Tennis-Stars Federer, Djokovic und Nadal Bitte bleibt noch ein bisschen

Sie gewinnen Titel, füllen Stadien und begeistern ihre Fans: Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic haben den Tennis-Sport auf ein neues Level gehoben. Doch was passiert, wenn sie aufhören?

Roger Federer und Novak Djokovic
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Roger Federer und Novak Djokovic

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Auch im Tennis soll es sie mal gegeben haben, die wilden Jahre. Turniere boten Spannung, Grand-Slam-Sieger waren im Vorfeld nur schwer zu erahnen. Zwischen August 2000 und Juni 2002 gewannen, man mag es sich heutzutage kaum noch vorstellen können, acht verschiedene Profis ein sogenanntes Major - in Folge. Ihre Namen? Pete Sampras, Marat Safin, Andre Agassi, Gustavo Kuerten, Goran Ivanisevic, Lleyton Hewitt, Thomas Johansson und Albert Costa.

Derart anarchistische Zustände gab es fortan nicht mehr. Die Plätze in Melbourne, Paris, London und New York werden seither mehr oder weniger von den gleichen Personen beherrscht. Als Erster dominierte Roger Federer, vor allem auf seinem geliebten Rasen. Dann durchbrach Rafael Nadal die Dominanz des Schweizers, insbesondere auf Sand. Wenig später gesellte sich Novak Djokovic zu dem Duo - und erreichte am vergangenen Sonntag einen weiteren Meilenstein.

Der Serbe gewann zum ersten Mal in seiner Karriere das Masters-Turnier in Cincinnati und hat damit als erster Spieler überhaupt jedes der neun ATP-Masters-Events für sich entschieden. Insgesamt kommt er nun auf 31 Erfolge auf der prestigeträchtigen Serie, besser ist nur Nadal (33), im Hintergrund lauert Federer mit 27 Titeln.

Roger Federer und Novak Djokovic in Cincinnati
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Roger Federer und Novak Djokovic in Cincinnati

Nicht nur die Zuschauer, auch die Turnier-Veranstalter fürchten das Ende

Seit nunmehr 15 Jahren kreist der Sport um die drei Namen. Federer, Nadal und Djokovic spielen in ihrer eigenen Liga, haben den Sport auf ein neues Level gehoben und 51 der vergangenen 60 Grand-Slam-Turniere gewonnen.

Federer, mittlerweile 37 Jahre alt, spielte in Cincinnati sein 150. ATP-Endspiel und steht kurz davor, sein 100. Turnier zu gewinnen. Er führte über 300 Wochen die Weltrangliste an und verdiente über 100 Millionen US-Dollar, ein ähnliches Preisgeld strichen sonst nur noch Nadal und Djokovic ein. Die Liste von Rekorden und Bestmarken ließe sich beliebig fortsetzen. Doch vielmehr beschäftigen sich Tennisfans mit der Frage: Was passiert, wenn die Drei sich von den großen Plätzen zurückziehen werden?

Nicht nur die Zuschauer, auch die Turnier-Veranstalter dürften diesen Tag fürchten. Es sind die großen Duelle, die die Massen in Stadien und vor den Fernseher locken. Federer gegen Nadal war immer auch das Duell der Gegensätze. Der Künstler und Ästhet auf der einen, das Kraftpaket auf der anderen Seite. Begegneten sich Nadal und Djokovic, spielten die defensiv- und konterstärksten Profis der Geschichte gegeneinander.

Lange werden sich die Fans an diesen Duellen nicht mehr erfreuen dürfen: Vor allem Federers Karriereende ist absehbar. Dass sich der Schweizer im hohen Tennis-Alter überhaupt noch mit seinen Rivalen messen kann, ist schon überraschend. Doch seit seinem Erfolg in Melbourne vor einem halben Jahr häufen sich die Rückschläge. Wimbledon-Aus trotz 2:0-Satzführung, Niederlagen in Halle, Miami, Indian Wells und nun Cincinnati. Der Wille, die Ballwechsel möglichst kurz zu halten, um Kraft zu sparen, hat seinem Spiel zuletzt nicht immer gut getan.

Zverev wird es in Zukunft schwer haben, seine Titel richtig einzuordnen

Auch Nadal (32 Jahre) und Djokovic (31 Jahre) erreichen bald ein kritisches Tennis-Alter. Der intensive und kräfteraubende Spielstil dürfte ihre Karrieren früher enden lassen als jene von Federer. Die "Staffelübergabe" gestaltet sich jedoch schwierig. Vor Jahren galten Grigor Dimitrov, Milos Raonic, David Goffin und Kei Nishikori als potenzielle Nachfolger des Trios - doch keiner konnte den hohen Erwartungen gerecht werden.

Seit 2016 feiern neue, aufstrebende Talente erste Erfolge. Alexander Zverev gewann bereits drei verschiedene Masters-Turniere, bei Majors reichte es für den 21-jährigen Deutschen hingegen noch nie für den Einzug ins Halbfinale. Das veranlasste Federer kürzlich zu einer Kritik. Laut dem Schweizer sei die junge Konkurrenz "leider oder für mich persönlich glücklicherweise" nicht auf einem so extrem hohen Level wie seinerzeit Nadal. "Man muss sich einfach mal wieder in Erinnerung rufen, wie gut schon der junge Rafa war", so Federer.

Was der 37-Jährige dabei verschwieg, ist, dass er zum selben Zeitpunkt seiner Karriere noch auf einen Grand-Slam-Titel wartete. Zverev und sein ebenfalls noch junger Konkurrent Stefanos Tsitsipas (20) haben mit ihrer extrovertierten und emotionalen Art das Potenzial, die kommende Generation zu prägen. Dennoch werden sie es schwer haben, ihre Titel richtig einzuordnen. Fans und Medien werden die Erfolge an denen von Federer, Nadal und Djokovic messen. Doch die Dominanz und Konstanz des Trios dürfte für immer unerreicht bleiben.

Die Zuschauer müssen sich wohl schon bald wieder auf wilde Jahre einstellen.



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Newspeak 21.08.2018
1. ....
"Was passiert, wenn die Drei sich von den großen Plätzen zurückziehen werden?" Nichts? Andere kommen nach? Kennt der durchschnittliche Tenniszuschauer heute noch einen Meisterspieler von vor fünfzig Jahren? Nebenbei, im Radsport wären solche Sätze..."Dass sich der Schweizer im hohen Tennis-Alter überhaupt noch mit seinen Rivalen messen kann, ist schon überraschend."...oder..."Die Plätze in Melbourne, Paris, London und New York werden seither mehr oder weniger von den gleichen Personen beherrscht."...verdächtig. Ich hoffe, und wünsche es mir, dass man diesen Sportlern und ihrer Leistung vertrauen kann, aber sicher bin ich mir nirgends im Profisport.
kopi4 21.08.2018
2.
Die Bemerkung ,in Zusammenhang mit Zverev,Federer sei auch 21 gewesen bei seinem ersten Major ist ein guter Witz. Erstens weil Zverev, um das zu schaffen, entweder die US open oder die Australian Open im Januar gewinnen müßte, ab Paris 2019 wird er ja als 22jähriges Supertalent geführt werden bei dem es nur eine Frage der Zeit ist wann er das erste Major gewinnt. Wahrscheinlicher ist aber das auch der 22jährige Zverev mal, als ersten Schritt, die zweite Woche bei einem Major öfter erreichen sollte. Das ist nämlich zweitens der große Unterschied zwischen Federer mit 21 und Zverev: hier ein begnadetes Talent das alles dem Erfolg unterordnete, dort eines das den Eindruck vermittelt Talent allein reicht für die großen Erfolge.
ONV 21.08.2018
3. something special
Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic waren/sind aus meiner Sicht zusammen mit Pete Sampras die besten Tennisspieler aller Zeiten. Vielleicht kann da noch Björn Borg heran. Aber das war es dann auch. Noch ältere Spieler da mit einsortieren zu wollen, macht dann keinen Sinn mehr, weil das Tennis, das damals gespielt wurde, mit dem heutigen Tennis einfach nicht mehr zu vergleichen ist. Aber derartige "Superspieler" gibt es eben nicht in jeder Generation. Die Tennisfans hatten in den letzten 15 Jahren Glück, das drei der weltbesten Spieler aller Zeiten zur selben Zeit aktiv waren. Die haben sich gegenseitig zu noch höheren Leistungen angetrieben und es war ein Vergnügen, ihnen dabei zuzusehen. Ob die Nachfolgenden auch nur annähernd an dieses Monsterniveau anknüpfen können, wird sich zeigen. Ich sehe im Moment noch niemanden, der das von den Jungen könnte. Aber die können sich ja noch entwickeln. Ich werde jedenfalls den Zeiten der großen Drei nachtrauern...
jean-baptiste-perrier 21.08.2018
4. Alles sehr subjektiv!
ONV hat geschrieben: "Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic waren/sind aus meiner Sicht zusammen mit Pete Sampras die besten Tennisspieler aller Zeiten." ---------------- Zitat Ende ----------------- Pete Sampras? Sorry, statistisch sicherlich ganz weit vorne (basierend auf seinen Serien-Siegen in Wimbledon), aber dessen Erfolg beruhte überwiegend auf seinem wahnsinnig guten Aufschlag in Kombination mit damals schnelleren Plätzen. Sampras hat mit seinen Assen bzw. nicht returnierbaren Aufschlägen einfach genervt (nicht nur den älteren Becker) in Wimbledon - boahhhhh, wat war das langweilig. Gut, zuvor Becker, Edberg und Stich haben auch stark vom Serve-and-Volley gelebt. Edberg und Stich waren auch keine emotionalen Vulkane auf dem Platz. Aber bei Sampras war überhaupt keine Emotion erkennbar, der wirkte wie ein programmierter Roboter. Für mich war Sampras der Langweiligste unter den Erfolgreichen im Tennis. Es gab vor Jahren (vor den 51 Major-Titeln von Federer, Nadal und Djokovic) wissenschaftliche Untersuchungen die Jimmy Connors als statistisch besten Spieler der Geschichte benannten. Connors hat zwar "nur" 8 Major-Titel (zwei mehr als Becker), aber seine Karriere-Bilanz von insgesamt 1256 Siegen zu 279 Niederlagen, 268 Wochen Weltranglisten-Erster und 109 Turniersiege im Einzel wird mittlerweile erst von Federer erreicht (bislang 98 Turniersiege im Einzel). Gut, das ist auch Statistik wie bei Sampras. Aber Connors war ja ein (unangenehmer) Typ auf und neben dem Platz und nicht so eine Schnarchnase wie Sampras. Wenn Connors mit John McEnroe auf dem Platz stand, dann wurde dem Schiedsrichter Angst und Bange! Das war Entertainment at its best. Und nebenbei wurde noch ansehnliches Tennis gespielt!
Stefan12345678 21.08.2018
5. Müssig
Eigentlich ist es müssig sich darüber Gedanken zu machen. Die Turniere werden auch weiterhin ausgespielt, und das bedeutet, es wird auch weiterhin Turniersieger geben. Ob in den einzelnen Spielen dann so eine hohe Qualität erreicht wird, kann keiner vorausahnen. Jeder Spieler kann sich noch entwickeln, und jeder Sieger ist auch immer nur so stark wie nötig. D.h. ohne sehr starken Gegner, kann man nicht besser werden und auch nicht das beste Tennis zeigen, bzw. nur in einzelnen Ballwechseln. Da hatten diese drei Herren dann Glück, dass sie sich gegenseitig zu immer besseren Leistungen gezwungen haben bzw. immer noch zwingen.
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