French-Open-Überraschung Marterer Der Trainingsweltmeister

Im Achtelfinale wartet der Sandplatzkönig: Maximilian Marterer trifft im größten Spiel seiner noch jungen Karriere auf Rafael Nadal. Noch vor fünf Jahren hatte er dem Spanier dabei geholfen, sein Spiel zu verbessern.

Maximilian Marterer
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Es gehört zu den angenehmen Dingen im Leben von Rafael Nadal, wenn er Menschen mit einer kleinen Geste eine große Freude bereiten kann. Im Anschluss an seinen Dreisatzsieg gegen Richard Gasquet in der dritten Runde der French Open spielte der spanische Superstar mit einem Balljungen ein paar Bälle über das Netz des größten Tennisplatzes in Paris. Der sichtlich begeisterte Junge wird diesen Moment nie vergessen. Dass Nadal vor nicht allzu langer Zeit seinem heutigen Achtelfinalgegner einen ähnlich schönen Moment bescherte, könnte der spanische Sandplatzkönig schon vergessen haben.

2013 war der Weltranglistenerste so angetan von den Fähigkeiten eines damals noch unbekannten jungen Deutschen, dass er ihn mehrfach als sogenannten "Hitting Partner" buchte. Die Rede ist von Maximilian Marterer. Jener Spieler, der nach drei Siegen erstmals in seiner Karriere im Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers steht und Nadal als sein Kindheitsidol bezeichnet. Marterer ist nun kein Trainingspartner des Titelverteidigers mehr, er ist ein echter Gegner auf dem Weg zum elften Titel in Paris für Nadal.

Maximilian Marterer bei den French Open
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Maximilian Marterer bei den French Open

Marterer hat es mit etwas Verspätung geschafft, sein Potenzial komplett abzurufen. Der 22-Jährige, der nach dem Turnier erstmals auch offiziell zu den besten 50 Spielern der Welt gehören wird, schlug auf dem Weg ins Achtelfinale Ryan Harrison (USA), Denis Shapovalov (Kanada) und den "Lucky Loser" Jürgen Zopp (Estland). Vor allem der Erfolg gegen Shapovalov war imponierend. Im Duell zweier Linkshänder agierte er mutig und druckvoll von der Grundlinie, insgesamt unterliefen ihm deutlich weniger Fehler als dem ebenfalls sehr talentierten und drei Jahre jüngeren Shapovalov.

14 Niederlagen in Serie - dann ging es bergauf

Der Aufstieg in die erweiterte Weltspitze kam unverhofft: Marterer stand noch vor weniger als zwei Jahren außerhalb der Top 300, 2017 musste er zweitklassige Turniere in Monterrey, Fairfield und Eckental bestreiten, um wichtige Punkte zu sammeln. Und das alles nur, weil er auf der ATP-Tour zwischenzeitlich 14 Spiele in Folge verloren hatte. Eine vernichtende Bilanz.

Doch seither geht es nur noch bergauf: Schon bei den Australian Open, dem ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres, rückte Marterer bis in die dritte Runde vor. Es folgten Achtungserfolge wie der Halbfinaleinzug in München vor vier Wochen. Siege gegen ehemalige Top-Spieler wie Fernando Verdasco und Gael Monfils verschafften ihm zusätzlichen Respekt.

Marterers Ziel ist es, den Gegner permanent unter Druck zu setzen. Sein Aufschlag passiert das Netz in aller Regelmäßigkeit mit über 200 km/h, die Vorhand ist sein wohl bester Schlag. Zudem bereitet das Spiel von Linkshändern vielen Gegnern Probleme. Der 1,91 Meter große Nürnberger wird von Michael Kohlmann trainiert, dem aktuellen Teamkapitän der deutschen Davis-Cup-Mannschaft. Er attestiert seinem Schützling eine tolle Arbeitsmoral. Im Schatten vom neuen deutschen Tennisstar Alexander Zverev, der in Paris zu den Titelkandidaten zählt, kann sich Marterer in aller Ruhe und ohne medialen Druck entwickeln.

Gegen Nadal eigentlich chancenlos

Von einem Viertelfinaleinzug, wie es Zverev bereits gelungen ist, darf Marterer aber nur träumen. Die Partie gegen Nadal (nicht vor 12 Uhr) ist für den Deutschen zunächst einmal die Erfüllung eines Traums. "Rafa war immer einer, zu dem ich aufgeschaut habe. Das ist jetzt monster, dass ich in der Situation bin, ihn als Gegner zu erleben." Doch auch seine Chancen schätzt er realistisch ein: "Es spricht nicht viel für mich." Damit dürfte Marterer sogar noch untertrieben haben.

Rafael Nadal
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Rafael Nadal

Nadal hat in seiner gesamten Karriere in Paris nur zwei Partien verloren, 2009 unterlag er angeschlagen dem späteren Finalisten Robin Söderling, 2015 musste er sich Novak Djokovic geschlagen geben. Ansonsten ist der Spanier auf dem Sand von Paris eigentlich nicht zu bezwingen. Zuletzt verlor er im Juni 2015 einen Satz bei seinem Lieblingsturnier, im vergangenen Jahr überließ er Stan Wawrinka im Endspiel gerade einmal sechs Spiele. Nadal kann sich nur selbst schlagen.

Für Marterer ist das Duell mit dem 16-fachen Grand-Slam-Sieger das Spiel seines Lebens. Auf dem Court Philippe-Chatrier, einem 15.000 Zuschauer fassenden Stadion, wird der Deutsche wohl keine Chance haben. Aber wer weiß - möglicherweise bereitet Nadal seinem Gegner mit einer schlechten Leistung eine ähnliche Freude wie vor fünf Jahren.



insgesamt 4 Beiträge
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Charlie Whiting 04.06.2018
1. Schön...
...dass wieder jemand nachrückt. Hut ab vor der Moral nach so einer schlechten Serie. Und so chancenlos seh ich ihn nur wenn Nadal in Topform ist. Drücke die Daumen.
kloppskalli 04.06.2018
2. The Torturer :))
freue mich fuer ihn! Ist doch immer wieder schoen zu sehen, wenn sich Underdogs wie Marterer oder Tennys Sandgreen am Ende doch noch ihren Traum vom ganz grossen Tennis erfuellen. Dass er nach einer Niederlagenserie von VIERZEHN verlorenen Spielen so einen Durchbruch hinlegt haette ich nie gedacht. Ich dachte sowieso immer er sei Osterreicher :)))
kopi4 04.06.2018
3. Nicht vor 12?
Woher stammt die Info das er "nicht vor 12" gegen Nadal spielt? Ein simpler Blick auf die Ansetzungen der Spiele hätte genügt um zu sehen das davon nirgendwo etwas steht. Um 11 geht es mit Halep und Mertens los,danach wird das gestern abgebrochene Match Wozniacki/Kasatkina fortgesetzt,erst danach geht es mit Nadal/Marterer los. Anderthalb Spiele in 60 Minuten abzuwickeln ist, auch wenn die Damen nur zwei Gewinnsätze spielen, absurd. Also wird es eher 14 Uhr werden , um 15.30 Uhr darf auch Marterer Nadal zum 6:1,6:1 6:2 gratulieren. Die gnadenlose Überlegenheit des Spaniers dürfte den Veranstaltern mittlerweile eher auf den Keks gehen. Ein Grand Slam Turnier bei dem nur die Frage offen ist wer sich im Finale von Nadal abschießen lässt hat soviel Spannung wie die Bundesliga.
jean-baptiste-perrier 04.06.2018
4. Der ewige Nadal!
kopi4 hat geschrieben:"Die gnadenlose Überlegenheit des Spaniers dürfte den Veranstaltern mittlerweile eher auf den Keks gehen. Ein Grand Slam Turnier bei dem nur die Frage offen ist wer sich im Finale von Nadal abschießen lässt hat soviel Spannung wie die Bundesliga." ------------ Zitat Ende ------------ Da stimme ich hundertprozentig zu! Ich finde es zudem extrem nervig sich die Spiele von Nadal gegen Gegner jenseits der Top 10 anzusehen. Man sollte die Spiele von Nadal frühesten ab Achtelfinale (am besten Halbfinale) zeigen. Diese nervigen Nadal-Vorrunden-Spiele! Ach, er hat mal wieder gewonnen, nee, wer hätte das gedacht? Da schaue ich mir lieber ein Testbild an. Da kann man nur das Ende der Sandplatz-Saison abwarten und dann auf Grass und Hardcourt Duelle mit Roger Federer herbeisehnen damit es wirklich mal ein offenes Ende gibt.
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