Hockey-Spieler Tobias Hauke Mission Gold-Hattrick

Zwei Olympiasiege hat Hockey-Nationalspieler Tobias Hauke bereits feiern können, in Rio de Janeiro könnte der Gold-Hattrick folgen. Es wäre die Krönung einer beeindruckenden Karriere.

DPA

Aus Rio de Janeiro berichtet


Selbst von den schönsten Dingen kann man zu viel bekommen. Egal, ob Chips und Schokolade, kalte Cola, Sonnenbaden am Strand oder ein TV-Serien-Marathon: zu viel ist einfach zu viel.

Aber kann man auch vom Siegen genug bekommen?

"Wenn man einmal erfolgreich war, dieses Gefühl erlebt hat, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat, dann will man mehr. Das hört nicht auf", sagt Tobias Hauke.

Der 28 Jahre alte Hockey-Nationalspieler ist einer der erfolgreichsten aktiven deutschen Sportler: Zweimal in Folge hat er mit der deutschen Hockey-Nationalmannschaft die Olympische Goldmedaille gewonnen, 2008 und 2012. Hauke ist zweifacher Hallen-Weltmeister, Europameister, feierte mit seinen Vereinen Harvestehuder THC und Rot-Weiß Köln insgesamt fünf deutsche Meistertitel und mit dem HTHC 2014 sogar den Gewinn der EHL, der Champions League im Hockey.

Die deutsche Hockey-Nationalmannschaft gilt als zuverlässiger Medaillen-Garant bei Olympischen Spielen, auch 1992 und 1972 gab es Gold. Doch nie war die Dominanz so groß wie zuletzt. Diese Phase begann mit dem Triumph in Peking, bei dem Hauke als Jüngster im Kader direkt Stammspieler im mittleren Mittelfeld wurde, also auf einer der verantwortungsvollsten Positionen, die es in diesem Sport gibt.

"Dann sehe ich aus wie der letzte Idiot"

Wenn das Team am Samstag gegen Kanada ins olympische Turnier startet, wird Hauke wieder auf dieser Position spielen, doch seine Rolle hat sich geändert: "2008 hatten wir viele Spieler dabei, die sehr erfahren waren. Für mich war es deshalb einfach, mich auf meine Leistung zu fokussieren." 2012 gehörte der Hamburger bereits selbst zu den Etablierten, mittlerweile ist er im aus vier Spielern bestehenden Mannschaftsrat. "Heute verspüre ich deutlich mehr Druck, weil ich das Team mit führen darf."

Seine breite Statur, seine herausragende Technik und seine Spielübersicht prädestinieren den Hamburger für eine Führungsrolle. In kritischen Spielphasen ist er es oft, der mit seinen Alleingängen Treffer oder Chancen kreiert. Manchmal geht das jedoch auch schief und führt zu Gegentoren.

Auch beruflich ist Hauke sportlich unterwegs: Er arbeitet als Assistent des Pressesprechers beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV, für die Olympia-Vorbereitung ist er von einer Vollzeit- auf eine Teilzeitstelle gewechselt. Neben der Arbeit und dem Bundesliga-Hockey schiebt er noch Extra-Konditionsschichten: Training, Arbeit, Training, Schlafen. Und wieder von vorne.

Nicht nur Titel als Erfolg werten

"Das ist ein Spagat, den wir irgendwie schaffen müssen", sagt Hauke. Schließlich kann man nicht vom Hockeyspielen leben. Von hohen Gehältern können Hockeyspieler nur träumen, viel mehr als etwas Sportförderung, ein zur Verfügung gestelltes Auto oder Unterstützung bei der Wohnungsmiete können selbst Nationalspieler nicht erwarten.

Es ist also das berauschende Gefühl des Erfolgs, das die Hockeyspieler antreibt - und auch zu einem erheblichen Maße entscheidend für die Entwicklung der Sportart ist. Denn die Fördergelder für Verband und Nationalspieler sind eng an Medaillen gekoppelt. Ein erfolgloses Olympisches Jahr würde zwar nicht zur sofortigen Kürzung, wohl aber zu einigen unangenehmen Gesprächen führen.

Hauke warnt davor, nur einen Titel als Erfolg zu werten. Das sei gefährlich: "Mit dem HTHC sind wir dieses Jahr Dritter in der EHL geworden. Eigentlich ein gutes Ergebnis, aber es fühlte sich im ersten Moment nicht als solches an." Da musste er sich auch selbst ermahnen.

Reicht es für den Titel-Hattrick?

Hauke kann mit Niederlagen nicht besonders gut umgehen. "Das war schon in der Jugend so. Die 1:6-Niederlage im Endspiel der Europameisterschaft gegen die Niederlande im vergangenen Jahr war ein schlimmer Tag für mich", sagt Hauke: "Gerade wenn man so nah dran ist, muss man auch was mitnehmen."

Ob es in diesem Jahr tatsächlich für den Titel-Hattrick reicht, darüber will Hauke nicht spekulieren. Vieles ist anders in diesem Jahr: Die Leistungsdichte ist höher, neben Deutschland gehören auch Australien, Holland, Belgien, Argentinien und England zu den Titelkandidaten.

Hinzu kommt der überraschende Trainerwechsel von Markus Weise, der nun für den DFB arbeitet, zu U-21-Trainer Valentin Altenburg. Weise hatte beide Goldmedaillen mit dem Team geholt, er konnte sein Team auf den Punkt einstellen. Hauke sieht in dem Wechsel eine Chance. "Valentin bringt neuen Input. Spieler, die sich bislang wenig ausgerechnet haben, sind nun neu motiviert. Das kann sehr positiv sein."

Acht Spiele in 14 Tagen müssen die Hockeyspieler absolvieren, sollten sie bis ins Finale kommen. Vier Jahre dauert die Vorbereitung auf "dieses unbeschreibliche Sportereignis" nun schon für Hauke. Ob er nach den Spielen in Rio mit dem zeitraubenden Sport weitermacht, weiß er noch nicht.

Doch vom Erfolg kann man nur schwer genug bekommen.



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