Tennis-Star Lisicki: Und jetzt die Nummer eins
Ein Turnier hat ausgereicht, um Sabine Lisicki zum neuen Sportstar Deutschlands werden zu lassen. Bei ihrem ersten Medienauftritt seit dem Wimbledon-Finale scheint ihr der Hype um ihre Person allerdings wenig auszumachen. Im Gegenteil: Sie peilt schon das nächste große Ziel an.
Da ist sie also, die Frau, die jetzt jeder zu kennen glaubt. "Bum-Bum-Bine", die "Tennis-Prinzessin aus dem Plattenbau", "die Frau, die lacht", "das schöne Mädchen, das zurückschlägt". Sabine Lisicki, 23 Jahre alt aus Berlin-Hohenschönhausen, sind in diesen vergangenen Tagen, in denen sich Deutschland in ein Lisicki-Land verwandelte, eine Menge Beinamen verpasst worden. Eigentlich zu viele für eine Frau, die die Begleiterscheinungen des plötzlichen Ruhms jetzt erst mit voller Wucht zu spüren bekommt.
Es gibt wahrscheinlich Leichteres, als damit klarzukommen. Aber Lisicki, seit dem Wimbledon-Turnier 2013 der neue Tennisstar des Landes, versucht es.
"Ich freue mich einfach auf alles, was jetzt passieren wird", sagt sie am Montag in Berlin bei ihrem ersten großen Medienauftritt, seitdem sie am Samstag das Frauen-Endspiel gegen die Französin Marion Bartoli verloren hatte. Der Rummel um ihre Person, der urplötzlich wieder aufflammende Boom um die in Deutschland mehrfach totgesagte Sportart Tennis sei "eine Überraschung" für sie gewesen. Aber eine Überraschung, die sie augenscheinlich schnell verarbeitet hat.
"Top Ten sind nur ein Zwischenziel"
Lisicki wirkt auch am Montag angenehm normal. Dazu gehört, offen einzuräumen, dass "ich im Finale irgendwann die Freude am Spiel verloren habe, als nichts mehr funktionierte". Und dazu gehört wohl auch, ohne überschwängliche Bescheidenheit zu verkünden: "Mein Traum ist ganz klar die Nummer eins der Welt zu werden. Unter die Top Ten zu kommen ist nur ein Zwischenziel." Das mag sich für eine 18. der aktuellen Weltrangliste hochgegriffen anhören. Aber wer die unbestritten Weltbeste Serena Williams auf deren Lieblingsbelag Gras schlägt, wer zudem um die Leistungsdichte im Frauentennis weiß, für den scheint ein solches Ziel erreichbar.
Im Frauentennis ist wieder einmal vieles in Bewegung. Da kann man schnell unter die ersten fünf kommen, man kann auch genauso schnell wieder aus der Weltspitze verschwinden. Lisickis Kollegin Angelique Kerber macht derzeit diese schmerzliche Erfahrung, die verletzungsgeplagte Andrea Petkovic hat sie bereits hinter sich. Lisicki kann das auch passieren, aber sie sagt: "Ich bin immer an Niederlagen gewachsen, und die Niederlage von Samstag wird mir eher noch mehr Kraft geben."
Dass der Lisicki-Hype der Vorwoche schnell wieder vorbei sein kann, das ist auch ihr bewusst: "Der Alltag wird relativ schnell wieder eintreffen." Ob das tatsächlich so ist, wird sich wohl schon in der kommenden Woche erweisen. Wenn sie die Vorbereitung auf die Hartplatzsaison aufnimmt, ist sie nicht mehr irgendeine Spielerin aus den ersten 30 dieser Welt. Sie ist die Wimbledon-Finalistin, und ihre Gegnerinnen werden sie künftig noch ernster nehmen.
Sie weiß genau, was sie zu sagen hat
Bis dahin jedoch gibt es erst einmal eine Menge Interviews in dieser Woche, danach ein paar Tage Urlaub - "der Schläger bleibt dann definitiv daheim" - bevor die Vorbereitungen auf die US Open im September beginnen. Die Medienarbeit absolviert sie vollständig routiniert, als hätte sie nie anderes getan. Lisicki weiß sehr genau, was sie zu sagen hat. Das klingt keineswegs auswendig gelernt, aber den Beifall hat sie mit fast jeder ihrer Äußerungen sicher.
Dazu gehört in ihrer Heimatstadt Berlin natürlich auch, zu bemerken, dass "es nichts Schöneres für mich gäbe, als in Berlin irgendwann mal ein Rasenturnier zu bestreiten". Dass es "stimmt, dass ich eine Grasallergie habe". Dass es "super ist, dass sich wieder so viele Menschen für Tennis begeistern". Dass es "wichtig wäre, wenn die Öffentlich-Rechtlichen in Zukunft wieder mehr Tennis zeigen würden". ARD-Mann Claus Lufen, der die Pressekonferenz leitet und dessen Sendeanstalt dem Bezahlsender Sky die Liveübertragung am Samstag überlassen musste, lässt diesen Satz besser unkommentiert.
"Bild"-Kolumnist Franz-Josef Wagner hat Lisicki dieser Tage mehrere, wenn auch leicht klebrige Liebesbriefe gewidmet, ihr alter Verein LTTC Rot-Weiß Berlin erwägt derzeit, einen Platz auf der Anlage am Grunewald nach ihr zu benennen. Am Montag wird sie gefragt, "ob sie sich freuen würde, wenn das britische Prinzenpaar William und Kate ihr Baby Sabine taufen würde". Auf diese Frage kann Lisicki fast gar nicht antworten, so muss sie losprusten.
Sie ist eben die Frau, die lacht. Und derzeit hat sie alles Recht dazu.
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| Die Wimbledon-Sieger seit 2000 | ||
| Jahr | Männer | Frauen |
| 2013 | Andy Murray | Marion Bartoli |
| 2012 | Roger Federer | Serena Williams |
| 2011 | Novak Djokovic | Petra Kvitová |
| 2010 | Rafael Nadal | Serena Williams |
| 2009 | Roger Federer | Serena Williams |
| 2008 | Rafael Nadal | Venus Williams |
| 2007 | Roger Federer | Venus Williams |
| 2006 | Roger Federer | Amélie Mauresmo |
| 2005 | Roger Federer | Venus Williams |
| 2004 | Roger Federer | Marija Scharapowa |
| 2003 | Roger Federer | Serena Williams |
| 2002 | Lleyton Hewitt | Serena Williams |
| 2001 | Goran Ivanisevic | Venus Williams |
| 2000 | Pete Sampras | Venus Williams |
1996: Steffi Graf
1995: Steffi Graf
1993: Steffi Graf
1992: Steffi Graf
1991: Steffi Graf
1989: Steffi Graf
1988: Steffi Graf
1931: Cilly Aussem
Damendoppel
1988: Steffi Graf und Gabriela Sabatini
1987: Claudia Kohde-Kilsch und Helena Suková
Herreneinzel
1991: Michael Stich
1989: Boris Becker
1986: Boris Becker
1985: Boris Becker
Herrendoppel
2010: Philipp Petzschner und Jürgen Melzer
1992: Michael Stich und John McEnroe
Mixed
2009: Anna-Lena Grönefeld und Mark Knowles
1933: Gottfried von Cramm und Hilde Krahwinkel-Sperling
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