IOC-Präsident Thomas Bach hatte weiteren Berater-Vertrag

Vier Jahre lang hat Thomas Bach offenbar als Berater für den Industriedienstleister Ferrostaal gearbeitet. Dabei soll der heutige IOC-Präsident Hunderttausende Euro verdient haben.

Thomas Bach
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Der heutige IOC-Präsident Thomas Bach hat zwischen 2005 und 2009 offenbar Hunderttausende Euro durch eine bislang unbekannte Beratertätigkeit verdient. Das berichtet das Recherchekollektiv "Correctiv", dem ein entsprechender Vertrag Bachs mit dem Industriedienstleister MAN Ferrostaal vorliegt.

Demnach erhielt der Wirtschaftsanwalt Bach 125.000 Euro für 20 Arbeitstage pro Jahr und eine Tagespauschale von 5000 Euro bei Auslandsreisen. Für erfolgreiche Verkäufe im Wert von mehr als 29 Millionen Euro war in dem Vertrag ein Sonderbonus vorgesehen. Laut eines IOC-Sprechers hat Bach diesen Bonus nie erhalten.

Zu seinen Aufgaben gehörte laut "Correctiv" die "Herstellung von Kontakten und, falls erforderlich, Teilnahme an Verhandlungen mit Regierungen, Behörden, Verbänden sowie Unternehmen". Bach selbst wollte sich nicht zu dem Beratervertrag äußern.

Ferrostaal - der Fahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN hat seine Anteile ab 2009 abgestoßen - ist ein Industriedienstleister mit Sitz in Essen, der sich vor allem als Auftragsbeschaffer für deutsche Firmen einen Namen gemacht hat, auch in der Rüstungsbranche. Der Vertrag mit Bach wurde abgeschlossen, unmittelbar nachdem der promovierte Jurist und Sportfunktionär zum Präsidenten des deutsch-arabischen Wirtschaftsnetzwerks Ghorfa gewählt worden war.

Einen Nachweis für eine Beteiligung Bachs an einem Schmiergeldskandal rund um eine U-Boot-Lieferung nach Griechenland, in dessen Folge Ferrostaal 2011 ein Bußgeld in Höhe von 140 Millionen Euro bezahlen musste, gibt es nicht.

Bach soll sämtliche Beraterverträge immer offengelegt haben

Ein IOC-Sprecher teilte auf Anfrage des Sport-Informations-Diensts (sid) mit: "Es ist keine Besonderheit, dass ein Wirtschaftsanwalt Beratungsverträge unterhält. Diese Vertragsverhältnisse haben niemals zu irgendwelchen Beanstandungen geführt."

Der Sprecher verwies auf eine interne Prüfung der Ferrostaal-Beraterverträge im Jahr 2010 durch eine amerikanische Anwaltskanzlei. "Das Ergebnis war, dass es keinerlei Hinweise gibt, die Ferrostaal an der Integrität von Herrn Dr. Thomas Bach zweifeln lassen." Gleiches gelte für den "seit vielen Jahren bekannten und im Jahr 2008 beendeten Siemens-Vertrag". Sämtliche Beratungsverträge Bachs seien immer der IOC-Ethikkommission offengelegt worden.

Während seiner Zeit bei Ferrostaal war Bach auch DOSB-Präsident und IOC-Vizepräsident (beides ab 2006). Der DOSB verwies auf das Protokoll seiner 21. Präsidiumssitzung vom 23. September 2008: "Herr Dr. Bach hat (...) seine Tätigkeiten bereits vor seiner Wahl zum Präsidenten des DOSB unaufgefordert offengelegt und sodann selbst die Schaffung des Amtes eines Corporate Governance Beauftragten des DOSB initiiert." Ob sich diese Aussagen auch auf Ferrostaal beziehen, konnte der DOSB zunächst nicht sagen.

Das Dax-Unternehmen Siemens, das Bach mit bis zu 400.000 Euro pro Jahr entlohnt hatte, geriet 2006 durch einen Schmiergeldskandal unter Druck und wurde in Deutschland und den USA zu einer Zahlung von mehr als einer Milliarde Euro verurteilt. Siemens ist eng mit der olympischen Bewegung verbunden, rund um die Spiele 2008 in Peking etwa sind Aufträge über ein Volumen von etwa 1,1 Milliarden Euro verbrieft. Bach arbeitete zwischen 2000 und 2008 für Siemens. Er selbst betonte stets, seine Ehrenämter und Beratertätigkeiten strikt getrennt zu haben.

Mit Antritt seiner IOC-Präsidentschaft 2013 hat Bach alle sonstigen Posten niedergelegt. Ausnahme ist der Aufsichtsratsvorsitz beim fränkischen Holzmaschinenkonzern Weinig AG.

max/sid

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insgesamt 2 Beiträge
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torflut 07.04.2017
1. Geschmäckle
In jedem Fall hat das Ding ein "Geschmäckle". Und Herr Bach macht in seinem Job mal wieder keine gute Figur. Die Frage ist allerdings auch... kann man als Teil des IOC, diesem kurrupten und undemokratischen Altherrenverein, überhaupt einen guten Job machen? Für mich ist Olympia, auch wegen der Dopingprobleme, gestorben!
bs2509 07.04.2017
2. Thomas bach
im April 2008 wurde bekannt , dass er seit der Jahrtausendwende einen Beratervertrag mit der Firma Siemens hatte, der im Jahr 2008 mit 400.000 Euro vergütet wurde und zusätzliche Spesen in Höhe von 5.000 Euro pro Tag vorsah. Siemens-Aufsichtsräte kritisierten, dass bei solch hohen Honoraren eine zusätzliche tageweise Bezahlung „absolut unüblich“ sei. Bei dem Holzmaschinenkonzern Weinig AG aus Franken hält er seit 1998 den Aufsichtsratsvorsitz. Bach wurde wegen seiner Tätigkeit als Präsident der Ghorfa kritisiert. Die Ghorfa legalisiert Handelsdokumente von Unternehmen, die in arabische Länder exportieren wollen. Dabei wird bescheinigt, dass die Produkte keine Teile aus Israel enthalten. Die Praxis wurde in den 1970er-Jahren als Teil des Israel-Boykotts der Arabischen Liga eingeführt. 2016 wurde Bach im Rahmen der russischen Staatsdoping-Affäre stark kritisiert. Ihm wurde vorgeworfen, ein Sympathisant des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin zu sein, mit dem er persönlich eng befreundet ist, und deswegen aus persönlichen Gründen im Rahmen des IOC nicht konsequent gegen das von russischen Geheimdiensten und Behörden gedeckten und von der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA betriebenen massenhaften Staatsdopings russischer Spitzensportler vorgegangen zu sein. Bach hat seit Juli 1994 einen Diplomatenpass der Bundesrepublik Deutschland. Diesen erhielt er, um „ein besonderes deutsches Interesse“ beim IOC zu verfolgen, obwohl dies einem IOC-Mitglied in der IOC-eigenen Satzung verboten ist. Der Pass wurde seit dem mehrmals verlängert. Das Auswärtige Amt konnte dies im Nachhinein nicht begründen Bei den Korruptionsermittlungen gegen den Sportfunktionär Patrick Hickey weigert sich Bach eine Zeugenaussage bei der brasilianischen Polizei abzugeben und er erschien auch nicht bei den Paralympics 2016. So viel zum FDP-Mitglied Thomas Bach . . .
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