Wimbledonsieger Murray Belohnt für seinen Mut

Ein hervorragender Tennisspieler war Andy Murray schon lange. Dass er inzwischen auch in der Lage ist, mit größtem Druck umzugehen, bewies der Schotte im Wimbledon-Finale gegen Novak Djokovic. Dank seiner Risikofreude überstand Murray selbst brenzligste Momente.

Von Philipp Joubert, London

Murray (l.), Djokovic: Schlüssel zum Erfolg war die Risikofreude
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Murray (l.), Djokovic: Schlüssel zum Erfolg war die Risikofreude


Es muss ein Alptraum für Andy Murray gewesen sein. 40:0 hatte er bei eigenem Aufschlag geführt - drei Matchbälle. Nur noch ein gewonnener Punkt und er würde sich endlich von dem Druck befreien, der seit Jahren auf ihm lastet: als erster britischer Mann seit Fred Perry im Jahr 1936 Wimbledon gewinnen.

Doch nur zwei Minuten, drei Fehler und einen Return-Gewinnschlag seines Finalgegners Novak Djokovic später liegt Murray plötzlich zurück und hat Breakball gegen sich. Djokovic wird gefürchtet und bewundert für seine Comebacks. Ein Sieg des Weltranglistenersten ist selbst in dieser Situation zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Nicht bei Djokovic.

Aber Murray sammelte sich, wehrte den Breakball mit guter Defensive und dominantem Vorhandspiel ab. Auch beim zweiten Breakball gab er Djokovic keine Chance. Als er das Match schließlich nach einem Rückhandfehler seines Gegners beendet hatte, taumelte Murray vor Erlösung über den Platz. 6:4, 7:5, 6:4 - so hatte Murray seinen Gegner bezwungen.

Bei der Trophäenübergabe sagte der Brite, er sei so konzentriert gewesen, er könne sich kaum noch an die Schlussminuten der Partie erinnern: "Das letzte Aufschlagsspiel war einfach unglaublich. Ich habe so oft gegen Novak gespielt, er ist einer der größten Kämpfer aller Zeiten. Aber irgendwie habe ich es geschafft."

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Murrays Wimbledon-Erfolg: Drama in drei Sätzen
Zum dritten Mal in den vergangenen zwölf Monaten standen sich Djokovic und Murray am Sonntag in einem Grand-Slam-Finale gegenüber. Die beiden 26-Jährigen sind nicht nur die besten Spieler der Welt, vor allem verkörpern sie einen neuen Typ Tennisspieler, in einem Sport, in dem Fitness eine immer größere Rolle spielt.

Wurde Tennis - gerade in Wimbledon - früher von schnellen Punkten geprägt, lieferten sich Murray und Djokovic lange Ballwechsel und manövrierten den Gegner mit präzisen Bällen über den Platz. Beide Spieler haben ähnliche Stärken: Sie bewegen sich extrem effizient, sind dominant im Returnspiel. Der beste Schlag bei beiden ist die Rückhand. Vorhand und Aufschlag unterliegen, wenn auch auf hohem Niveau, der Tagesform.

So sind ihre direkten Duelle vor allem von Taktik geprägt und von der Frage, wer am Ende eines langen Ballwechsels, eines langen Satzes, die nötige Kraft für den entscheidenden Schlag hat.

Auch das aktuelle Match war vor allem eine physische Auseinandersetzung. Nach seinem fast fünfstündigen Marathon im Halbfinale zeigte Djokovic schon früh Zeichen von Müdigkeit. Nur zu Beginn des zweiten Satzes, als er schnell 4:1 führte, und später im dritten Satz, als er sich von 0:2 auf 4:2 zurückkämpfte, zeigte der Serbe seine dominante Form der vergangenen zwei Wochen.

Der Schlüssel zum Erfolg war Murrays Risikofreude

Immer wieder jedoch versuchte Djokovic, der ansonsten Disziplin, Geduld und Ausdauer auch noch für die längsten Ballwechsel hat, die Punkte kurz zu halten: eine Rückhand mit zu großem Risiko geschlagen oder ein Return, der - statt den Ballwechsel zu eröffnen - im Netz landete. Vor allem aber griff er zu einer Taktik, die wie maßgeschneidert für Murrays schnelle Beine war: der Stoppball. Im dritten Satz wurde Djokovic ein ums andere Mal von seinem Gegner passiert, wenn er versuchte, den Briten mit Stoppbällen ans Netz zu holen.

Nach dem Match suchte Djokovic nicht nach Ausreden, sondern würdigte die Leistung von Murray. Der Serbe sprach vom unglaublichen Druck, der auf dem Schotten gelastet habe.

Dessen Sieg ist vor allem Ausdruck des spielerischen Mutes gewesen. Der Schlüssel zum Erfolg in diesem Match war, wie auch schon bei seinem ersten Grand-Slam-Sieg bei den US Open 2012, die Risikofreude mit der Vorhand. Diese Facette seines Spiel hatte er früher nur widerwillig zum Angriff genutzt. Er hoffte vielmehr, seine Gegner mit defensiveren Schlägen von der Grundlinie zu zermürben.

Doch seitdem der Brite den achtmaligen Grand-Slam-Sieger Ivan Lendl Anfang vergangenen Jahres als Coach engagierte, ist sein Spiel in engen Situationen immer dominanter geworden. Wo er früher auf den Fehler des Gegners setzte, übernimmt er heute die Kontrolle. Immer wieder spielt er akkurate, tiefe Schläge in die Ecken, um die Punkte am Netz oder mit einem Gewinnschlag zu beenden.

Das Publikum in London scheint in diesem Jahr gespürt zu haben, dass da ein anderer Murray auf dem Platz steht. Hatten zahlreiche Fans im vergangenen Jahr noch Murrays Finalgegner Roger Federer lautstark unterstützt, waren die Sympathien dieses Mal klar auf Seiten des Schotten. Wenn es eng wurde, feuerten die Fans Murray an. So überstand er selbst den kurzen Alptraum kurz vor Schluss, kurz vor seiner Krönung zum König von Wimbledon.



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insgesamt 9 Beiträge
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chico 76 07.07.2013
1. Sehr
gut beschrieben, eines der besten finals mit einem verdientem Sieger.
jesse01 07.07.2013
2. Eines der besten Finals ??
Naja, das finde ich überhaupt nicht. Ein Duell der beiden ist eigentlich nur Grundliniengebolze und einfach einschläfernd, da beide nahezu gleich spielen. Das Duell Murray gegen Djokovic ist sicher eines der uninteressantesten, langweiligsten der Tennisgeschichte ! Nicht zu vergleichen mit Becker Edberg oder heutzutage Federer Nadal. Aber dennoch Glückwunsch an Murray. Allerdings unerklärlich, wie Djokovic trotz Führung in Satz 2 und 3 das noch verloren hat. Normalerweise hätte der das heute gewinnen müssen, denn Murray hat beileibe nicht die Mittel einen Djokovic schlagen zu können. Heute war aber einfach sein Tag !!
oberfrange 07.07.2013
3.
Ich freue mich mit Murray, ausgerechnet ein Schotte hat den Wimbledonfluch in Großbritannien gebrochen und die Engländer feiern ihn jetzt (wobei Schottland ja bald über seine Unabhängigkeit abstimmt, nicht zu vergessen!) Ein tolles Match zweier toller Sportsmänner mit einem verdienten Sieger heute, an einem anderen Tag hätte genausogut Djokovic die Nase vorn haben können. Absolut bewunderswert die mentale Stärke von Murray nach den vergebenen drei Matchbällen im letzten Spiel. Großes Kino, danke die Herren!
SwissMatthias72 08.07.2013
4. Schotte
Gratulation an den "Braveheart"!!! Als Schottlandfan freut mich das sehr, dass ein Schotte im englischen Wimbledon gewonnen hat (mit Augenzwinkern geschrieben).
kjartan75 08.07.2013
5.
Zitat von sysopAPEin hervorragender Tennisspieler war Andy Murray schon lange. Dass er inzwischen auch in der Lage ist, mit größtem Druck umzugehen, bewies der Schotte im Wimbledon-Finale gegen Novak Djokovic. Dank seiner Risikofreude überstand Murray selbst brenzligste Momente. http://www.spiegel.de/sport/sonst/tennis-so-gewann-murray-in-wimbledon-gegen-djokovic-a-909910.html
Mir hat das Spiel gefallen. Glückwunsch an Murray. Es war eine tolle Leistung. Etwas erstaunt bin ich doch von Djokovic. Er hat seine Chancen nicht genutzt.
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