topspin. Die Schlagbewegung ist von oben nach unten, der Ball erhält damit Rückwärtsdrall. Der Ball wird möglichst am höchsten Punkt getroffen, die Flugkurve ist dann sehr flach und stetig sinkend. Der Ball ist dadurch relativ lange in der Luft, so dass der Schlag entweder als Verteidigungsschlag oder als Vorbereitung zum Aufrücken ans Netz verwendet wird.

    DRIVE: Der Ball wird sehr direkt getroffen und damit nur mit sehr wenig oder gar keiner Rotation versehen.

Jeder dieser drei Schläge kann entweder cross, also quer, oder longline, der Linie entlang, gespielt werden. Ein Longline-Schlag erfordert eine hohe Präzision, da der Ball leicht im Aus landen kann - und das Netz zudem außen höher ist als in der Mitte. Cross gespielte Schläge hingegen fordern weniger Genauigkeit, können dafür aber mit mehr Tempo gespielt werden.

Fotostrecke
Legendäre Tennisspieler: Spiel, Satz und Schlägerbruch

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: