Sieg gegen Argentinien: Deutschen Handballern geht ein Lichtlein auf

Aus Granollers berichtet

Er hielt überragend. Carsten Lichtlein hat der deutschen Handball-Nationalmannschaft den so dringend benötigten Sieg gegen Argentinien gerettet. Bundestrainer Heuberger hat ein unerwartetes Problem: Was passiert nun mit der Nummer eins, Silvio Heinevetter?

DHB-Torwart Lichtlein: 42 Prozent abgewehrte Bälle Zur Großansicht
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DHB-Torwart Lichtlein: 42 Prozent abgewehrte Bälle

Als Silvio Heinevetter längst in der Kabine war, hatte Carsten Lichtlein noch einen weiten Weg vor sich. In der Mixed Zone der Sporthalle in Granollers wollte jeder ein Statement vom zweiten Torwart der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Dieser Abend war Lichtleins Abend, er hatte der DHB-Auswahl beim 31:27 (17:13)-Erfolg über Argentinien den Sieg gerettet und das Team von Bundestrainer Martin Heuberger auf Achtelfinal-Kurs gehalten.

"Die Erleichterung ist riesig. Wir standen unter Druck, mussten das Spiel gewinnen", sagte Lichtlein. Vor allem dank seiner Leistung gelang der deutschen Mannschaft in der dritten WM-Partie die bisher beste Leistung. "Ich bin stolz auf das Team", sagte Heuberger: "Es war Schwerstarbeit für unsere Abwehr."

Heuberger hatte vor den starken Südamerikanern gewarnt, sah aber zunächst nur einen sehr guten Argentinier: Diego Simonet stellte die deutsche Abwehr immer wieder vor Probleme. Gegen den wendigen und trickreichen Rückraumspieler verteidigte Deutschland erst ab der 20. Minute besser. Da hatte der Profi des französischen Clubs US Ivry HB allerdings bereits sechs Tore erzielt und Gegenspieler Steffen Weinhold zwei Zwei-Minuten-Strafen kassiert.

Das nach holprigem Turnierstart angezählte deutsche Team zeigte sich dennoch konstanter als zuletzt. Adrian Pfahl traf nach zwei schwachen Partien vier Mal. Endlich schaffte es die DHB-Auswahl auch, Rechtsaußen Patrick Groetzki regelmäßig in Wurfposition zu bringen. Der 23-Jährige dankte es mit vier Toren. Und Kreisläufer Patrick Wiencek traf von fünf Versuchen fünf Mal.

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Handball-WM: Erleichterung im DHB-Team
Deutschland attackiert defensiv früher und konsequenter, agierte in der Offensive mit dem von Spielmacher Michael Haaß gewünschten "Dampf". Höhepunkte waren die beiden Treffer von Abwehrboss Oliver Roggisch, der sonst eigentlich bei jedem Angriff das Feld verlässt. Aus dem Publikum hallten "Oli, Oli"-Sprechchöre durch die Halle. Abgelöst wurden sie von Rufen nach Lichtlein. Spätestens in der 58. Minute erreichten sie ihren Höhepunkt: Der Keeper parierte gleich zweimal binnen weniger Sekunden. "Carsten hält am Schluss den Big Point", sagte Roggisch.

Lichtlein, der seit mehr als elf Jahren in der Nationalelf die Nummer zwei ist, bekam auch Lob vom Konkurrenten. "Carsten hat gut gehalten", sagte Heinevetter. Er war der Einzige im DHB-Team, der nicht zufrieden sein konnte. Nach seiner schwachen Leistung bei der Pleite gegen Tunesien (23:25) konnte sich der Keeper der Füchse Berlin auch gegen Argentinien nicht steigern. Ein gehaltener Siebenmeter, mehr war nicht. Nur sieben Prozent abgewehrte Bälle ließen Heuberger handeln, er brachte Lichtlein in der 25. Minute.

"Im Idealfall ist es so, dass wenn einer nichts hält, der andere kommt und was hält. Und so war das heute", sagte Heinevetter. Lichtlein kam am Ende auf 42 Prozent gehaltene Bälle. Gerade in der hektischen Schlussphase, in der Deutschland das Spiel "abgezockter herunterspielen" hätte müssen, wie Roggisch sagte, strahlte Lichtlein Ruhe aus. "Dafür haben wir zwei Torhüter. Wenn Silvio Heinevetter eine Pause braucht, kommt Carsten Lichtlein", sagte Heuberger, der nun entscheiden muss, wie lange die Pause für Heinevetter sein soll.

Lichtlein selbst bleibt bei dieser Frage gelassen: "Ich habe schon vor der WM gesagt, dass ich da bin, wenn der Bundestrainer mich braucht." Der dürfte es nun schwer haben, Lichtlein am Mittwoch gegen Montenegro (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nicht von Beginn an ins Tor zu stellen. Dann hat Deutschland die große Chance, sich vor dem abschließendem Gruppenspiel gegen Frankreich für das Achtelfinale zu qualifizieren.

Und dann ist da ja noch die Sache mit der Revanche: "Wir haben noch was gut zu machen gegen Montenegro", sagte Pfahl. Im November 2012 kassierte Deutschland in der EM-Qualifikation eine peinliche 27:31-Niederlage, anschließend gab es heftige Kritik am DHB-Team. Weil Montenegro unbedingt einen Sieg braucht, um noch Chancen auf die K.o.-Runde zu haben, befürchtet Heinevetter: "Das wird eine Prügelei."

Deutschland - Argentinien 31:27 (17:13)
Deutschland:
Heinevetter, Lichtlein - Pfahl (5), Wiencek (5), Groetzki (4), Klein (4), Schmidt (4/2), Christophersen (3), Roggisch (2), Haaß (2), Weinhold (1), Strobel (1), Theuerkauf, Reichmann, Kneer, Fäth
Argentinien: Schulz, Maciel - D. Simonet (9), S. Simonet (7/3), Querin (3), Carou (2), Pizarro (2), Riccobelli (2), Vieyra (2).
Schiedsrichter: Stark/Stefan
Zuschauer: 4200

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Forum - Was erwarten Sie von den Handball-WM 2013?
insgesamt 202 Beiträge
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1.
Hawkeye 1 03.01.2013
Zitat von sysopschon wieder kein Titel!
Dem wird man leider zustimmen müssen; wenn sie mal nicht in der Vorrunde ausscheiden. Handball kommt als Nati nicht in die Gänge....
2. Das wird nichts
uli_san 03.01.2013
International stehen wir in etwa zwischen Platz 8 und 12, was aber nicht nur an den Spielern liegt. In den Vereinen treten unsere deutschen Spitzenspieler teilweise deutlich stärker auf als in der Nationalmannschaft. Was fehlt, ist ein Trainerteam mit modernen Ideen und Motivationsmitteln. Das ist alles zu hausbacken und konservativ. Heiner Brand in den letzten Jahren und auch sein Nachfolger kommen mir völlig einfallslos vor. Selbst eingefleischte Spezialisten schütteln immer häufiger den Kopf ob der Spiel- und Wechseltaktik. Freude haben wir Handballfans nur noch bei Spielen um die europäischen Vereins-Pokale.
3.
ObackoBarama 03.01.2013
ja ist es schon wieder Weihnachten...wie der Kaiser sagte, oder in dem Falle; ja, ist es schon wieder ein Handball-Turnier? Alle Jahre wieder, im Januar, gibt es ein großes Turnier im Handball, in einem Olympia-Jahr sogar zwei (EM + Olympiaturnier). 5 Wettbewerbe in 4 Jahren, braucht kein Mensch. In keiner anderen Sportart gibt es solche Inflation an großen Wettbwerben. Man blickt gar nicht durch...Wer war letztes Mal der Weltmeister, wer Europameister, wer Olympiasieger.. Bzw. man blickt es normalerweise nicht durch..Aber seit 4 Jahren weiß man es: Frankreich, hat alle Titel gewonnen je 2 x. Deutschland hat jedenfalls kein Chance auf eine Medaille und dieser Thread wird vielleicht im besten Falle, etwa 5 Seiten der Disskussionen erreichen können. Soviel Interesse gibt es.
4. Handball nervt!
doc 123 03.01.2013
Aus welchen Gründen auch immer, Handball nervt heutzutage nur noch, trotz WM-Titel 2007, wer erinnert sich da noch an einen einzigen Namen? Dagegen 1978... Deckarm, Freisler, Klühspies, Spengler, Wunderlich... ich erinnere mich an alle diese Namen, genau wie an die WM-Spieler im Fußball 1974 oder an nahezu alle deutschen Olympiasieger von München 1972. Schon irgendwie merkwürdig, dass man sich lieber an Namen von vor 30 bis 40 Jahren erinnert als an die Sportler der heutigen Zeiten.
5. schlechtere Aussichten
ray4912 03.01.2013
Zitat von ObackoBaramaja ist es schon wieder Weihnachten...wie der Kaiser sagte, oder in dem Falle; ja, ist es schon wieder ein Handball-Turnier? Alle Jahre wieder, im Januar, gibt es ein großes Turnier im Handball, in einem Olympia-Jahr sogar zwei (EM + Olympiaturnier). 5 Wettbewerbe in 4 Jahren, braucht kein Mensch. In keiner anderen Sportart gibt es solche Inflation an großen Wettbwerben. Man blickt gar nicht durch...Wer war letztes Mal der Weltmeister, wer Europameister, wer Olympiasieger.. Bzw. man blickt es normalerweise nicht durch..Aber seit 4 Jahren weiß man es: Frankreich, hat alle Titel gewonnen je 2 x. Deutschland hat jedenfalls kein Chance auf eine Medaille und dieser Thread wird vielleicht im besten Falle, etwa 5 Seiten der Disskussionen erreichen können. Soviel Interesse gibt es.
richtig, Obacko, die Franzosen sind die Spanier des Handballs;-) Und wir sind echt nicht nahe dran.
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Handball-WM

Was schafft die deutsche Nationalmannschaft bei der Endrunde in Spanien?


Fotostrecke
Handball-Nationalmannschaft: Der deutsche WM-Kader
DHB-Kader
Tor Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Carsten Lichtlein (TBV Lemgo)

Rückraum Mitte Michael Haaß (Frisch Auf Göppingen), Martin Strobel (TBV Lemgo)

Rückraum links Sven-Sören Christophersen (Füchse Berlin), Stefan Kneer (SC Magdeburg), Steffen Fäth (HSG Wetzlar)

Rückraum rechts Steffen Weinhold (SG Flensburg-Handewitt), Adrian Pfahl (VfL Gummersbach)

Linksaußen Dominik Klein (THW Kiel), Kevin Schmidt (HSG Wetzlar)

Rechtsaußen Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tobias Reichmann (HSG Wetzlar)

Kreis Oliver Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Patrick Wiencek (THW Kiel), Christoph Theuerkauf (HBW Balingen-Weilstetten)

Die deutschen Gruppengegner
Brasilien
Die Handball-WM in Spanien ist für die junge brasilianische Mannschaft nur eine Durchgangsstation, das Ziel heißt Rio de Janeiro. Bei den Olympischen Spielen 2016 im eigenen Land wollen die Spieler mit ihrem spanischen Trainer Jordi Ribera für Furore sorgen. "Wir müssen den jungen Spielern die Chance auf internationale Erfahrungen einräumen - auch auf Kosten nicht so guter Ergebnisse", sagte Ribera vor dem Auftaktspiel gegen Deutschland. Bei den Panamerikanischen Spielen verlor die Mannschaft, die in Linksaußen Felipe Borges (Leon) und Rückraumspieler Thiagus Santos (Ciudad de Logrono) lediglich über zwei Legionäre verfügt, erst im Finale gegen Argentinien (21:22). - Bilanz gegen Deutschland: 7 Spiele, 7 Niederlagen. sid
Tunesien
Afrikameister Tunesien hat sich im Welthandball zu einer festen Größe entwickelt und nimmt in Spanien zum zehnten Mal in Folge an einer WM teil. Beste Platzierung war Platz vier bei der WM 2005 im eigenen Land. Nach dem Einzug ins Viertelfinale bei den Olympischen Spielen in London traten einige erfahrene Akteure zurück. Die Mannschaft des französischen Trainers Alain Portes befindet sich im Umbruch. Die Hoffnungen ruhen auf dem künftigen Kieler Rückraumspieler Wael Jallouz. - Bilanz gegen Deutschland: 9 Spiele, kein Sieg, ein Unentschieden, acht Niederlagen. sid
Montenegro
Einst im Handball kaum von Bedeutung, ist das Selbstvertrauen von Montenegro bei der WM groß. Nachdem das Team von Trainer Zoran Kastratovic in der Qualifikation im Sommer den späteren Olympiazweiten Schweden rausgeworfen hatte, landeten sie vor zwei Monaten den nächsten Coup: Der 31:27-Erfolg zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen Deutschland markiert eine der schwärzesten Stunden der jüngeren deutschen Handball-Vergangenheit. "Wir haben der Welt gezeigt, dass auch Montenegro Handball spielen kann", sagte Kastratovic. Bei ihrer ersten WM-Teilnahme wollen die montenigrinischen Männer nun aus dem Schatten ihrer Landsfrauen treten, die im Dezember die EM gewannen und bei den Spielen von London Silber holten. - Bilanz gegen Deutschland: 3 Spiele, 1 Sieg, 2 Niederlagen. sid
Argentinien
Panamerikameister Argentinien will bei der Handball-WM an die starken Leistungen der letzten interkontinentalen Titelkämpfe anknüpfen. Vor zwei Jahren besiegten die Gauchos in der Vorrunde zunächst Gastgeber Schweden und zwangen die deutsche Mannschaft im Spiel um Platz elf danach zweimal sensationell in die Verlängerung. "Wir wollen das letzte WM-Ergebnis bestätigen und hoffen, die Gruppenphase zu überstehen", sagte Spielmacher Sebastian Simonet. Bei den Olympischen Spielen in London verpasste Argentinien das Viertelfinale knapp durch ein 23:25 im entscheidenden Spiel gegen Tunesien. Das Turnier beendeten die Südamerikaner auf dem zehnten Platz. - Bilanz gegen Deutschland: 2 Spiele, 2 Niederlagen. sid
Frankreich
Olympiasieger Frankreich kann bei der Handball-WM Geschichte schreiben und als erste Mannschaft überhaupt zum dritten Mal in Folge Weltmeister werden. "Wir sind niemals satt. Wir wissen, was wir schon gewonnen haben und was wir gewinnen können. Das stärkt das Selbstvertrauen", sagte Torhüter Thierry Omeyer vom deutschen Meister THW Kiel. Neben Omeyer zählen der Kieler Welthandballer Daniel Narcisse, Nikola Karabatic und Luc Abalo zu den Stars der Mannschaft von Trainer Claude Onesta. Allerdings sind auch die Franzosen nicht unschlagbar. Bei der EM 2012 in Serbien belegte Frankreich nur Platz elf. - Bilanz gegen Deutschland: 68 Spiele, 26 Siege, 7 Unentschieden, 35 Niederlagen. sid