Tennis DTB-Präsident Waldenfels zieht Kandidatur zurück

Überraschung beim Deutschen Tennis Bund: Georg von Waldenfels trat bei der Mitgliederversammlung in Berlin nicht wieder als Präsident an. Der Jurist verzichtete auf eine Kampfabstimmung gegen Karl-Georg Altenburg und kam damit wohl einer Niederlage zuvor.

Ex-DTB-Präsident von Waldenfels: "Alles hat seine Zeit"
DPA

Ex-DTB-Präsident von Waldenfels: "Alles hat seine Zeit"


Hamburg - Karl-Georg Altenburg heißt der neue Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB). Der 48-Jährige wurde bei der 63. Mitgliederversammlung in Berlin mit 77 der 111 Stimmen gewählt. 32 Delegierte votierten gegen den Banker, zudem gab es zwei Enthaltungen. Altenburg war einziger Kandidat, nachdem Amtsinhaber Georg von Waldenfels kurzfristig auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte.

"Das ist meine letzte Rede als Präsident. Ich habe mich entschlossen, nicht mehr für das Amt zu kandidieren", hatte von Waldenfels zu Beginn der Veranstaltung gesagt. Der 67-Jährige führte den mit rund 1,6 Millionen Mitgliedern drittgrößten Sportverband Deutschlands seit 1999. "Alles hat seine Zeit", so der Jurist, der "ohne Groll" scheidet und betonte: "Ich werde nicht als beleidigte Leberwurst den Saal verlassen."

Im Vorfeld der Versammlung hatte es einen erbitterten Wahlkampf zwischen Altenburg und von Waldenfels gegeben. Kritiker warfen diesem vor, in seiner zwölfjährigen Amtszeit den Leistungssport im Tennisverband vernachlässigt zu haben. Unter von Waldenfels verschwanden vier von fünf Damen-Turnieren von der Bildfläche. Die wichtigsten Herren-Veranstaltungen, wie etwa der Klassiker am Hamburger Rothenbaum, büßten enorm an Bedeutung ein.

Mehrheit der Verbands-Stimmen im Vorfeld für Altenburg

Schon vor der Wahl hatten sich in Württemberg, Niedersachsen, Westfalen, Hessen, Baden, Niederrhein und Mittelrhein sieben der 18 Landesverbände gegen von Waldenfels und für Altenburg ausgesprochen. Wegen der unterschiedlichen Anzahl von Stimmen der Verbände - während Bayern 22 Stimmen hat besitzt zum Beispiel Thüringen nur eine - wäre Altenburg mit der besagten Unterstützung auf 66 Stimmen gekommen. Die absolute Mehrheit liegt bei 56 Stimmen.

Weil von Waldenfels auf eine erneute Kandidatur verzichtete, kam er nicht nur einer Kampfabstimmung gegen Altenburg zuvor, sondern auch einer sich abzeichnenden Niederlage. In seiner Abschiedsrede fand er selbstkritische Töne. Vielleicht sei es manchmal ein Fehler, zu lange ein Amt auszuüben. Von Waldenfels wünschte seinem Nachfolger Altenburg "für seine Präsidentschaft eine glückliche Hand".

Steeb neuer Vizepräsident, Stich in Berlin abwesend

Der neue Präsident kündigte an, den Verband modernisieren und einen hauptamtlichen Geschäftsführer installieren zu wollen. Als Vizepräsident Sport steht ihm künftig der frühere Davis-Cup-Teamchef Carl-Uwe Steeb zur Seite. "Ich denke, dass wir einiges bewegen können", sagte Steeb. Der DTB stehe auf einem "guten Fundament", mit Altenburg wolle er den Verband aber "in eine neue Richtung führen".

In den Wochen vor der Versammlung war auch immer wieder der Name Michael Stich als möglicher neuer DTB-Präsident gefallen. Der Wimbledonsieger von 1991 und derzeitige Rothenbaum-Turnierdirektor schwieg jedoch beharrlich zu dem Thema. Er würde das Amt übernehmen, wenn alle 18 Landesverbände hinter ihm stünden, wurde kolportiert. Doch Stich erklärte sich bis zuletzt nicht und blieb der Versammlung in Berlin fern.

ham/sid/dpa/dapd



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.