Lisickis Finalniederlage: Gescheitert an den eigenen Nerven

Von Philipp Joubert, London

Siegerin Bartoli (l.), Lisicki: Der Aufschlag war entscheidend Zur Großansicht
AFP

Siegerin Bartoli (l.), Lisicki: Der Aufschlag war entscheidend

Sabine Lisicki hat die Tennisfans in Wimbledon mit ihrem Angriffstennis und ihrer positiven Persönlichkeit verzaubert. Doch ausgerechnet im Finale zeigte die 23-Jährige Nerven - aus ihren großen Stärken wurden Schwächen.

Serena Williams war frustriert, auch Agnieszka Radwanska konnte es nicht fassen. Beide hatten Sabine Lisicki in den vergangenen zwei Wochen am Rande der Niederlage. Doch immer wieder fand die Deutsche mit Hilfe ihres dominanten Aufschlags und ihrer guten Nerven einen Weg zurück ins Match.

Auch im Finale gegen Marion Bartoli startete Lisicki selbstbewusst. Schon beim zweiten Punkt schlug sie einen Return-Gewinnschlag, zwang Bartoli mit guter Defensive im nächsten Ballwechsel zu einem Fehler. Die Französin gab ihren Aufschlag daraufhin mit zwei Doppelfehlern ab.

Der Anfang zur Sensation schien gemacht, doch dann war es die Deutsche, die trotz des positiven Starts nicht ins Match fand. Schnell zeigten sich die Probleme, die sie letztendlich das Finale kosten sollten.

Wie schon im zweiten Satz gegen Radwanska hatten Lisickis Nerven Auswirkungen auf ihren Ballwurf. Die 23-Jährige, deren Aufschlag die Grundlage ihres Spiels bildet, fand einfach keinen Rhythmus.

Fotostrecke

14  Bilder
Lisickis Final-Pleite: Nervös, gefrustet, in Tränen
Immer wieder landete der Ball beim Wurf zu weit hinter dem Kopf. Bartoli, die wohl aggressivste Return-Spielerin der Damentour, nutzte Lisickis Probleme kompromisslos aus und setzte die Deutsche mit fast jedem Return sofort unter Druck.

Am Ende des ersten Satzes hatte Lisicki nur 29 Prozent der Punkte hinter dem ersten Aufschlag gewonnen. Auf dem Weg zum Finale hatte dieser Wert bei 70 Prozent gelegen.

Bartoli, die ihr erstes Wimbledon-Finale 2007 gegen Venus Williams verloren hatte, wusste schon vor dem Match, dass dies ihre vielleicht einzige Chance auf einen Grand-Slam-Titel war: "Ich will einfach alles, was ich habe, auf dem Platz geben, will nach dem Match nichts bereuen müssen."

So spielte sie dann auch. Bei jeder Gelegenheit übernahm Bartoli die Kontrolle im Ballwechsel, spielte flache, schnelle Bälle, die kaum vom Rasen absprangen, zwang Lisicki so immer wieder in die Defensive. Die Französin antizipierte Lisickis gefürchtete Stoppbälle und servierte nach den Doppelfehlern im ersten Spiel äußerst solide.

Bartoli siegt dank ihres ungewöhnlichen aber effektiven Spiels

Auch zu Beginn des zweiten Satzes hatte Lisicki ihre Chancen, doch wieder war es Bartoli, die die Initiative übernahm. Vier Break-Chancen wehrte sie beim Stand von 1:0 für Lisicki ab und zeigte dabei ihre große Stärke: ihre harten Grundschläge landeten zentimetergenau in den Ecken des Platzes, wenn es sein musste auch fünf-, sechsmal am Stück. Leichte Fehler machte sie, im Gegensatz zu Lisicki, trotz des hohen Risikos kaum.

Als Lisicki nach einer Stunde bei 1:6 und 1:5 zwei Matchbälle gegen sich hatte, zeigte sie unter dem Jubel des Publikums noch einmal, warum sie es ins Finale geschafft hat. Sie variierte ihren Aufschlag, mal schnell durch die Mitte, dann mit viel Schnitt nach außen. Sie kam ans Netz, um den Court für die Französin kleiner zu machen. Vor allem aber bewegte sie sich endlich besser und schickte Bartoli, die mit ihren beidhändigen Schlägen eine begrenzte Reichweite hat, von Seite zu Seite. Innerhalb von zehn Minuten holte die Berlinerin von 1:5 auf 4:5 auf.

Doch Marion Bartoli ließ sich ihre Chance nicht entgehen, servierte mit viel Präzision und schloss das Match mit einem Ass gegen die Asskönigin Lisicki ab.

Bartoli, die neben dem Platz so energiegeladen ist, wie sie auf dem Court spielt, dankte bei der Trophäenübergabe vor allem ihrem Vater. Zusammen mit ihm hat sie über zwei Jahrzehnte ein ungewöhnliches aber effektives Spiel entwickelt, das sie am Ende dieses verrückten Wimbledon-Turniers zu einer der größten Überraschungssiegerinnen der vergangenen Jahrzehnte macht.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Sport
Twitter | RSS
alles zum Thema Wimbledon 2013
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Von Federer bis Connors: Die Helden von Wimbledon
Tweets zum Wimbledon-Finale der Damen

Alle deutschen Wimbledon-Sieger
AP
Dameneinzel
1996: Steffi Graf
1995: Steffi Graf
1993: Steffi Graf
1992: Steffi Graf
1991: Steffi Graf
1989: Steffi Graf
1988: Steffi Graf
1931: Cilly Aussem

Damendoppel
1988: Steffi Graf und Gabriela Sabatini
1987: Claudia Kohde-Kilsch und Helena Suková

Herreneinzel
1991: Michael Stich
1989: Boris Becker
1986: Boris Becker
1985: Boris Becker

Herrendoppel
2010: Philipp Petzschner und Jürgen Melzer
1992: Michael Stich und John McEnroe

Mixed
2009: Anna-Lena Grönefeld und Mark Knowles
1933: Gottfried von Cramm und Hilde Krahwinkel-Sperling
Die Wimbledon-Sieger seit 2000
Jahr Männer Frauen
2013 Andy Murray Marion Bartoli
2012 Roger Federer Serena Williams
2011 Novak Djokovic Petra Kvitová
2010 Rafael Nadal Serena Williams
2009 Roger Federer Serena Williams
2008 Rafael Nadal Venus Williams
2007 Roger Federer Venus Williams
2006 Roger Federer Amélie Mauresmo
2005 Roger Federer Venus Williams
2004 Roger Federer Marija Scharapowa
2003 Roger Federer Serena Williams
2002 Lleyton Hewitt Serena Williams
2001 Goran Ivanisevic Venus Williams
2000 Pete Sampras Venus Williams