Miami-Finalist Isner Der Alles-oder-nichts-Profi

Wuchtige Aufschläge, keine Schönspielerei - dafür ist der 2,08 Meter große John Isner bekannt. Nun könnte sich sein Stil auszahlen: In Miami steht der US-Amerikaner vor dem größten Erfolg seiner Karriere.

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Tennis kann ein so schöner Sport sein. Es gibt Spieler, die Zuschauer von den Sitzen reißen, indem sie aussichtslose Bälle aus den hintersten Ecken des Platzes kratzen. Es gibt Spieler, die die Kunst beherrschen, jeden noch so schwierigen Schlag besonders leicht aussehen zu lassen. Und es gibt John Isner. Der 32 Jahre alte US-Amerikaner legt keinen Wert auf schöne Ballwechsel und große Emotionen. Vielmehr geht es Isner um den bloßen Punktgewinn. Wie er zustande kommt, spielt für ihn keine Rolle.

Isner steht trotz seines mitunter drögen Spielstils zum dritten Mal in seiner Karriere in einem Masters-Endspiel. In Miami setzte sich der 2,08 Meter große Aufschlagspezialist im Halbfinale deutlich gegen Juan Martin del Potro durch (6:1, 7:6), nachdem dieser zuvor 15 Spiele in Folge ungeschlagen geblieben war. Isner agierte kompromisslos - wenn es seinem Gegner dann doch gelang, den gewaltigen Aufschlag zu retournieren, schlug es direkt ein weiteres Mal ein.

Nach dem ersten Satz kam der Weltranglisten-17. auf 19 direkte Punkte - del Potro gelang kein einziger sogenannter Winner. Im zweiten Satz deutete Isner dann an, wozu er an guten Tagen in der Lage ist. Beim Stand von 1:2 schlug bei seinem Gegner eine Vorhand mit 188 km/h ein - der Ball war mit bloßem Auge kaum zu sehen.

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Tennisprofi Isner: Das Aufschlagwunder

Isner steht kurz vor einem besonderen Jubiläum

Im Finale geht es am Sonntag (19 Uhr MESZ) gegen Deutschlands Tennis-Hoffnung Alexander Zverev, dem der Spanier Pablo Carreño Busta im Semifinale ebenfalls wenig Probleme bereitete. Für den 20-Jährigen wäre es bereits der dritte Triumph bei einem Event der Masters-Serie, Isner hingegen steht vor dem größten Erfolg seiner elfjährigen Profi-Laufbahn.

Isner fühlt sich vor allem auf den Plätzen in seinem Heimatland wohl. Zehn seiner zwölf Turniersiege feierte er in den Vereinigten Staaten, von den zwölf Finals, die er bislang verloren hat, fanden ebenfalls zehn auf heimischem Boden statt. Bei den US Open in New York erreichte er mit dem Viertelfinaleinzug 2011 sein bestes Grand-Slam-Ergebnis. Doch um seine Karriere zu krönen, muss ein Sieg bei einem Masters her. Gegen Zverev soll es so weit sein.

Dass er besonders gerne in den USA spielt, ist kein Zufall. Isner wurde im Gegensatz zu vielen anderen Landsmännern behutsam an die Tennis-Welt herangeführt. Bis zu seinem 22. Lebensjahr nahm er für die University of Georgia erfolgreich an den Turnieren der College-Meisterschaft teil. Erst 2007 gelang ihm der Sprung auf die Profitour. Nach schnellen Erfolgen auf der weniger gut besetzten Future- und Challenger-Serie machte Isner vor allem durch seinen unglaublichen Aufschlag auf sich aufmerksam.

Mittlerweile steht Isner kurz davor, als erst vierter Spieler sein insgesamt 10.000. Ass zu servieren. Unvergessen ist bis heute sein Match gegen Nicolas Mahut in Wimbledon 2010. Im längsten Match der Tennis-Geschichte (11:05 Stunden), welches Isner am Ende gewinnen konnte, gelangen ihm allein 112 Asse. Dank seiner besonderen Waffe erfordert es auch heute noch Geduld, auf seine Chance gegen Isner zu lauern. In 91 Prozent der Fälle gewinnt der US-Amerikaner sein Aufschlagspiel.

Im Endspiel wartet Isners Angstgegner

Bei all der Reduzierung auf seinen Paradeschlag, kommen Isners andere Stärken zu kurz. Seine Vorhand zählt an manchen Tagen zu den schnellsten, auch sein Spiel am Netz ist für einen Spieler seiner Größe ordentlich. Seine Schwächen werden deutlich, wenn Isner in lange Ballwechsel verwickelt wird: Die Beinarbeit bereitet ihm Probleme, wegen seiner Größe hat er immer wieder mit Rücken- und Knieverletzungen zu kämpfen.

Um das zu vermeiden, spielt Isner geradliniger und konsequenter als je zuvor. Im Viertelfinale von Miami ließ er Hyeong Chung, einem exzellenten Grundlinienspieler, zu keinem Zeitpunkt in seinen Rhythmus kommen. Schon nach 69 Minuten musste sich der Halbfinalist der Australian Open geschlagen geben. Isner spielt momentan in der Form seines Lebens.

Durch einen Erfolg im Finale von Miami könnte er bis auf Rang neun der Weltrangliste vorrücken. Doch mit Zverev wartet ein Angstgegner auf Isner. In drei Begegnungen gewann jeweils der zwölf Jahre jüngere Deutsche - unter anderem in einem Tie-Break-Krimi in Miami vor exakt einem Jahr. Eine Revanche unweit seines Wohnsitzes in Tampa Bay wäre für Isner die perfekte Art, seine Karriere zu krönen.



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richey_edwards 01.04.2018
1.
Finde Isner spielt nicht dröge. Er wirkt auf mich auch nicht emotionslos, eher konzentriert. Wie er die argentinischen Fans gegen Delpo ignoriert hat war top. Mein Eindruck ist auch dass er auf den Punkt mental sehr stark ist, deshalb gewinnt er oft den Tie-Break. Könnte ein gutes Spiel werden heute Abend. Wenn Isner gut drauf ist muss Zverev alles abrufen.
Sibylle1969 01.04.2018
2.
Ohne seinen Aufschlag wäre John Isner nie im Leben bis in die Top 10 der Weltrangliste gekommen. Denn seine übrigen Schläge sind definitiv nicht Weltklasse, die Vorhand ist allenfalls solide. An Tagen, wo sein Aufschlag mal nicht funktioniert, verliert er oft sang- und klanglos gegen Spieler, die in der Weltrangliste hinter ihm stehen. Und wenn Isner gegen einen Top-Spieler mal gewinnt, dann meistens 7:6, 7:6. Denn weil ihm die spielerischen Möglichkeiten fehlen, Punkte gegen Gegner herauszuspielen, die viel zurückbringen, mangelt es ihm an Gelegenheit, auch beim Aufschlag des Gegners zu punkten, und daher gewinnt er seine Sätze meistens im Tie-Break. Hat es der Gegner geschafft, Isner zu breaken (das geht nur, wenn er mehrmals in seinem Service-Game über den zweiten Aufschlag gehen muss), dann gewinnt der Gegner auch meistens den Satz. Gegen Isner ist es für jeden Gegner wichtig, den eigenen Aufschlag um jeden Preis zu halten und darauf zu warten, dass der erste Aufschlag bei Isner mal ein, zwei Games nicht kommt.
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