Tennis in Verruf McEnroe gibt früheres Doping zu

Jüngst hatte der positiv auf Doping getestete Tennisprofi Greg Rusedski verlauten lassen, mehrere Dutzend seiner Kollegen würden ähnliche Werte aufweisen. Ein ganz Großer des weißen Sports hat sich nun selbst geoutet. John McEnroe gestand, während seiner aktiven Zeit gedopt worden zu sein.


Dopingsünder McEnroe (bei seinem Wimbledonsieg 1981): "Bei Niederlagen ist er ausgerastet"
AP

Dopingsünder McEnroe (bei seinem Wimbledonsieg 1981): "Bei Niederlagen ist er ausgerastet"

London - "Die haben mir das Zeug gegeben und ich habe es sechs Jahre lang geschluckt, ohne zu wissen, was es ist", sagte McEnroe, "es waren so genannte legale Steroide. So etwas hat man früher Pferden gegeben und dann entschieden, dass die Mittel selbst für Pferde zu stark sind." Wen er mit "die" meinte, behielt McEnroe im Gespräch mit dem "Daily Telegraph" für sich: "Das spielt doch jetzt keine Rolle mehr."

McEnroes geschiedene Ehefrau Tatum O'Neal hatte ihrem Ex-Mann vergangenes Jahr vorgeworfen, ab 1988 Anabolika konsumiert zu haben und dabei extrem jähzornig geworden zu sein. "Bei Niederlagen ist er ausgerastet und hat mich und die Kinder für seinen Misserfolg verantwortlich gemacht", sagte die ehemalige Hollywood-Schauspielerin ("Paper Moon"). Sie habe ihn immer wieder gebeten, aufzuhören, weil er regelrecht gewalttätig geworden sei.

Mittlerweile hat McEnroe eine andere Einstellung zum Doping. "Ich würde nichts mehr nehmen, das ist klar", stellte der 44-Jährige fest. "Die Grenze zwischen den so genannten legalen Mitteln und den unerlaubten Substanzen ist völlig aufgeweicht, deshalb muss jeder Athlet umso genauer kontrollieren, was er zu sich nimmt", sagte der ehemalige Tennisprofi, der aber noch immer auf der Senioren-Tour der ATP spielt.

Harte Strafe für Rusedski gefordert

Viel zu schnell würden auch angeblich erlaubte Schmerzmittel und Entzündungshemmer verordnet, sagte McEnroe. "Und viel zu unkritisch werden sie von den Sportlern geschluckt", so der der dreimalige Wimbledonsieger. Am vergangenen Wochenende hatte Rusedski von "mindestens 47 doping-positiven Weltklasse-Spielern", gesprochen. Im Urin des 30 Jahre alten Briten waren Spuren von Nandrolon entdeckt worden.

McEnroe forderte die ATP auf, Rusedski hart zu bestrafen: "Wir haben viele Probleme im Tennis. Das ist das Letzte, was wir brauchen." Rusedski darf bis zu seiner Anhörung in Montreal am 9. Februar weiter spielen und gewann am Montag sein Erstrundenspiel beim Turnier in Sydney.



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