Indian-Wells-Finalistin Osaka  Wirr und erfolgreich

Naomi Osaka steht überraschend im Finale von Indian Wells. Die 20 Jahre alte Japanerin gilt als neuer Typ der Szene. Der Erfolg fühle sich einsam an, sagt sie. Aber immerhin: "Es ist eine Menge Sushi übrig."

Naomi Osaka
DPA

Naomi Osaka


Sascha Bajin kennt sich aus im Frauentennis. Er war lange Zeit der Trainingspartner von Serena Williams, drei Jahre lebte er mit der besten Spielerin aller Zeiten unter einem Dach. Bajin betreute danach Victoria Azarenka, Sloane Stephens und Caroline Wozniacki, die er im Vorjahr wieder in die Weltspitze führte. Seit dieser Saison trainiert er Naomi Osaka. Seither läuft es bei der 20-Jährigen. Denn: "Er ist endlich einer, der meine Witze versteht", sagte sie.

Osaka kommt aus Japan, ist aber schon früh nach New York gezogen und lebt nun in Florida. Sie vermittelt gerne den Eindruck, als wisse sie selbst nicht recht, was das Theater um sie soll. In dieser Woche aber ist der Rummel berechtigt: Sie steht im Finale von Indian Wells (Sonntag, 19 Uhr MEZ), dem Turnier in der kalifornischen Wüste, das inoffiziell als fünfter Grand Slam bezeichnet wird.

Auf dem Weg dorthin hat sie Maria Sharapova, Agnieszka Radwanska und Karolina Pliskova geschlagen, alle in zwei Sätzen. Im Halbfinale besiegte sie die Nummer eins der Welt, Simona Halep, mit 6:3, 6:0.

Osaka spielte wie sie redet: wirr und unstrukturiert

Osaka gilt als frischer Typ in der Szene. In den sozialen Medien werden ihre wirren Gedanken und Antworten bei Pressekonferenzen gefeiert. Auf die Frage, wie es denn sei, bei einem Turnier dieser Größenordnung im Endspiel zu stehen, antwortete sie etwa: "Es fühlt sich einsam an, es ist ja keiner mehr da. Das ist schön, aber auch irgendwie traurig, weil du keinen mehr zum Reden hast. Aber sonst ist es cool, denn das ganze Sushi … es ist eine Menge Sushi übrig."

Bis vor einiger Zeit war Osakas Tennis ähnlich angelegt wie ihre Sushi-Antwort: teilweise unstrukturiert. Osaka verfügt über einen schnellen Armzug, der ihr mächtig Power liefert, sie kann den Ball aus dem Nichts immens beschleunigen. Damit hat sie beeindruckende Siege gefeiert, wie gegen Angelique Kerber im Vorjahr bei den US Open. An anderen Tagen aber war diese Power zu viel.

Bajin hat neben Osakas Witzen auch schnell verstanden, worauf es sportlich bei ihr ankommt. Osaka müsse lernen, ihre Power richtig einzusetzen. "Wenn sie dafür mehr Verständnis bekommt, dann haben wir den nächsten Champion", prophezeite er vor ein paar Wochen.

Trickreich und mit Gefühl: Das ist Gegnerin Kasatkina

Osaka, ab Montag erstmals unter den Top 30 notiert, setzte Bajins Tipps in Indian Wells perfekt um. Sie schlug nach wie vor mit rund 200 Stundenkilometer auf und spielte ihre Punkte aggressiv, aber eben auch geduldiger heraus. Sie wartete auf die optimale Chance, um zum Gewinnschlag anzusetzen und versuchte es nicht gleich bei der ersten Gelegenheit.

Daria Kasatkina
AP

Daria Kasatkina

Genau hierauf wird es für Osaka im Finale ankommen. Gegnerin Daria Kasatkina, ebenfalls 20 Jahre alt und bereits unter den Top 20 der Weltrangliste, steht fast ebenso sensationell im Endspiel. Sie hat US-Open-Siegerin Sloane Stephens, Australian-Open-Siegerin Caroline Wozniacki, Kerber und Venus Williams aus dem Weg geräumt. Oder besser gesagt: ausgespielt. Denn wenn Osaka für Powertennis steht, steht Kasatkina für die feine Klinge.

Ihr Spiel wirkt aus der Zeit gefallen, Tennis-Romantiker schwärmen

Kasatkina beherrscht alle Schläge aus dem Tennis-Lehrbuch. Wo heutzutage fast alle Spielerinnen mit schnellen Vor- und Rückhänden auskommen und aus jeder Position des Platzes punkten wollen, nimmt sich Kasatkina die Zeit, einen Ballwechsel aufzubauen. Sie versetzt den einen Ball mit Spin und Winkel, den nächsten mit Slice, um dann den gefühlvollen Stopp anzusetzen oder am Netz abzuschließen. Ihr Spiel wirkt wie aus der Zeit gefallen, Tennis-Romantiker schwärmen von ihr.

Im Finale von Indian Wells spielen beide nun um ihren größten Titel, es wird ein Spiel der Gegensätze - Powerfrau Osaka gegen Künstlerin Kasatkina - meist ein Garant für großes Tennis.

Vor einer Woche standen beide schon einmal gemeinsam auf dem Platz. Im Training hatte Osaka sich an einem Trickschlag versucht, dem Tweener, einem Schlag durch die Beine, mit dem Rücken zum Netz. Er gelang ihr nicht - und Kasatkina gab Nachhilfe. Im Finale kann Osaka darauf nicht mehr hoffen.

Mehr zum Thema


insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Andiken 18.03.2018
1. Vorfreude auf ein Damentennisspiel !!!
Das war bis vor kurzem noch undenkbar, dass ICH mich auf ein Damentennisspiel freue. Aber was diese beiden in diesem Turnier bisher gezeigt haben, war sensationelles Tennis. Ich habe mir z.B. das Spiel Serena gg Venus Williams genau 2 Spiele lang angeschaut, danach grlangweilt abgeschaltet - ewig lange Pausen vor den Aufschlägen, langweilige, da vorhersehbare Ballwechsel. Ganz anders bei den Finalisten : tolles, schnelles Tennis mit irren, überraschenden Schlägen, tollen Winkeln und Spielwitz. Das ist Tennis. Anschauen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.