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Tour de France 1998: Ullrich und Zabel stehen auf Epo-Liste

Doping bei der Tour de France 1998: Die Liste der Sünder Fotos
AP

Es ist ein erneuter Tiefschlag für den Radsport: der Untersuchungsbericht über die Dopingpraktiken bei der Tour de France 1998. Das Papier bringt offenbar auch zwei ehemalige deutsche Profis in Bedrängnis - Jan Ullrich und Erik Zabel.

Hamburg - Kein Dopingfall bei der 100. Tour de France 2013 - bislang. Die Jubiläumsausgabe der Frankreich-Rundfahrt hatte einige spannende Etappen geboten, vor allem aber blieben neue Nachrichten um unerlaubte Substanzen aus.

Doch das Image des Radsports kann sich nicht erholen: Am Mittwoch hat die Anti-Doping-Kommission des französischen Senats ihren mit Spannung erwarteten Untersuchungsbericht veröffentlicht. In diesem geht es unter anderem um die Ergebnisse anonymisierter Epo-Nachtests von Proben der Frankreich-Rundfahrt 1998, inklusive Verbindungen zu den getesteten Fahrern.

Noch bevor der Senat die Namen öffentlich gemacht hat, nannten zunächst "Le Monde" und am Mittwoch auch der Sportinformationsdienst (sid) die bekanntesten:

  • der frühere französischen Top-Star Laurent Jalabert
  • der Tour-Sieger von 1998, Marco Pantani
  • Mario Cipollini
  • Erik Zabel
  • Jan Ullrich
  • Jens Heppner
  • Jacky Durand

Ullrich hatte Epo-Doping bisher stets bestritten. Zabel hatte eingeräumt, vor 1996 die unerlaubte Substanz eingenommen zu haben. Ullrich, 1997 einziger deutscher Tour-Sieger, hatte sich vor einem Monat zwar erstmals dazu bekannt, gedopt zu haben. Er behauptete aber, lediglich Eigenblutdoping betrieben zu haben.

Zabel hatte am 24. Mai 2007 gemeinsam mit Rolf Aldag in Bonn ein Doping-Geständnis abgelegt. Er erklärte damals aber, während der Tour 1996, zwei Jahre vor dem nun fraglichen Zeitraum, "einmalig" Epo genommen zu haben. Er habe das Mittel nicht vertragen und deshalb wieder abgesetzt. Zabel hatte 1998 sein drittes von insgesamt sechs Grünen Trikots gewonnen.

McQuaid: Kein neuer Sieger

Der Report des französischen Senats stützt sich auf Nachtests aus dem Jahr 2004. Ullrich hatte sich damals ein Jahr nach seinem Sieg Pantani geschlagen geben müssen. Eine Reaktion von Zabel und Ullrich auf die Liste steht noch aus. Ullrichs Berater Falk Nier sagte in einer ersten Reaktion dem sid: "Vorläufig geben wir zu diesem Thema keinen Kommentar ab."

Der Bericht hatte ursprünglich am 18. Juli, dem Tag der Tour-Königsetappe nach Alpe d'Huez, veröffentlicht werden sollen. Eine Delegation der Fahrervereinigung CPA bat daraufhin um eine Verschiebung des Termins, und die Kommission kam der Bitte nach. Auch grundsätzlich hatte sich die CPA gegen eine Bekanntmachung der Namen ausgesprochen. Grundlegende Rechte der Fahrer würden verletzt, da keine Möglichkeit zur Verteidigung bestünde.

Der Präsident des Radsport-Weltverbands UCI, Pat McQuaid, selbst als mutmaßlicher Doping-Vertuscher heftig in der Kritik, hatte die Nach-Analysen schon vor der Veröffentlichung der Ergebnisse kritisiert und in Zweifel gezogen. "Die Analysen des französischen Labors im Jahr 2004 entsprechen nicht den technischen Standards für Anti-Doping-Tests und können daher nicht als Beweis im Rahmen von Anti-Doping-Untersuchungen angenommen werden. Sie würden nicht die Eröffnung eines Disziplinarverfahrens ermöglichen. Außerdem sind die Prinzipien der Anonymität nicht respektiert worden", teilte McQuaid in einem Schreiben mit.

Einen neuen Gesamtsieger der Tour 1998 wird es deshalb wohl nicht geben. Dem 2004 verstorbenen Pantani wird der Triumph nicht aberkannt werden.

chp/sid/dpa

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insgesamt 213 Beiträge
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1.
stevie76 24.07.2013
wie, ulle hat gedopt..?!
2.
neu_ab 24.07.2013
Was für eine Heuchelei. Der Radverband sollte ALLE Ergebnisse der letzten zwanzig Jahre streichen, denn ist höchst albern anzunehmen, daß nicht alle gedopt haben. Im Prinzip kann man sogar die älteren Rekorde anullieren, denn selbst in der Anfangszeit der Rennen wurden Dopingmittel wie etwa Amphetamine, Coffein, Schmerzmittel etc. benutzt.
3.
ditor 24.07.2013
Was die Tourgeschichte 1998 und ein paar Jahre danach betrifft, kann es in Sachen Doping keine Tiefschläge mehr geben. Wer geht denn noch davon aus dass nicht durchgängig gedopt wurde?
4. Alte Leier
andi/// 24.07.2013
Immer wieder das Thema Doping. Es ist doch mittlerweile offensichtlich, dass die letzten zwei Dekaden für den Radsport verloren sind. Ob nun jemand gedopt war oder nicht spielt keine Rolle - es glaubt sowieso niemand mehr an die Aufrichtigkeit dieser Sportler. Wichtiger ist der Blick nach vorne: wie verhindert man, dass die Dopingspirale sich ein weiteres mal dreht und wie stellt man sicher, dass die sauberen Sportler nicht wieder die Dummen sind? Man darf doch die neue Generation nicht permanent unter Generalverdacht stellen.
5. Vergeßt es!
whis42per 24.07.2013
Wer immer bei der Tour in den letzten Jahrzehnten auf Spitzenplätze gefahren ist, war doch gedopt. Und so ist es mit Sicherheit immer noch...nur, daß die, die dopen, denen, die Doping nachweisen können, immer eine Radlänge voraus sind. Für die Leichtathletik dürfte dasselbe gelten. Bevor man nicht auch Mr. (Lügen)Bolt überführt hat, sind die Messtechniken eben einfach nicht adäquat.
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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)
Die Tour-Zweiten hinter Armstrong
Jahr Zweitplatzierter (Land)
2005 Ivan Basso (Italien)
2004 Andreas Klöden (Deutschland)
2003 Jan Ullrich (Deutschland)
2002 Joseba Beloki (Spanien)
2001 Jan Ullrich (Deutschland)
2000 Jan Ullrich (Deutschland)
1999 Alex Zülle (Schweiz)

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