Aus Granollers berichtet Christian Paul
Als Silvio Heinevetter längst in der Kabine war, hatte Carsten Lichtlein noch einen weiten Weg vor sich. In der Mixed Zone der Sporthalle in Granollers wollte jeder ein Statement vom zweiten Torwart der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Dieser Abend war Lichtleins Abend, er hatte der DHB-Auswahl beim 31:27 (17:13)-Erfolg über Argentinien den Sieg gerettet und das Team von Bundestrainer Martin Heuberger auf Achtelfinal-Kurs gehalten.
"Die Erleichterung ist riesig. Wir standen unter Druck, mussten das Spiel gewinnen", sagte Lichtlein. Vor allem dank seiner Leistung gelang der deutschen Mannschaft in der dritten WM-Partie die bisher beste Leistung. "Ich bin stolz auf das Team", sagte Heuberger: "Es war Schwerstarbeit für unsere Abwehr."
Heuberger hatte vor den starken Südamerikanern gewarnt, sah aber zunächst nur einen sehr guten Argentinier: Diego Simonet stellte die deutsche Abwehr immer wieder vor Probleme. Gegen den wendigen und trickreichen Rückraumspieler verteidigte Deutschland erst ab der 20. Minute besser. Da hatte der Profi des französischen Clubs US Ivry HB allerdings bereits sechs Tore erzielt und Gegenspieler Steffen Weinhold zwei Zwei-Minuten-Strafen kassiert.
Das nach holprigem Turnierstart angezählte deutsche Team zeigte sich dennoch konstanter als zuletzt. Adrian Pfahl traf nach zwei schwachen Partien vier Mal. Endlich schaffte es die DHB-Auswahl auch, Rechtsaußen Patrick Groetzki regelmäßig in Wurfposition zu bringen. Der 23-Jährige dankte es mit vier Toren. Und Kreisläufer Patrick Wiencek traf von fünf Versuchen fünf Mal.
Lichtlein, der seit mehr als elf Jahren in der Nationalelf die Nummer zwei ist, bekam auch Lob vom Konkurrenten. "Carsten hat gut gehalten", sagte Heinevetter. Er war der Einzige im DHB-Team, der nicht zufrieden sein konnte. Nach seiner schwachen Leistung bei der Pleite gegen Tunesien (23:25) konnte sich der Keeper der Füchse Berlin auch gegen Argentinien nicht steigern. Ein gehaltener Siebenmeter, mehr war nicht. Nur sieben Prozent abgewehrte Bälle ließen Heuberger handeln, er brachte Lichtlein in der 25. Minute.
"Im Idealfall ist es so, dass wenn einer nichts hält, der andere kommt und was hält. Und so war das heute", sagte Heinevetter. Lichtlein kam am Ende auf 42 Prozent gehaltene Bälle. Gerade in der hektischen Schlussphase, in der Deutschland das Spiel "abgezockter herunterspielen" hätte müssen, wie Roggisch sagte, strahlte Lichtlein Ruhe aus. "Dafür haben wir zwei Torhüter. Wenn Silvio Heinevetter eine Pause braucht, kommt Carsten Lichtlein", sagte Heuberger, der nun entscheiden muss, wie lange die Pause für Heinevetter sein soll.
Lichtlein selbst bleibt bei dieser Frage gelassen: "Ich habe schon vor der WM gesagt, dass ich da bin, wenn der Bundestrainer mich braucht." Der dürfte es nun schwer haben, Lichtlein am Mittwoch gegen Montenegro (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nicht von Beginn an ins Tor zu stellen. Dann hat Deutschland die große Chance, sich vor dem abschließendem Gruppenspiel gegen Frankreich für das Achtelfinale zu qualifizieren.
Und dann ist da ja noch die Sache mit der Revanche: "Wir haben noch was gut zu machen gegen Montenegro", sagte Pfahl. Im November 2012 kassierte Deutschland in der EM-Qualifikation eine peinliche 27:31-Niederlage, anschließend gab es heftige Kritik am DHB-Team. Weil Montenegro unbedingt einen Sieg braucht, um noch Chancen auf die K.o.-Runde zu haben, befürchtet Heinevetter: "Das wird eine Prügelei."
Deutschland - Argentinien 31:27 (17:13)
Deutschland: Heinevetter, Lichtlein - Pfahl (5), Wiencek (5), Groetzki (4), Klein (4), Schmidt (4/2), Christophersen (3), Roggisch (2), Haaß (2), Weinhold (1), Strobel (1), Theuerkauf, Reichmann, Kneer, Fäth
Argentinien: Schulz, Maciel - D. Simonet (9), S. Simonet (7/3), Querin (3), Carou (2), Pizarro (2), Riccobelli (2), Vieyra (2).
Schiedsrichter: Stark/Stefan
Zuschauer: 4200
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