Tischtennis Nord- und Südkorea setzen WM als gemeinsames Team fort

Die Frauenteams aus Nord- und Südkorea sollten im Viertelfinale der Tischtennis-WM aufeinandertreffen. Doch dazu kam es nicht: Beide Länder wollen nun als gemeinsame Auswahl das Halbfinale bestreiten.

Suh Hyo-Won (links) aus Südkorea und Kim Nam-Hae aus Nordkorea
DPA

Suh Hyo-Won (links) aus Südkorea und Kim Nam-Hae aus Nordkorea


Es ist ein sporthistorisches Ereignis bei der Tischtennis-WM in Halmstad: Die Frauen-Teams von Nordkorea und Südkorea haben mit Unterstützung des Weltverbands ITTF entschieden, nicht im Viertelfinale gegeneinander anzutreten, sondern stattdessen ein gemeinsames Team für das Halbfinale am Freitag zu bilden.

"Das ist eine große historische Entscheidung für unsere beiden Länder", sagte der Vizepräsident des südkoreanischen Verbands, Seungmin Ryu. "Das ist ein wichtiges Statement, um den Friedensprozess zwischen unseren beiden Ländern durch den Tischtennis-Sport unterstützen zu können."

Beide Mannschaften liefen am Donnerstag zunächst wie üblich zu dem für 10 Uhr angesetzten Viertelfinal-Spiel in die Halmstad Arena ein. Nach der offiziellen Vorstellung gingen die Spielerinnen jedoch nicht an den Tisch, sondern stellten sich für gemeinsame Fotos zusammen. Der Hallensprecher verkündete dazu die Pläne, für den Rest dieser Mannschafts-WM ein gemeinsames koreanisches Team zu bilden.

"Die Delegierten reagierten mit Standing Ovations"

Die Staatschefs der beiden offiziell noch immer im Kriegszustand befindlichen Länder hatten sich erst am vergangenen Wochenende zu einem Gipfel getroffen und sich politisch angenähert. Die Fortsetzung dieser Entspannung bei der Tischtennis-WM wird in Halmstad ausdrücklich von der ITTF und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) unterstützt.

Der deutsche ITTF-Präsident Thomas Weikert sprach in einer Mitteilung seines Verbands von einer "historischen Entwicklung. Als ich unser Board of Directors über die Pläne informiert habe, haben die Delegierten darauf mit Standing Ovations reagiert", sagte er.

Bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang hatte es ein gemeinsames Eishockey-Frauenteam beider koreanischer Staaten gegeben. Die Athleten beider Staaten waren zudem bei der Eröffnungszeremonie am 9. Februar gemeinsam hinter der sogenannten Fahne der Vereinigung gelaufen - eine hellblaue Silhouette der Halbinsel auf weißem Grund.

jan/dpa

insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Epsola 03.05.2018
1.
Ist es der gleiche IOC der sich sonst jede Vermischung von Politik und Sport verbietet (wenn es dem Geschäft schadet)? Aus rein sportlicher Sicht ist dieser Vorgang eine Katastrophe. Man stelle sich vor Real Madrid und Bayern München hätten gesagt, dass sie als Mischmannschaft ins Championsleague-Finale einziehen. Mit der politischer Sichtweise ist das ganze insgesamt zu tolerieren. Aber die heuchelnde Inszenierung der Verbände und höchsten Sportfunktionäre ist dennoch abzulehnen un als das zu benennen was es ist.
brosswag 03.05.2018
2. sehr erfreulich
Eine sehr erfreuliche Handlung. Korea ist #EINE Nation die durch unglückliche Umstände geteilt wurde. Alles was dazu beitragen kann diese Teilung zu überwinden und letztlich zu beseitigen, kann nur als positiv bewertet werden.
Tharsonius 03.05.2018
3.
Zitat von EpsolaIst es der gleiche IOC der sich sonst jede Vermischung von Politik und Sport verbietet (wenn es dem Geschäft schadet)? Aus rein sportlicher Sicht ist dieser Vorgang eine Katastrophe. Man stelle sich vor Real Madrid und Bayern München hätten gesagt, dass sie als Mischmannschaft ins Championsleague-Finale einziehen. Mit der politischer Sichtweise ist das ganze insgesamt zu tolerieren. Aber die heuchelnde Inszenierung der Verbände und höchsten Sportfunktionäre ist dennoch abzulehnen un als das zu benennen was es ist.
Warum?`Bestätigen Ausnahmen nicht die Regel? Im Gegensatz zu Nord- und Südkorea haben Real Madrid (Spanien) und Bayern München (Deutschland) weder geografisch noch politisch oder ethnisch das geringste miteinander zu tun. Erinnern sie sich noch das ost- und westdeutsche Spieler kurz nach der Maueröffnung und noch vor der offiziellen Wiedervereinigung bereits auf nationaler Ebene gemischt auftraten? Dass das in Korea schon eher passiert ist doch durchaus positiv.
M. Vikings 03.05.2018
4. Eine unerfreuliche Instrumentalisierung der Sportler.
Erinnern wir uns an die Olympischen Spiele, und betrachten das Ganze mal aus der Sicht der Sportler. Team Südkorea ging es um ein möglichst gutes Abschneiden. Deshalb hatte Südkorea die Kanadierin und ehemalige Minnesota Spielerin Sarah Murray als Trainerin der Eishockey-Frauschaft verpflichtet, und man hatte einige kanadische Spielerinnen eingebürgert. Vier Jahre haben sich die Frauen auf die Spiele vorbereitet. Zwei Wochen vor den Spielen wurde die Frauschaft zwangsweise aufgefüllt, was natürlich zu einer Schwächung des Teams führte, und einigen Spielerinnen den hart erarbeiteten und verdienten Auftritt unmöglich machte. Die Politiker haben die Frauen um vier Jahre harte Arbeit, einen würdigen Olympiaauftritt und um einen möglichen Achtungserfolg betrogen. Und sei es auch nur um eine gute Platzierung. Auch bei der Tischtennis-WM werden natürlich Sportlerinnen und Sportler um ihren verdienten Auftritt und ein besseres Abschneiden betrogen. Die Politiker sollen ihre Probleme selber lösen und die Sportler in Ruhe lassen. Als hätten diese Showprojekte irgend eine Auswirkung auf die Zukunft Koreas.
mapcollect 03.05.2018
5. Tolle Geste !
Und toll, dass die TT Funktionäre da mitspielen. Es gibt halt auch etwas wichtigeres als Sport. Bei der FIFA wäre so etwas undenkbar.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.