Durchmarsch des THW Kiel: Die Jagd nach der perfekten Saison
Noch ein Sieg, dann ist der THW Kiel zum 17. Mal Deutscher Meister. Der Titel ist allerdings nur schmuckes Beiwerk auf dem Weg zu einem einmaligen Ziel: 34 Siege in 34 Spielen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesliga soll die perfekte Saison gelingen. Verhindern kann das nur Kiel selbst.
Hamburg - Serienmeister Kiel holt die Schale zurück. Der THW ist nach einem Jahr zurück auf dem Thron: So oder so ähnlich werden die Schlagzeilen nach dem 30. Spieltag der Handball-Bundesliga am Dienstag lauten. Dann wird der THW Kiel den SC Magdeburg geschlagen haben und ist auch rechnerisch nicht mehr von Platz eins zu verdrängen.
Es klingt merkwürdig, doch diese Nachricht dürfte beim Rekordchampion kaum überschwänglichen Jubel auslösen. Das wahre Meisterstück ist noch nicht vollbracht.
Nicht weniger als die perfekte Saison - 34 Siege in 34 Spielen - peilt Kiel an und wird sich erst zufrieden geben, wenn alle Gegner bezwungen sind.
Die meisten Kontrahenten haben sich schon mit der Kieler Dominanz abgefunden. "Der THW ist die beste Mannschaft der Welt", sagte Sven-Sören Christophersen ehrfürchtig. Mit den Füchsen Berlin steht er auf Platz drei - mit zwölf Punkten Rückstand. "Unglaublich, das ist nicht zu fassen. Da stehen selbst Fachleute vor einem Rätsel", sagte Göppingens Trainer Velimir Petkovic und versuchte erst gar nicht die Kieler Dominanz zu erklären. Eine Saison ohne Punktverlust? Das ist bislang noch keinem Team gelungen.
28 Siege in 28 Spielen hat der THW Kiel bislang gesammelt und steht dazu in den Finalturnieren der Champions League und des DHB-Pokals. In der Bundesliga steuert der THW unbeirrt auf die erste Saison ohne eine einzige Niederlage zu. "Die Null ist ein Traum von uns. Jeder Handballer träumt davon, einmal eine Saison lang kein Spiel zu verlieren", sagte Alfred Gislason.
Als Vizemeister mit Wut im Bauch
Der Trainer aus Island ist der Garant dafür, dass Kiel auf der Zielgeraden nicht nachlässt. Der Startrekord des TBV Lemgo mit 17 Spielen in Folge ist längst pulverisiert, die 17. Meisterschaft beinahe ebenso lange nur noch Formsache, doch Gislason betonte stets: "Zum Feiern haben wir keine Zeit." Doch warum steht der THW Kiel nach einer - für die eigenen Verhältnisse - verkorksten Vorsaison derart souverän an der Tabellenspitze?
Mit Wut im Bauch startete Kiel als Vizemeister in die Saison. Ausgerechnet Nord-Rivale HSV Hamburg hatte dem THW nach sechs Titeln in Folge die Schale weggeschnappt. Hauptsächlich weil Kiel mit Verletzungspech kämpfte. Daniel Narcisse, Kim Andersson und Marcus Ahlm fielen lange aus. Der HSV blieb verschont und nutzte die Gunst der Stunde. In dieser Saison ist es umgekehrt: Bei Hamburg verletzten sich unter anderem Torwart Johannes Bitter und Kreisläufer Bertrand Gille schwer. Auch Berlin, Flensburg und die Rhein-Neckar Löwen hatten Pech.
Erfahrung und Gefühl für die unterschiedlichen Spielsituationen sind weitere Mosaiksteine im Kieler Erfolgssystem. Die Routiniers wissen, wann sie das Tempo drosseln müssen, wann die Zeit für überfallartigen Tempo-Handball ist. Nicht in jeder Partie und schon gar nicht ständig über die gesamte Spielzeit von 60 Minuten überzeugte der THW dabei in dieser Saison. Manchmal reichte eine starke Halbzeit, um zu gewinnen.
Kein Bundesligateam hat weniger Deutsche im Kader
Im Tor sorgt der dreimalige Weltmeister und Olympiasieger Thierry Omeyer aus Frankreich dafür, dass Kiel bislang die wenigsten Gegentore der Liga kassiert hat. Im Rückraum dürfen sich Welthandballer Filip Jicha aus Tschechien, der Serbe Momir Ilic, Narcisse aus Frankreich und der Schwede Andersson abwechselnd Pausen gönnen. Das Quartett zählt international zu den sechs besten Rückraumspielern - keine Mannschaft der Welt kann im wichtigsten Mannschaftsteil im Handball mehr Qualität aufbieten.
Am Kreis wuchtet der Schwede Marcus Ahlm seine 106 Kilogramm bei zwei Metern Körpergröße in jeden Zweikampf. Er ist der Kapitän, er trägt die Verantwortung. Alle Kieler Leistungsträger sind längst jenseits der 30.
Die Deutschen im Team sind im Vergleich zu diesen Routiniers nur Nebendarsteller. Die Außen Christian Sprenger und Dominik Klein werden vorzugsweise freigespielt, Christian Zeitz kann sich ganz auf seine spektakulären Würfe konzentrieren, ohne das Team führen zu müssen. Tobias Reichmann und Jannick Boldt ergänzen den Kader. Weniger Deutsche hat kein anderes Bundesligateam in seinen Reihen - somit steht der THW Kiel auch als Sinnbild für die Krise der Nationalmannschaft.
Die Fans des Rekordmeisters kümmert das nicht. Die Halle ist mit 10.261 Zuschauern bei jedem Spiel ausverkauft. Nach dem Spiel gegen Magdeburg empfängt der THW noch den Zwölften Wetzlar zum Nachholspiel, den Zehnten TuS N-Lübbecke und bei der großen Meisterfeier den Elften Gummersbach. Außerdem muss Kiel noch zum Schlusslicht Hildesheim und zum Noch-Champion Hamburg. Sie alle sind derzeit kaum in der Verfassung, Kiel zu stoppen. Die perfekte Saison, das eigentliche Kieler Meisterstück - sie ist kaum noch zu verhindern.
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- Montag, 30.04.2012 – 09:06 Uhr
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| Deutsche Handball-Meister seit 1990 | |
| Jahr | Club |
| 2013 | THW Kiel |
| 2012 | THW Kiel |
| 2011 | HSV Hamburg |
| 2010 | THW Kiel |
| 2009 | THW Kiel |
| 2008 | THW Kiel |
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| 2004 | SG Flensburg-Handewitt |
| 2003 | TBV Lemgo |
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| 2001 | SC Magdeburg |
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| 1995 | THW Kiel |
| 1994 | THW Kiel |
| 1993 | SG Wallau/Massenheim |
| 1992 | SG Wallau/Massenheim |
| 1991 | VfL Gummersbach |
| 1990 | TV Großwallstadt |
| Sieger der Handball-Champions-League | |
| Jahr | Club |
| 2013 | HSV Hamburg |
| 2012 | THW Kiel |
| 2011 | FC Barcelona |
| 2010 | THW Kiel |
| 2009 | BM Ciudad Real |
| 2008 | BM Ciudad Real |
| 2007 | THW Kiel |
| 2006 | BM Ciudad Real |
| 2005 | FC Barcelona |
| 2004 | RK Celje |
| 2003 | HB Montpellier |
| 2002 | SC Magdeburg |
| 2001 | Portland San Antonio |
| 2000 | FC Barcelona |
| 1999 | FC Barcelona |
| 1998 | FC Barcelona |
| 1997 | FC Barcelona |
| 1996 | FC Barcelona |
| 1995 | Bidasoa Irun |
| 1994 | Cantabria Santander |
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