Tennis Wimbledon-Siegerin Bartoli beendet Karriere

Völlig überraschend hat Marion Bartoli ihren Rücktritt vom Tennis verkündet, nur sechs Wochen nach ihrem Triumph in Wimbledon. Ihr Körper halte den Belastungen nicht mehr stand, sagte die 28-Jährige unter Tränen bei einer Pressekonferenz: "Ich kann nicht mehr."

AFP

Hamburg - Für ihren Abschied verzichtete sie auf die ganz große Bühne: Nach einer Niederlage in der zweiten Runde des Tennisturniers von Cincinnati hat Marion Bartoli ihren Rücktritt bekanntgegeben. "Das war mein letztes Match", sagte die 28-Jährige bei der Pressekonferenz nach ihrem 6:3, 4:6, 1:6 gegen die Rumänin Simona Halep. "Ich habe eine lange, lange Zeit gespielt. Es ist Zeit für mich zu gehen", sagte Bartoli.

Der Rücktritt kommt nur sechs Wochen nach dem größten Erfolg ihrer Karriere: Im Finale von Wimbledon besiegte Bartoli die Deutsche Sabine Lisicki 6:1, 6:4 und gewann damit das wichtigste Tennisturnier der Welt.

Als Grund für ihren Rücktritt nannte die Französin körperliche Probleme. Nach einer Serie von Verletzungen sei sie nicht mehr in der Lage, schmerzfrei Tennis zu spielen. "Mein Körper macht wirklich nicht mehr mit", sagte Bartoli. In Wimbledon habe sie es unter Schmerzen noch geschafft, durchzuhalten und zu gewinnen. "Das war vielleicht das letzte bisschen, das ich noch in mir hatte."

"Mein Körper ist einfach fertig"

Erst Anfang des Monats gab sie im Achtelfinale von Toronto im Match gegen die Slowakin Magdalena Rybarikova aufgrund einer Bauchmuskelverletzung auf. "Auch meine Achillessehne schmerzt, vor allem nach Matches auf einem Hartplatz kann ich kaum normal laufen", sagte Bartoli: "Dazu kommen meine Schultern, meine Hüfte und mein Rücken. Mein Körper ist einfach fertig."

Auch während der Dreisatzniederlage in der zweiten Runde von Cincinnati hatte sie offenbar Schmerzen. "Nach 45 Minuten oder einer Stunde Tennis tut mir alles weh", sagte sie. Bartoli hatte in ihrer Karriere unter anderem mit Verletzungen am linken Fuß, rechten Sprunggelenk, Oberschenkel und an der Achillessehne zu kämpfen. Sie ist derzeit Siebte der Weltrangliste - weiter oben stand sie nie.

"Es war eine schwierige Entscheidung, ich habe es mir nicht leicht gemacht", sagte Bartoli. "Ich bin sehr lange Tennisspielerin und ich hatte die Chance, meinen größten Traum wahrwerden zu lassen. Ich habe das Gefühl, ich bin wirklich über meine Grenzen gegangen, um das zu schaffen. Aber jetzt kann ich es einfach nicht mehr."

Bartoli ist für ihre unorthodoxe Spielweise bekannt. Sie schlägt sowohl die Vorhand als auch die Rückhand beidhändig. Im Laufe ihrer Karriere gewann sie acht Einzelturniere und erspielte mehr als elf Millionen Dollar Preisgeld (Bartolis Profil auf der Website der WTA-Tour).

"Jeder wird sich an meinen Wimbledon-Titel erinnern", sagte sie auf ihrer Abschiedspressekonferenz in Cincinnati. "Niemand wird an das letzte Match denken, das ich hier gespielt habe."

hut/ham/AP/Reuters

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insgesamt 17 Beiträge
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mulhollanddriver 15.08.2013
1. Zirkusdarsteller
Hochleistungssportler sind bessere Zirkusdarsteller, die ihre Auftritte mit ihrer Gesundheit und zuweilen mit ihrem Leben bezahlen. Den Sinn solcher Darbietungen habe ich nie verstanden.
Trinkfest 15.08.2013
2. Augen auf bei der Berufswahl
Na, beneidenswert. Sie hat doch alles richtig gemacht. Mit 28 in Rente, 11 Mio. allein an Preisgeldern verdient, was will man mehr? In dem Alter wird sie wohl auch noch vollständig genesen, mein Respekt für die kluge Entscheidung, nicht auf die Gier, sondern auf die Gesundheit zu hören. Wenn man sich's leisten kann.
ckriddle 15.08.2013
3. ...!
Der Sinn des Hochleistungssports ergibt sich zum einen aus dem Interesse der Menschen an solchen Höchstleistungen, zum anderen aus dem Ehrgeiz und dem Talent mancher Menschen, denen es möglich ist, solche Leistungen zu erbringen. Der Sinn geht aber verloren, wenn ein Sportler nicht die Zeichen der Zeit erkennt und rechtzeitig seine Karriere zugunsten seiner Gesundheit beendet. Herzlichen Glückwunsch an Bartoli zu dieser Entscheidung! Viele haben leider nicht den Mut dazu...
andrewsaid 15.08.2013
4. Das beste was sie tun kann
ist, sich zurück zu ziehen. Dafür hat sie meinen tiefsten Respekt und Hochachtung. Toll Marion. Warum nur wohnst du nicht in Hannover. Ich würde dich auf ein Frühstück einladen.
countrushmore 15.08.2013
5.
Zitat von mulhollanddriverHochleistungssportler sind bessere Zirkusdarsteller, die ihre Auftritte mit ihrer Gesundheit und zuweilen mit ihrem Leben bezahlen. Den Sinn solcher Darbietungen habe ich nie verstanden.
Und ich werde nie verstehen, warum vor allem bei Spiegel-Online sich ständig Leute zu Themen äußern, die sie Nullkommanichts interessieren.
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