Wimbledon-Aus für Federer und Co.: Fall der Favoriten

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Aus der Tennis-Asse: Sieben auf einen Streich Fotos
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Gleich sieben Stars müssen sich nach der zweiten Runde vom bedeutendsten Tennisturnier der Welt verabschieden. Für das größte Aufsehen sorgte die Wimbledon-Pleite von Roger Federer. Auch bei den Frauen schieden zwei Favoritinnen aus - und schimpften über den Rasen.

Hamburg - "King Roger" wird er von den Fans ehrfurchtsvoll genannt, König von Wimbledon, und dieses Jahr sollte die endgültige Krönung bringen. Siebenmal hat Roger Federer das bedeutendste Tennisturnier bislang gewonnen, sein Ziel war die Titelverteidigung. Acht Triumphe, damit wäre er alleiniger Rekordhalter in London, Federers großer Traum ist vorerst geplatzt. Der Schweizer scheiterte in Runde zwei.

"Es ist enttäuschend und frustrierend, dass ich heute keine Mittel gefunden habe. Das tut sehr weh, hier zu verlieren", sagte Federer nach seiner 7:6, 6:7, 5:7, 6:7-Niederlage gegen Sergej Stachowski, den vor dem Match nur ausgewiesene Tennisexperten kannten. Der Ukrainer lief, kämpfte und beeindruckte mit altmodischem Serve-and-volley-Spiel. Federer lobte seinen Kontrahenten anschließend: "Er hat richtig gut gespielt, ich habe kein Mittel gegen sein Spiel gefunden."

Rund um den All England Lawn Tennis and Croquet Club im Südwesten Londons wurde nach dem Match über die Zukunft Federers diskutiert. Aus bei den Australian Open im Halbfinale, Pleite bei den French Open im Viertelfinale und nun das Scheitern in Runde zwei bei seinem Lieblingsturnier. Der Trend spricht gegen den bald 32 Jahre alten Schweizer.

Sieben frühere Weltranglistenerste ausgeschieden

"Ich werde weiter arbeiten und hoffentlich stärker zurückkommen. Ich habe noch Pläne, in den kommenden Jahren wiederzukommen", antwortete Federer trotzig auf die Fragen nach seiner Zukunft am Abend dieses schwarzen Mittwochs von Wimbledon. Denn neben Federer hatte es sechs weitere Spielerinnen und Spieler erwischt, die einmal die Nummer eins der Welt waren. Zuvor hatte es ja schon Rafael Nadal erwischt. Federers ewiger Kontrahent verlor am Montag sensationell sein Erstrunden-Duell gegen den Belgier Steve Darcis.

Das spektakulärste Match am Mittwoch war aus deutscher Sicht aber nicht Federers Pleite, sondern die Niederlage von Lleyton Hewitt, Wimbledon-Sieger 2002 und ein Jahr zuvor Weltranglistenerster. Der Australier verlor gegen den Qualifikanten Dustin Brown, 28 Jahre alt, Vater Jamaikaner, Mutter Deutsche, geboren in Celle. Noch nie hatte er die dritte Runde eines Grand-Slam-Turniers erreicht, nach dem 6:4, 6:4, 6:7, 6:2-Sieg gegen Hewitt war es so weit. "Ich bin normalerweise nicht so der Typ, der weint", sagte Brown anschließend mit Tränen in den Augen, sichtlich gerührt von seinem Erfolg.

Scharapowa schimpft über den Rasen in Wimbledon

Bei den Frauen mussten sich gleich fünf Profis verabschieden, die in der Weltrangliste einst ganz oben standen. Die Dänin Caroline Wozniacki verlor gegen Petra Cetkovska aus Tschechien (2:6, 2:6), die Serbinnen Ana Ivanovic (3:6, 3:6 gegen Eugenie Bouchard aus Kanada) und Jelena Jankovic (5:7, 2:6 gegen die Serbin Vesna Dolonc) schieden ebenfalls aus. Die Weißrussin Viktoria Asarenka trat wegen einer Knieverletzung gar nicht erst gegen die Italienerin Flavia Pennetta an.

Die größte Sensation bei den Frauen war jedoch das Aus von Top-Favoritin Maria Scharapowa. Die Russin verlor gegen Michelle Larcher de Brito aus Portugal (3:6, 4:6) und schimpfte anschließend über den Rasenbelag: "Dieser Platz ist gefährlich, weil er rutschig ist", sagte Scharapowa, die im Match dreimal ausgerutscht war und behandelt werden musste. Zuvor hatte schon Asarenka angegeben, ihre Knieverletzung sei Folge ihres Erstrunden-Matches, bei dem sie mehrfach gestürzt war.

Unterstützung bekamen die beiden Top-Favoritinnen von Trainer-Legende Nick Bollettieri: "Auf diesem Gras ist es schwierig, Halt zu bekommen. Es wird hier weiter Gesprächsthema sein." Wimbledon-Chef Richard Lewis entgegnete: "Viele Spieler haben uns zum Zustand des Rasens gratuliert. Er ist trocken und fest, genau wie im vergangenen Jahr."

Nach Scharapowas Pleite und Asarenkas Aufgabe dürfte der Weg frei sein für Titelverteidigerin Serena Williams. Bei den Männern trifft dies auf Novak Djokovic zu, dem nach Nadal nun auch Federer nicht mehr in die Quere kommen kann. Der 26 Jahre alte Serbe gilt, vor allem vor dem Hintergrund von Nadals chronischen Knieproblemen, als Nachfolger Federers, was die Athletik und Vielseitigkeit angeht. Djokovic ist auf jedem Belag ein potentieller Champion, in Wimbledon siegte er 2011.

Es war auch das Jahr, als viele Experten das Ende von Federers großer Karriere prophezeit hatten. 2011 hatte er erstmals seit neun Jahren kein Grand-Slam-Turnier gewonnen. Doch der Schweizer strafte damals alle Kritiker ab. Seine Antwort auf den Abgesang war der Wimbledon-Triumph vergangenes Jahr, die Rückkehr des Königs.

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Der Rasen?
Kudi 27.06.2013
Der Rasen ist ja in jedem Match für beide Spieler/innen der selbe. Es kommt also darauf an, wie man sich auf den Rasen einstellt. Wer verliert, hat sich eben nicht (so) gut eingestellt.
2. Federer...
ray4912 27.06.2013
Zitat von sysopGleich sieben Stars müssen sich nach der zweiten Runde vom bedeutendsten Tennisturnier der Welt verabschieden. Für das größte Aufsehen sorgte die Wimbledon-Pleite von Roger Federer. Auch bei den Frauen schieden zwei Favoritinnen aus - und schimpften über den Rasen. Tennis: In Wimbledon scheitern viele Stars schon in Runde zwei - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/sonst/tennis-in-wimbledon-scheitern-viele-stars-schon-in-runde-zwei-a-908107.html)
... der grösste Tennisspieler aller Zeiten, der nach Forbes weitaus einflussreichste Sportler der Welt, könnte ruhig zurücktreten. Nach seiner Spielerkarriere verlöre er kein Jota von seinem für die Sponsoren offenbar fast unbezahlbaren Wert. Er erinnert mich an das, was ein Beckham geschafft hat, ohne nur annähernd einer der besten Fussballspieler der Welt je gewesen zu sein. Federers zweiwöchige "Abschiedstournee zu Lebenszeiten" in Südamerika soll ihm 14 Mio eingebracht haben. Wenn er mehr Zeit hätte und erstmal seine Abermillionen Fans in China und Japan beglückte....;-) Allerdings wird er noch bleiben, aus Liebe zum Spiel, das er nicht mehr nötig hat. Und den Fehler, jemals einen Spielbelag oder andere Leistungen der Turnierveranstalter nur ansatzweise zu kritisieren, hat er in 10 Jahren vermieden.
3. Rasen
Pamplona 27.06.2013
Tja, jetzt ist der Rasen schuld - aber der ist für alle gleich grün und gleich rutschig !
4. der König in Rente?
lubel 27.06.2013
Als Fan hoffe ich natürlich, dass Federer weitermacht und auch zu seiner Form zurückfindet um große Erfolge zu feiern! Das ist auch nach wie vor möglich, auch wenn er mehr arbeiten muss... ray4912 hat absolut Recht: Federer vermeidet unnötige Ausreden über den Rasen etc., denn er ist ein Tennisspieler mit Stil! Vorbildlich!
5. Seltsame Maßstäbe
weltoffener_realist 27.06.2013
Zitat von sysopRund um den All England Lawn Tennis and Croquet Club im Südwesten Londons wurde nach dem Match über die Zukunft Federers diskutiert. Aus bei den Australian Open im Halbfinale, Pleite bei den French Open im Viertelfinale und nun das Scheitern in Runde zwei bei seinem Lieblingsturnier. Der Trend spricht gegen den bald 32 Jahre alten Schweizer.
Soso, das Halbfinale bei den Australian Open und das Viertelfinale bei den French Open zu erreichen, sind natürlich beschämend schlechte Leistungen(?) Solange ein Tennisspieler zu solchen Topleistungen im Stande ist, gibt es m.E. keinerlei Gründe für einen Rücktritt
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1933: Gottfried von Cramm und Hilde Krahwinkel-Sperling

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Jahr Männer Frauen
2013 Andy Murray Marion Bartoli
2012 Roger Federer Serena Williams
2011 Novak Djokovic Petra Kvitová
2010 Rafael Nadal Serena Williams
2009 Roger Federer Serena Williams
2008 Rafael Nadal Venus Williams
2007 Roger Federer Venus Williams
2006 Roger Federer Amélie Mauresmo
2005 Roger Federer Venus Williams
2004 Roger Federer Marija Scharapowa
2003 Roger Federer Serena Williams
2002 Lleyton Hewitt Serena Williams
2001 Goran Ivanisevic Venus Williams
2000 Pete Sampras Venus Williams