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Deutsche Niederlagen im Fed Cup: Und nun?

Aus Prag berichtet Philipp Joubert

Fed Cup: Petkovic und Kerber ohne Chance Fotos
Getty Images

Mit großen Erwartungen waren die deutschen Tennis-Frauen zum Fed-Cup-Finale nach Prag gereist - und dann das. Andrea Petkovic und Angelique Kerber verlieren, die Titelchance ist gering. Jetzt könnte Sabine Lisicki ihre Chance bekommen.

Es war eine kuriose Situation, die perfekt zu einem aus deutscher Sicht enttäuschenden Nachmittag in Prag passte. Angelique Kerber hatte im Fed-Cup-Finale Satzball gegen sich, sie schlug eine Vorhand die Linie entlang. Kerber jubelte, weil sie sich sicher war, den Satzball abgewehrt zu haben. Hatte sie aber nicht.

Hätte ihre Gegnerin Lucie Safarova den Ball nicht mehr berührt, die Deutsche hätte den Punkt gewonnen. Doch die Tschechin wuchtete den Ball über das Netz zurück und gewann den Satz. Die Regeln werten einen verfrühten Jubel nämlich als Behinderung und automatischen Punktverlust. "Ich dachte, ich hätte einen Winner geschlagen. Aber sie hat den Ball zurückbekommen. Ich kenne die Regeln, da gab es nichts mit der Schiedsrichterin zu diskutieren", sagte eine nach dem Match immer noch sichtlich enttäuschte Kerber.

Dass die deutsche Nummer eins 4:6, 4:6 verloren hatte und das deutsche Team nach der Auftakt-Niederlage von Andrea Petkovic gegen Petra Kvitova somit nur noch geringe Chancen auf den Titel in diesem prestigeträchtigen Mannschafts-Wettbewerb hat, lag natürlich nicht an einem einzelnen Ballwechsel. Doch die Situation war symptomatisch für ein Match, in dem Kerber immer wieder Chancen vergab.

Kerber lag in beiden Sätzen ein Break vorne

In beiden Sätzen führte die Deutsche mit einem Break Vorsprung, beide Male war sie aber nicht in der Lage, den Vorsprung in einen Satzgewinn umzuwandeln. Safarova, die großes Talent am Ball besitzt, aber oft mit Ungeduld auf dem Platz zu kämpfen hat, spielte ein taktisch geschicktes Match. Tiefe Bälle beraubten Kerber ihrer größten Stärke, dem Konterspiel. Vor allem konnte sich Safarova aber in wichtigen Moment auf ihren starken Aufschlag verlassen, ein klares Plus auf dem extrem schnellen Belag in Prag.

Ganz anders Kerber: Als sie im zweiten Satz gegen den Matchverlust servierte, leitete sie ihr Aufschlagspiel mit zwei Doppelfehlern ein. Wie so oft, wenn sie sich unter Druck fühlt, ließ Kerber sich auch an diesem Nachmittag keine Zeit zur Konzentration zwischen den Aufschlägen. Eine Notwendigkeit beim frenetischen Publikum, das die deutschen Spielerinnen immer wieder mit Zwischenrufen vor dem Aufschlag aus dem Rhythmus brachte.

"Ich hatte das Gefühl, dass die Tschechinnen uns diese Finalerfahrung voraus hatten und von Anfang an in einem Lust-Modus waren", versuchte Bundestrainerin Barbara Rittner sich an einer Erklärung: "Sie haben die Atmosphäre genossen, die Zuschauerunterstützung. Genau da hatte ich das Gefühl, dass Angelique und Andrea nicht so frei waren."

Der Belag ist für die Tschechinnen kein Problem

Petkovic war in ihrem Match gegen Wimbledonsiegerin Petra Kvitova weitestgehend chancenlos gewesen. Die Bedingungen passten perfekt zum Spiel der Weltranglistenvierten, deren Ziel es ist, in jedem Ballwechsel möglichst schnell die Initiative zu übernehmen.

"Man fühlt sich unglaublich hilflos gegen Petra, wenn sie so spielt", sagte Petkovic nach der Niederlage: "Der große Unterschied waren die ersten zwei Bälle. Auf einem langsameren Belag kann ich den ersten Ball nach dem Aufschlag vielleicht noch mal neutralisieren. Aber auf diesem Belag, wenn sie so gut aufschlägt und retourniert, ist das sehr schwierig."

Petkovic ist eine Spielerin, die dann am besten spielt, wenn sie sich in ein Match reinarbeitet, Schlag um Schlag und Punkt um Punkt. Das war allerdings fast unmöglich auf dem schnellen Platz in Prag. Die Tschechen nutzten ihren Heimvorteil dahingehend perfekt, dass sie einen Hartplatz ganz nach dem Geschmack ihrer Spitzenspielerinnen Kvitova und Safarova legten: schnell und mit flachem Absprung.

Auch das deutsche Team hat eine Spielerin, deren Spiel für Hallenboden prädestiniert ist: Sabine Lisicki. Rittner hatte sich früh in der Woche festgelegt, dass Kerber und Petkovic die Einzel am ersten Tag spielen würden. Schließlich hatten die beiden das deutsche Team mit ihren Siegen gegen die Slowakei und Australien erst ins Finale gebracht.

Nach Kerbers Niederlage wollte Rittner sich nicht in die Karten schauen lassen. Mehr als ein "ich habe Sabine ja als Alternative dabei" ließ sich die Bundestrainerin nicht entlocken. Doch sollte Kerber das Auftaktmatch am Sonntag gegen Kvitova gewinnen und dem deutschen Team so doch noch eine kleine Chance auf den Sieg geben, wird Rittner sich entscheiden müssen. Lässt sie Petkovic gegen Safarova spielen? Oder gibt sie Lisicki eine Chance?

Vor Kurzem war Lisicki auf einem ähnlich schnellen Belag wie in Prag erfolgreich. In Wuhan bezwang sie unter anderem Lucie Safarova.

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Ach so...
reever_de 08.11.2014
Alles klar, der Belag war also Schuld... ;)
2.
Ostwestfale 08.11.2014
Zitat von reever_deAlles klar, der Belag war also Schuld... ;)
Natürlich war der Belag ein großer Vorteil für die Tschechinnen. Kvitova ist von den Hard-Hitterinnen vielleicht die, die am Härtesten überhaupt schlagen kann. Kerber und Petkovic haben Konterqualitäten, wobei die von Petkovic eher überschaubar sind.Wirklich aggressiv spielen beide nicht, weil ihnen dafür die Schlaghärte fehlt. Übrigens war der Belag sogar zu schnell (das haben messungen ergeben) und der tschechische Verband wird eine Strafe erhalten. Aber der Grenzwert wurde nur leicht überschritten.
3. Offensichtlich...
nabakov 08.11.2014
Zitat von reever_deAlles klar, der Belag war also Schuld... ;)
...haben Sie nie selbst Tennis gespielt und somit keinerlei Ahnung vom Einfluss und den Auswirkungen verschiedenen Bodenbelags auf die unterschiedlichen, individuellen Spielweisen der SportlerInnen. Wieso ersparen Sie uns nicht einfach Ihre "Meinung" und kommentieren lieber irgend etwas auf BILD-online...?
4.
TS_Alien 08.11.2014
Zitat von OstwestfaleNatürlich war der Belag ein großer Vorteil für die Tschechinnen. Kvitova ist von den Hard-Hitterinnen vielleicht die, die am Härtesten überhaupt schlagen kann. Kerber und Petkovic haben Konterqualitäten, wobei die von Petkovic eher überschaubar sind.Wirklich aggressiv spielen beide nicht, weil ihnen dafür die Schlaghärte fehlt. Übrigens war der Belag sogar zu schnell (das haben messungen ergeben) und der tschechische Verband wird eine Strafe erhalten. Aber der Grenzwert wurde nur leicht überschritten.
Wenn man nicht hart schlagen kann, muss man plaziert schlagen. Wenn man beides nicht kann, ist man keine Weltspitze. Und dann hat man auch keinen Titel verdient.
5. Zuwenig Geld
MobelpreisMedizinPhysik 09.11.2014
Solch Spiele bringen nix: kein richtiges Geld, nur Ermüdung.
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Tennis: Die wichtigsten Schläge
Beginnt der Aufschläger nicht mit einem Ass und der Rückschläger spielt den Ball zurück übers Netz, läuft der Ballwechsel. Dann kann es zu folgenden Schlägen kommen:

  • VOLLEY: Der Ball wird noch vor dem Aufkommen auf dem Boden geschlagen. Dieser Schlag wird vorwiegend am Netz gespielt und soll den Ballwechsel beenden.

    PASSIERSCHLAG: Ist der andere Spieler ans Netz vorgerückt, kann er nicht die gesamte Breite des Feldes abdecken - und mit einem Schlag seitlich an ihm vorbei passiert werden.

    STOPP: Ein zumeist mit Rückwärtsdrall gespielter Ball, der kurz hinter dem Netz aufkommt und für den Gegner schwer zu erreichen ist. Wird vorwiegend auf dem langsamen Belag Sand gespielt.

    LOB: Nach einem gespielten Stopp rückt der Spieler zumeist ans Netz vor. Dann ist es möglich ihn mit einem hoch geschlagenen Lob-Ball zu überspielen.

    SCHMETTERBALL: Wird der Lob zu flach gespielt, bietet sich für den Gegner die Möglichkeit, den Ballwechsel mit einem Schmetterball zu beenden. Der Schlag ähnelt sehr dem Aufschlag und ist ein mit hohem Tempo gespielter Überkopfschlag.

  • Zudem lassen sich die Schläge von der Grundlinie unterteilen, egal ob Vor- und Rückhand:

  • TOPSPIN: Durch eine von unten nach oben durchgeführte Schlagbewegung wird dem Ball Vorwärtsdrall verliehen. Der Ball steigt dadurch zunächst relativ hoch an, fällt dann aber steil nach unten. So können auch sehr diagonal oder schnell gespielte Bälle noch im Feld landen.

    SLICE: Ist das Gegenteil vom Topspin. Die Schlagbewegung ist von oben nach unten, der Ball erhält damit Rückwärtsdrall. Der Ball wird möglichst am höchsten Punkt getroffen, die Flugkurve ist dann sehr flach und stetig sinkend. Der Ball ist dadurch relativ lange in der Luft, so dass der Schlag entweder als Verteidigungsschlag oder als Vorbereitung zum Aufrücken ans Netz verwendet wird.

    DRIVE: Der Ball wird sehr direkt getroffen und damit nur mit sehr wenig oder gar keiner Rotation versehen.

Jeder dieser drei Schläge kann entweder cross, also quer, oder longline, der Linie entlang, gespielt werden. Ein Longline-Schlag erfordert eine hohe Präzision, da der Ball leicht im Aus landen kann - und das Netz zudem außen höher ist als in der Mitte. Cross gespielte Schläge hingegen fordern weniger Genauigkeit, können dafür aber mit mehr Tempo gespielt werden.


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