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Nach Boll-Kritik: Tischtennisverband will Schläger kontrollieren

Tischtennisprofi Boll: Was ist dran am "Schlägerdoping"? Zur Großansicht
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Tischtennisprofi Boll: Was ist dran am "Schlägerdoping"?

Leistungsmanipulationen durch die Beschaffenheit der Schläger? Dies behauptet zumindest Deutschlands Tischtennisstar Timo Boll. Der Weltverband will diesem Vorwurf jetzt nachgehen.

Die Forderung von Tischtennisstar Timo Boll nach besseren Schlägerkontrollen zeigt Wirkung. Der Rekordeuropameister hatte kritisiert, dass rund 80 Prozent der Spieler weltweit mit nicht regelkonformen Schlägern spielen, weil sie die Beläge mit Chemikalien nachbehandeln. Dadurch soll der Katapulteffekt beim Schlag erhöht werden.

Der Regensburger Chemieprofessor Hubert Motschmann hat nun nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ein Kontrollverfahren entwickelt, welches die Deformation des Belages festhält und den Katapulteffekt auf den Ball misst. Übersteigt er ein festgelegtes Maß, könnte der Spieler disqualifiziert werden.

Der Weltverband ITTF hat bereits eine Prüfung des sogenannten Rheometers vorgenommen. Der Test verlief nach Angaben des deutschen ITTF-Präsidenten Thomas Weikert positiv. Das Exekutivkomitee der ITTF könnte bereits Anfang März bei der Team-WM in Kuala Lumpur über die Einführung der neuen Schlägerkontrollen bei Top-Veranstaltungen entscheiden.

Denkbar wäre, dass der Rheometer seine Premiere beim Olympia-Turnier in Rio feiert. "Wenn die ganze Sache mit einem vertretbaren Aufwand umsetzbar und zu finanzieren ist, wird niemand etwas dagegen sagen", erklärte Weikert der Zeitung.

Boll hatte nach eigenen Angaben bereits 2013 den Weltverband intern auf das "Schlägerdoping" hingewiesen. Es werde nicht nur von Chinesen praktiziert. "Da kam damals leider nichts raus", sagte Boll. Ende Januar hatte er in einem Zeitungsinterview das Thema öffentlich gemacht. "Die Reaktion vom Weltverband kann man sich denken, wenn man jemand angreift", sagte Boll beim WM-Vorbereitungslehrgang in Düsseldorf.

Die Aussichten auf eine schnelle Umsetzung eines besseren Kontrollverfahrens beurteilte er skeptisch: "Die Mühlen mahlen bei uns langsam, wenn überhaupt."

aha/dcpa

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insgesamt 5 Beiträge
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1.
peterdonhauser, 17.02.2016
gibt es eigentlich noch einen"sport"ohne chemie und labor?
2.
herbert_schwakowiak 17.02.2016
Häh? Dann ändert doch die Regeln. Wenn es die Technik gibt und alle mit solchen Schlägern spielen, ist es doch wieder fair.
3. Die Regeln wurden
Kekser 17.02.2016
ja bereits geändert, Herr Schakowiak. Ziel war es die gesundheitsschädlichen Lösungsmittel aus den Klebern zu entfernen, welche allerdings den Katapulteffekt ermöglichten. Liebgewonnenes wird halt nur sehr ungerne aufgegeben, auch wenn man dazu Regeln hintergehen muss. Boll reklamiert, dass die Schläger vieler Spieler wieder genauso schnell sind wie früher, obwohl dies mit herkömmlichen Mitteln nicht möglich ist.
4.
kastenmeier 18.02.2016
Zitat von herbert_schwakowiakHäh? Dann ändert doch die Regeln. Wenn es die Technik gibt und alle mit solchen Schlägern spielen, ist es doch wieder fair.
... fair schon, aber noch unattraktiver - wenn die Bälle nicht mehr retournierbar sind. Oder doch nicht fair, weil zwar alle die gleichen Bedingungen haben, das individuelle Können jedoch in den Hintergrund gerät.
5. Material
briancornway 18.02.2016
Zitat von peterdonhausergibt es eigentlich noch einen"sport"ohne chemie und labor?
Früher war das anders, da hat man die Sportgeräte noch genau so belassen, wie man sie vom Baum gepflückt hat. Das waren noch richtige Ehrenschläger. Und -Bälle.
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