Handball-Final-Four Kiel kämpft um seinen Traum vom Triple

Meister und Pokalsieger sind sie schon, nun soll die Krönung her: Der THW Kiel will beim Final Four der Handball-Champions-League das Triple perfekt machen. Dabei geht es zunächst gegen einen Gegner, für den schon die Teilnahme am Turnier ein riesiger Erfolg ist.

Von Nils Kemter

DPA

Hamburg - Die Deutsche Meisterschaft haben sie bereits vor Wochen gewonnen, auch der DHB-Pokal wurde schon geholt. Doch der Erfolgshunger ist beim THW Kiel noch lange nicht gestillt. Schließlich sei die Champions League sogar "größer als die Olympischen Spiele", sagt Trainer Alfred Gislason: "Dort spielen die besten Mannschaften der Welt gegeneinander."

Von einer goldenen Saison werden sie in Kiel daher nur sprechen, wenn am Pfingstwochenende mit dem Triumph in der "Königsklasse" das Triple perfekt gemacht wird. Bei der dritten Auflage des Final Fours in Köln trifft der Rekordmeister am Samstag zunächst im deutschen Duell auf die Füchse Berlin (Beginn um 15.15 Uhr. Das zweite Halbfinale bestreiten ab 18 Uhr der spanische Top-Club Atlético Madrid (vor dem Umzug in die Hauptstadt als Ciudad Real bekannt) und der dänische Meister AG Kopenhagen.

Die Berliner fühlen sich schon vor dem Turnier wie die großen Sieger, sie haben ihre Erwartungen übererfüllt. Zum ersten Mal traten die Füchse in der Champions League an, nun gehören sie zu den besten vier Mannschaften Europas. Erreicht haben sie dies durch einen wahren Kraftakt. Im Viertelfinale gegen Ademar León verloren die Berliner das Hinspiel 23:34, ein Weiterkommen war nahezu ausgeschlossen. Doch im Rückspiel siegte das Team 29:18 - Halbfinale!

Kiel gewann in dieser Saison alle Spiele gegen Berlin

"Wir haben jetzt schon die Schokoladentorte, die Sahne darauf und die Kirsche", sagte Manager Bob Hanning: "Jetzt wird das Ganze mit dem Final Four noch mit Goldstaub getoppt." Das sieht Berlins Rückraumspieler Iker Romero, der im vergangenen Jahr mit dem FC Barcelona den Titel holte, ähnlich: "Es ist, wie wenn wir auf eine Party fahren und keiner hätte gedacht, dass wir eingeladen sind."

Erstmals in der Clubgeschichte schütten die Berliner eine Erfolgsprämie aus. 100.000 Euro erhalten die Spieler für die Teilnahme am Turnier. Dabei kassierte der Club für das Erreichen des Final Fours insgesamt nur 400.000 Euro.

Im Halbfinale gegen Kiel wird trotzdem wohl Schluss sein, entschied der THW in dieser Saison doch bisher alle drei Duelle (zweimal Bundesliga und einmal DHB-Pokal) klar für sich. Doch für den Favoriten soll damit nicht genug sein: Der THW will das zweite Triple nach 2007, den dritten Champions-League-Triumph nach 2010.

Im Endspiel geht es gegen den Gewinner der Partie zwischen Madrid und Kopenhagen. Die Spanier gelten im Halbfinale als Favorit, doch ob sie anschließend den THW stoppen könnten, ist fraglich. "Ich bin 2009 nach Kiel gekommen, um die Champions League zu gewinnen. Das ist mir gelungen, aber ich will es wieder erleben", brachte Rückraumspieler Daniel Narcisse die Erwartungshaltung auf den Punkt.

Und an der notwendigen Unterstützung wird es dem THW nicht mangeln: Der Veranstalter hätte für das Turnier in Köln nach eigenen Angaben über 50.000 Karten absetzen können, doch nicht einmal für die Hälfte gibt es Platz (20.000 Zuschauer). In den beiden Vorjahren war die Endrunde nicht ausverkauft. Kiels Rekordjagd lockt die Handball-Fans an den Rhein.



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insgesamt 6 Beiträge
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bierosoph 25.05.2012
1. Schade,
daß dieses Turnier nicht auf Schalke ausgetragen wird. Da wären über 40 000 Zuschauer in der Arena. Dazu werden von öffentlich rechtlichen Sendern dem FC Bayern für ein Freundschaftsspiel Millionenbeträge in den Allerwertesten geblasen, anstatt anderen auch populären Sportarten nur ein Bruchteil zukommen zu lassen.
jaydeeblue 25.05.2012
2. @bierosoph
Du musst es mal realistisch sehen! Keiner kann vorher wissen wer in das F4 kommt. Ist Kiel nicht dabei, dann wäre vermutlich auch dieses Jahr das F4 nicht ausverkaugt gewesen. Ähnlich Fanbewegungen traue ich auch Kophenagen zu, aber das weiß wie gesagt niemand vorher wer dann nach Köln darf. Aus Moskau wären vermutlich keine x tausend Fans angereist. Bei einigen anderen osteuropäischen CLubs sähe es vermutlich bei der Faninazkraft der Fans auch mau aus, so dass da keine Mengen kämen. Was wären bei einem F4 mit Moskau, Veszprém, Ciudad & Kielce? Da wäre die bUde vermutlich nicht mal halbvoll. Selbst der HSV hat keine ansatzweise so großen Fanstrukturen wie Kiel!!
pwehner80 25.05.2012
3. @jaydeeblue: Und warum...
... war dann letztes Jahr, als der "fanschwache" HSV, Ciudad (die auch diese Mal wieder dabei sind), die Rhein-Neckar Löwen und Barca im Final Four standen, die "Bude" trotzdem voll? Auch ohne den THW Kiel?
megaptera 25.05.2012
4. Die wollen doch das Quadruple
Neben Pokal, Meisterschaft und Championsleague wollen die doch auch noch null Punkte auf der Sollseite. Bisher haben sie 64:0. Alter Schwede äääh Holsteiner. Jedes Bundesligespiel in einer saison gewinnen - das muss erst einmal einer nachmachen.
Miller3000 26.05.2012
5.
Zitat von megapteraNeben Pokal, Meisterschaft und Championsleague wollen die doch auch noch null Punkte auf der Sollseite. Bisher haben sie 64:0. Alter Schwede äääh Holsteiner. Jedes Bundesligespiel in einer saison gewinnen - das muss erst einmal einer nachmachen.
Eine solche Dominanz ist für die Liga aber auch sehr langweilig. Da kann man mit einem Zitat aus dem Artikel antworten: "In den beiden Vorjahren war die Endrunde nicht ausverkauft. Kiels Rekordjagd lockt die Handball-Fans an den Rhein." Voll ist also relativ. Ohnehin traurig, dass ein F4 Turnier mit 2 Teams aus dem eigenen Land nicht ausverkauft war. Vermutlich das Los aller Sportarten hinter Fußball. Diesmal wollen alle auch nur dabei sein, weil der Titel fast sicher im Lande bleibt.
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