Russlands Staatsdoping und das IOC Anwalt von Doping-Kronzeuge fordert Bachs Rücktritt

Grigorij Rodtschenkow ist der Kronzeuge, der die Methoden des russischen Staatsdopings offenbarte. Sein Anwalt erhebt schwere Vorwürfe gegen IOC-Chef Thomas Bach - dessen Verhalten sei ein "Katzbuckeln" vor Moskau.

Russlands Präsident Putin, IOC-Chef Thomas Bach (Archiv)
AP

Russlands Präsident Putin, IOC-Chef Thomas Bach (Archiv)


Jim Walden, Anwalt des russischen Whistleblowers Grigorij Rodtschenkow, hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) scharf angegriffen.

Insbesondere der Umgang von IOC-Chef Thomas Bach mit Russlands Staatsdoping sei empörend. Bach müsse Konsequenzen ziehen - und zurücktreten. "Aus meiner Sicht hat das IOC ein armseliges Bild abgegeben, ein Wechsel in der Führung ist notwendig", erklärte Walden in einem Statement.

Das IOC hatte Russland wegen systematischen Dopings von den Winterspielen 2018 in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) ausgeschlossen, sauberen Athleten aber gestattet, unter gewissen Bedingungen als "Olympischer Athlet aus Russland" (OAR) teilzunehmen. Es sei sogar möglich, dass die Sportler bei der Schlussfeier wieder hinter der russischen Flagge einlaufen dürfen.

Grigorij Rodtschenkow war lange Jahre Chef des Moskauer Anti-Doping-Labors, organisierte im Geheimen aber Russlands groß angelegtes Doping-Programm, insbesondere im Vorfeld der olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi.

In Schutzgewahrsam in den USA

Dort manipulierte er laut eigener Aussage die Urinproben russischer Sportler, in Zusammenarbeit mit dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB. 2015 setzte sich Rodtschenkow in die USA ab. Dort fungiert er als Kronzeuge und befindet sich in Schutzgewahrsam des US-Justizministeriums.

Bach pflegte lange ein enges Verhältnis zu Russlands Führung, insbesondere zu Präsident Wladimir Putin, einem großen Sportfan. Erst unter dem Eindruck der Doping-Enthüllungen der McLaren-Kommission ging er auf Distanz zum Kreml und bezeichnete die Vorgänge als "schwerste Attacke auf die Integrität der Olympischen Spiele, die wir je erlebt haben".

Das IOC hatte Russland wegen systematischen Dopings von den Winterspielen 2018 in Pyeongchang ausgeschlossen und den russischen Vizepremierminister Witali Mutko lebenslang für alle olympischen Funktionen gesperrt. Nachweislich nicht gedopten Athleten des Landes wird gestattet, unter gewissen Bedingungen als "Olympischer Athlet aus Russland" (OAR) teilzunehmen.

Bach warnt vor Demütigung Russlands

Bach meldete sich unterdessen selbst in einem Interview zu Wort. Er verteidigte das Vorgehen des IOC - und verwahrte sich gegen den Vorwurf, die Organisation habe Putin nicht verärgern wollen. "Diese haltlose Theorie wird vornehmlich in Deutschland vertreten", sagte Bach der "Welt am Sonntag".

Dass russische Einzelsportler in Pyeongchang nicht als neutrale Teilnehmer antreten müssen, sondern als "Olympische Athleten aus Russland", hält Bach für wichtig. Durch den Verzicht auf Fahne, Hymne und Symbole müssten die eingeladenen russischen Athleten trotz ihrer Unschuld bereits ein Maß an Kollektivbestrafung erdulden. Man dürfe diese Athleten nicht demütigen, indem man sie quasi noch ihrer Herkunft beraube.

Anwalt Walden hingegen spricht von "Katzbuckeln vor Russland". Das IOC-Vorgehen sei politisch motiviert. Bachs Verhalten schade den olympischen Idealen. "Es gibt sie nicht mehr, oder sie sind korrupt, sie sind tot."

beb/sid

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