Laver-Cup-Premiere in Prag Wie Borg noch einmal McEnroe bezwang

Team "Europa" hat sich knapp gegen den "Rest der Welt" durchgesetzt. Nicht nur die beiden berühmten Teamchefs sind begeistert vom neuen Tenniswettbewerb. Bleibt nur ein kleiner Haken.

Björn Borg (l.), Rafael Nadal
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Björn Borg (l.), Rafael Nadal

Aus Prag berichtet


Am Ende hielt es auch Björn Borg nicht mehr auf seinem Platz. Der Schwede, der zu seinen aktiven Zeiten wegen seines stoischen Charakters "Ice-Borg" genannt wurde, sprang auf und umarmte seine Schützlinge. Team "Europa" bildete einen Kreis und jubelte über den Premierensieg beim Laver Cup, der letztlich knapper ausfiel als zunächst gedacht.

Tatsächlich mussten die vielen Fans in der erneut ausverkauften Tennisarena in Prag trotz einer klaren 9:3-Führung vor dem abschließenden Tag noch einmal zittern. "Ich war sehr nervös auf der Bank, vermutlich noch mehr als die Jungs, die auf dem Platz standen", sagte Teamkapitän Borg.

Beim Laver Cup treten die vier besten europäischen Tennisspieler gegen die vier besten Spieler aus dem Rest der Welt an. Ergänzt werden beide Teams von zwei Profis, die die jeweiligen Teamkapitäne auswählen dürfen. Als Vorbild dient der Veranstaltung der Ryder Cup, bei dem sich seit 1979 Europas Golfelite mit den USA duelliert. Bei der Premierenauflage in Prag wurde die europäische Tennis-Mannschaft vom elffachen Grand-Slam-Sieger Borg betreut, die Weltauswahl vom siebenfachen Major-Gewinner John McEnroe.

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Laver Cup: Schaulaufen der Tennis-Stars

Der Vorsprung der Europäer war am dritten Tag nach Niederlagen von Marin Cilic und Tomas Berdych im Doppel und Rafael Nadal im Einzel bedenklich zusammengeschmolzen. Trotz des zwischenzeitlichen Siegs von Alexander Zverev bot sich dem Australier Nick Kyrgios in der abschließenden Partie die Chance, für sein Team "Rest der Welt" ein Entscheidungsdoppel zu erzwingen. Voraussetzung war ein Sieg gegen Roger Federer. Es schien, als hätten sich die Beteiligten ihr bestes Tennis für den Schluss aufgehoben.

"Danke Roger, dass du uns den Sieg gerettet hast"

Im ersten Satz deutete Kyrgios an, warum ihm Experten seit Jahren eine große Zukunft prognostizieren. Aufschläge mit Geschwindigkeiten über 220 km/h, erfolgreiche Stoppbälle und eine krachende Vorhand brachten ihm die verdiente Satzführung. Doch Federer schlug mit seinen Mitteln und 17.000 begeisterten Zuschauern im Rücken zurück. Im entscheidenden Satz drehte er einen klaren Rückstand und sicherte "Europa" damit den erstmaligen Gewinn des Laver Cups.

"Danke, Roger, im Namen der Mannschaft, dass du uns den Sieg gerettet hast", sagte ein erleichterter Nadal, der durch seine Niederlage gegen John Isner im Match zuvor unfreiwillig wieder für Spannung gesorgt hatte. Der Spanier geriet dann sogar noch ins Schwärmen: "Vermutlich war das die schönste Woche, die wir je zusammen erlebt haben. Es hat einfach alles gestimmt."

Rafael Nadal (l.), Roger Federer
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Rafael Nadal (l.), Roger Federer

Diese Ansicht teilte auch Alexander Zverev. Der 20-Jährige erzählte, wie schön es gewesen sei, "miteinander Zeit zu verbringen und über Tennis zu diskutieren". Auch Sam Querrey bedankte sich für die perfekte Organisation des Laver Cups. Der Wettbewerb sei laut dem US-Amerikaner sogar eine zusätzliche Motivation, im kommenden Jahr noch besser zu spielen, um eine Nominierung zu rechtfertigen. Sollte Querrey dann immer noch zu den vier besten Nicht-Europäern gehören, würde es für ihn sogar ein Heimspiel: Die Veranstalter hatten im Zuge der Siegerehrung verraten, dass der interkontinentale Vergleich 2018 in Chicago stattfinden wird.

Federer: "Wir leben alle unseren Traum"

Um der Veranstaltung einen würdigen Abschluss zu bereiten, überließ man bei der Siegerehrung noch Federer das Wort. Der Rekord-Grand-Slam-Sieger, der maßgeblich an der Planung des Events beteiligt gewesen war, sprach von einer Vision, die er vor langer Zeit hatte. "Ich finde, dass wir alle Großen unseres Sports mehr ehren sollten. Bisher wurde das nicht entsprechend getan. Wir leben alle unseren Traum, das verdanken wir in gewisser Weise auch den Stars von früher", so der Schweizer, der am Abend zuvor erstmals gemeinsam mit Nadal im Doppel angetreten war.

Das Fazit der Beteiligten fiel ausschließlich positiv aus. Verschwiegen wurde dabei aber, dass die europäische Dominanz dem Ansehen des Laver Cups langfristig schaden könnte. In diesem Jahr haben mit Novak Djokovic, Stan Wawrinka und Andy Murray gleich drei Grand-Slam-Sieger verletzungsbedingt gefehlt. Sollte das Trio zu alter Stärke zurückfinden und in der kommenden Saison dazustoßen, könnte schnell Langeweile aufkommen.

Daran wollte an diesem Abend aber niemand denken. Dafür blieb auch keine Zeit. Alexander Zverev und Dominic Thiem setzten sich nur wenige Stunden nach dem gemeinsamen Erfolg ins Flugzeug - ab sofort geht es in China wieder um Weltranglistenpunkte. Harmonie und Freundschaft dürften auf dem Platz vorerst wieder der Vergangenheit angehören.



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Nonvaio01 25.09.2017
1. super sache
ich finde dasTurnier klasse, es wird zukunft haben da bin ich mir sicher. Und was der letzte satz angeht, die USA haben momentan ein kleines tief I'm tennis, aber das geht immer Rauf und runter, in ein paar jahren ist die USA wieder weiter vorne.
quark2@mailinator.com 25.09.2017
2.
Und was genau hatte McEnroe zum Stuhlschiedrichter gesagt :-) ? Sooo alt kann er doch nicht geworden sein ;-) !
simie 25.09.2017
3.
@ nonvaio01 Sicherlich wird sich das auch mal wieder ändern und auch Spieler außerhalb Europas wieder in der absoluten Spitze zu finden sein. Derzeit sieht es erst einmal jedoch nicht danach aus. Der letzte Grand Slam Titel eines Nichteuropäers bei den Herren dürfte der von del Potro 2009 bei den US Open sein. Der letzte Titel eines US-Amerikaners dürfte der von Roddick 2003 sein. Das ist schon kein kleines Tief mehr, was das US-Amerikanische Herrentennis da gerade durchschreitet. Wenn ich jetzt keinen vergessen habe, sind alle anderen übrigen von Spielern aus Europa geholt wurden. Das ist schon eine deutliche Überlegenheit. Und könnte für diese Veranstaltung schon etwas problematisch sein. Aber vielleicht sieht es in einem Jahr für das Herrentennis außerhalb Europas auch wieder besser aus. Zumindest Kyrgios steht ja schon bereit um den nächsten Schritt zu machen.
solongcharly 25.09.2017
4. Der Score-Modus ist unsportlich...
Der Score-Modus ist unsportlich, 3 Tage zu jeweils 4 Partien wobei die Partien am ersten Tag jeweils 1 Punkt zählen, die am 2ten Tag 2 Punkte und die am dritten Tag 3 Punkte. Drei Europa Siege vom ersten Tag wurden durch nur einen Sieg der Weltauswahl wettgemacht am letzten Tag, was soll der Quatsch ? Europa hatte am ersten Tag 3gewonnen, am 2ten Tag auch 3 Siege und führte nach Partien mit 6:2 , der Score war aber 9:3. Am letzten Tag hätte also Europa noch verlieren können mit Score 12:15 wenn die "Welt" 3 Partien gewinnt und das Entscheidungs-Doppel. Nach Partien hätte Europa dabei aber trotzdem 7:6 geführt. Dieser Quatsch die Partien unterschiedlich zu gewichten entwerted frühe Leistungen ohne Sportliche Rechtfertigung, das sollte nicht sein und ist nicht gerecht !
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