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Tennis-Hoffnung Görges Frankreich statt Freizeit

Tennis-Ass Görges: Jung, schön und erfolgreich
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Bongarts/Getty Images

Einen neuen Trainer verpflichtet, die Fitness verbessert, das Spiel umgestellt. Veränderungen, die Tennisspielerin Julia Görges die erfolgreichsten Wochen ihrer Karriere gebracht haben. Jetzt muss sich die 22-Jährige bei den French Open beweisen.

Wenn es bei den French Open in die entscheidende Phase geht, sind die deutschen Damen meist schon auf dem Heimweg. Das könnte in diesem Jahr anders laufen. Mit Andrea Petkovic und Julia Görges haben sich zwei deutsche Damen in den Fokus der Tenniswelt gespielt, die Hoffnungen auf große Erfolge in Paris zulassen. Erfolge, die die Tristesse bei den deutschen Damen endgültig beenden würden. Zuletzt hatte Steffi Graf 1999 mit dem Gewinn des Turniers für ein wirklich erwähnenswertes Ergebnis gesorgt.

Petkovic war besonders während der Ende April zu Ende gegangenen Hartplatzsaison erfolgreich, gewann am Samstag das Turnier von Straßburg. In den vergangenen Wochen auf Sand stach auch Görges hervor, die das stark besetzte Turnier in Stuttgart gewann und in Madrid ins Halbfinale einzog. Görges und Petkovic kennen sich aus Jugendzeiten, haben schon früh zusammen Turniere gespielt und sind weit entfernt von jeglicher Rivalität.

"Wir verstehen uns gut und liegen auf einer Wellenlänge. Es zählt eh nur die Weltrangliste. In Russland interessiert die deutsche Nummer eins niemanden", sagt Görges SPIEGEL ONLINE. Am Sonntag trifft sie auf die Schwedin Mathilde Johansson - auf dem Center Court.

"Das Interesse ist gestiegen"

Vor einem Jahr stand die 22-jährige Görges noch auf Rang 81 der Welt, hatte sich sechsmal gegen Top-Ten-Spielerinnen versucht und sechsmal verloren. Nun ist sie die Nummer 18 und hat auf dem Weg dahin die dänische Weltranglistenerste Caroline Wozniacki innerhalb von zwölf Tagen zweimal besiegt. Erfolge, die das Interesse an ihrer Person deutlich ansteigen ließen. Ihr neuer Manager Stephan Peplies machte sie direkt zum Gesicht eines Süßwarenherstellers und schloss einen Werbevertrag mit einem portugiesischen Sportresort ab.

"Ich merke schon, dass das Interesse gestiegen ist", so Görges, die den dezenten Aufschwung im deutschen Tennis nicht an ihrer Person festmacht: "Die Leute freuen sich, dass Tennis wieder populärer wird und mehr im Fernsehen gezeigt wird. Ob dann Andrea Petkovic, Florian Mayer, Sabine Lisicki oder Julia Görges spielt, ist denen nicht so wichtig."

Verantwortlich für Görges' Entwicklung ist Sascha Nensel. Der ehemalige Coach von Nicolas Kiefer trainiert die Rechtshänderin seit Ende 2008. Er brachte ihr bei, wie man als Profispielerin lebt, zeigte ihr, wie wichtig Fitness und Disziplin sind. Die Grundlagen, um ihr Spiel entscheidend zu verändern. "Ich war einfach nicht fit genug, um in den Top 100 zu bestehen. Ich konnte nur von der Grundlinie draufhauen und 'Bum-Bum' spielen. Heute warte ich länger ab, bis ich die Gewinnschläge probiere", erklärt Görges. Auch die Rückenprobleme, die sie zur Absage von den Turnieren in Rom und Brüssel zwangen, sind behoben. "Ich bin schmerzfrei. Es wird von Tag zu Tag besser, aber ich muss weiter daran arbeiten", sagt sie.

Auch mental verbessert

Görges arbeitete auch im mentalen Bereich, holte sich Hilfe von der ehemaligen Profispielerin Eva Pfaff. Besonders wenn es darum ging, einen Satz oder ein Match zu beenden, hatte die 22-Jährige oft Nerven gezeigt. Ende vergangenen Jahres verlor sie in Dubai gegen Sania Mirza einen Durchgang, nachdem sie 5:0 im Satz und 30:0 im Spiel geführt hatte. Mirza stand zu diesem Zeitpunkt nicht mal unter den besten 150 der Welt.

Eine Schwäche, die sie abgestellt hat. Zuletzt konnte sie gegen Caroline Wozniacki einen Durchgang im Tiebreak gewinnen. Klare Führungen nutzt sie mittlerweile regelmäßig zum Satzgewinn. "Es gilt nicht nur im mentalen Bereich, dass sich harte Arbeit immer irgendwann auszahlt. Dann laufen die Dinge automatisch ab und man erntet die Früchte", sagt Görges.

Doch sie weiß auch, dass es im Tennis schnell wieder nach unten gehen kann. Noch im Februar hatte sie gesagt, dass es für sie, wenn sie ihr Potential abruft, "nach oben überhaupt keine Grenzen" gibt. Es folgte eine Tour durch Süd- und Nordamerika, bei der sie zu Beginn in fünf Turnieren lediglich drei Spiele gewann. Auch bei ihrem Erfolg in Stuttgart hätte alles anders laufen können. In der zweiten Runde gab ihre Gegnerin Victoria Azarenka aus Weißrussland die Partie auf, nachdem sie den ersten Satz gewonnen hatte. "Darüber denke ich nicht nach. Es hätte ja auch noch einen zweiten und dritten Satz gegeben", gibt sich Görges selbstbewusst.

Tennis ist Tagesgeschäft. Wenige Punkte können eine Partie entscheiden, zwei gewonnene Matches einen großen Sprung im Ranking ausmachen. Görges weiß das, und setzt sich realistische Ziele. "Insgesamt habe ich bei Grand Slams ja noch nicht ganz soviel hervorgebracht. Wenn ich in Paris nun das Achtelfinale erreiche, wäre das sehr gut." Görges bleibt vorsichtig. Sie weiß, dass sie bisher bei den French Open immer längst ausgeschieden war, wenn es in die entscheidende Phase ging.

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Jahr Siegerin (Endspiel-Ergebnis)
2011 Li Na (6:4, 7:6 gegen Francesca Schiavone)
2010 Francesca Schiavone (6:4, 7:6 gegen Samantha Stosur)
2009 Swetlana Kusnetsowa (6:4, 6:2 gegen Dinara Safina)
2008 Ana Ivanovic (6:4, 6:3 gegen Dinara Safina)
2007 Justine Henin (6:1, 6:2 gegen Ana Ivanovic)
2006 Justine Henin (6:4, 6:4 gegen Swetlana Kusnetsowa)
2005 Justine Henin (6:1, 6:1 gegen Mary Pierce)
2004 Anastassija Myskina (6:1, 6:2 Jelena Dementjewa)
2003 Justine Henin (6:0, 6:4 gegen Kim Clijsters)
2002 Serena Williams (7:5, 6:3 gegen Venus Williams)
2001 Jennifer Capriati (1:6, 6:4, 12:10 gegen Kim Clijsters)
2000 Mary Pierce (6:2, 7:5 gegen Conchita Martínez)
1999 Steffi Graf (4:6, 7:5, 6:2 gegen Martina Hingis)
1998 Arantxa Sánchez-Vicario (7:6, 0:6, 6:2 gegen Monica Seles)
1997 Iva Majoli (6:4, 6:2 gegen Martina Hingis)
1996 Steffi Graf (6:3, 6:7, 10:8 gegen Arantxa Sánchez-Vicario)
1995 Steffi Graf (7:5, 4:6, 6:0 gegen Arantxa Sánchez-Vicario)
1994 Arantxa Sánchez-Vicario (6:4, 6:4 gegen Mary Pierce)
1993 Steffi Graf (4:6, 6:2, 6:4 gegen Mary Joe Fernández)
1992 Monica Seles (6:2, 3:6, 10:8 gegen Steffi Graf)
1991 Monica Seles (6:3, 6:4 gegen Arantxa Sánchez-Vicario)
1990 Monica Seles (7:6, 6:4 gegen Steffi Graf)





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